Frauenfußball

Die perfekte erste Saison

06.06.2022, 13:00 Uhr von:  Tim K
Zwei BVB-Spielerinnen tragen Aufstiegsshirt mit der Aufschrift "Aufstieg 2022 BVB Frauen"

Die erste Saison des Ballspielvereins im Frauenfußball war ein voller Erfolg. Nach Gründung der Abteilung entschied sich der BVB nach einer umfangreichen Mitgliederbefragung gegen eine Kooperation mit einem anderen Verein oder gar den Kauf einer Lizenz, sondern gründete sein eigenes Team – und startete ganz unten in der Kreisliga.

Der Start

Für das erste Frauenfußball-Spiel in der Geschichte des Vereins hatte sich der BVB etwas ganz Besonderes überlegt. In der Roten Erde trat die Borussia gegen das ebenfalls neu gegründete und in der Kreisliga startende 1860 München an und bereitete damit einen absolut würdigen Start in das neue Kapitel. Vor 1.300 Zuschauern – allein das dürfte ein Rekord zwischen zwei Kreisliga-Mannschaften im Frauenfußball darstellen – gab es gegen die Sechziger einen 3:1-Erfolg.

Hinrunde

Etwa einen Monat später war es dann so weit. Nach einigen Testspielen sowie einem Trainingslager, in denen sich die BVB Frauen gegen andere Kreisligisten sowie einen Landesligisten gut verkaufen konnten, stand das erste Pflichtspiel an. Der Kreis Dortmund hatte die Kreisliga A in 2 Gruppen unterteilt, sodass Platz 1 in der Gruppe nicht automatisch für den Aufstieg berechtigte, sondern der Tabellenerste der anderen Gruppe in einem Aufstiegsspiel besiegt werden musste. Beim 8:0 gegen den BV Brambauer konnte der BVB nicht nur seiner Favoritenrolle sofort gerecht werden, er brach mit 1.600 Zuschauern sogar seinen eigenen Rekord – und veranstaltete mit dieser Zahl das an diesem Spieltag am besten besuchte Frauenfußballspiel in ganz Deutschland. Und das, obwohl am gleichen Spieltag die Schwergewichte Bayern München und der VfL Wolfsburg jeweils Heimspiele in der Bundesliga austrugen.

Es folgte Sieg um Sieg. Im dritten Saisonspiel eroberte der BVB durch ein 15:0 gegen Teutonia Lanstrop die Tabellenführung. Diese hatte vorher Ay Yildiz Derne dank des besseren Torverhältnisses inne gehabt, die auch bis zur Meisterschafts-Entscheidung am 18. Spieltag der ärgste Verfolger bleiben sollte. In der Liga ging es mit neun Siegen aus neun Spielen als souveräner Tabellenführer in die Winterpause und auch im Pokal konnten sowohl die Kreisligisten Urania Lütgendortmund sowie Ay Yildiz Derne sowie Bezirksligist Eintracht Dorstfeld besiegt werden, womit die BVB Frauen zum Jahreswechsel im Halbfinale des Kreispokals standen.

Winterpause

In der Winterpause absolvierten die BVB Frauen nicht nur Testspiele in der Region, sondern reisten auch im Rahmen einer Bildungsreise nach Polen und besuchten dort das Konzentrationslager Ausschwitz. Während dieser Reise wurde zudem ein Freundschaftsspiel gegen LKS Goczałkowice-Zdrój ausgetragen, den aktuellen Verein von Łukasz Piszczek, der gleichzeitig sein Jugendclub ist. Was wirklich bemerkenswert war: Selbst ins Ausland begleiteten einige Fans das Team.

Rückrunde

Die Rückrunde verlief genauso furios wie die Hinrunde. Der BVB eilte von Sieg zu Sieg, den höchsten gab es am 01.05 in der Kampfbahn Schwansbell beim SV Lünen mit 17:0. Doch auch schon etwa einen Monat früher passierte Historisches. Gegen die dritte Mannschaft der SpVg Berghofen erzielten die BVB Frauen zwar selbst 13 Tore, doch sie kassierten an diesem Sonntag ihr erstes Pflichtspiel-Gegentor überhaupt. Torschützin Yvonne Ebe feierte das Tor mit ihren Mitspielerinnen trotz des haushohen Rückstandes gebührend. Das erste Gegentor des BVB in der Geschichte erzielt zu haben liest sich sicherlich auch gar nicht so schlecht in der eigenen Fußballervita.

Gegen Saisonende kam es dann zu den sportlichen Saisonhighlights. Im dritten Spiel gegen Ay Yildiz Derne in der Saison machte der BVB die Meisterschaft in der Kreisliga A Gruppe 2 perfekt. Ende Mai folgte im Saisonfinale dann der „Doppler“ gegen den TV Brechten. Erst bestritten die Borussinnen das Aufstiegsspiel gegen den Meister der anderen Gruppe, den TV Brechten II, siegten mit 4:0 und stiegen somit in die Bezirksliga auf. Der Aufstieg wurde ausgelassen gefeiert und so geisterten am Abend einige ausgelassene Jubelbilder durch die Social-Media-Kanäle des Vereins und der Spielerinnen selbst.

Doch die Saison hatte noch ein letztes großes Highlight zu bieten, nämlich den zweiten Teil des besagten Dopplers. Denn zu viel Zeit zum Feiern blieb nicht, bereits vier Tage später traten die Dortmunderinnen erneut gegen den TV Brechten an. Diesmal jedoch gegen die erste Mannschaft, welche gerade den Aufstieg in die Landesliga geschafft hatte. Auf dem Papier war es das schwerste Pflichtspiel der gesamten Saison und dies machte sich auch auf dem Platz bemerkbar. Mit einer hervorragenden Leistung und ein wenig Spielglück gewann der BVB etwas zu hoch mit 3:0 und feiert so den Gewinn des Doubles.

Einziger Wehrmutstropfen der Rückrunde: Durch den Umbau konnte die Mannschaft nicht in der altehrwürdigen Roten Erde antreten, sondern musste auf Spiele in der Fußballakademie sowie am Trainingsgelände in Brackel ausweichen. Dies schmälerte das Ambiente und reduzierte vermutlich auch die Zuschauerzahl. Dennoch kamen zu den Spielen immer mehrere Hundert Zuschauer, zum Aufstiegsspiel sowie zum Pokalfinale waren es sogar 1000 Zuschauer. Damit zeigte sich schon in der Kreisliga ein erstaunliches Faninteresse, was hoffentlich in den kommenden Jahren noch deutlich anwachsen wird. In der nächsten Saison werden die BVB Frauen jedoch wohl vorerst weiterhin ausweichen müssen, die Umbauarbeiten werden noch über den Sommer hinaus andauern.

Fazit

Der BVB gewann in dieser Saison alle Pflichtspiele und darf deshalb in der kommenden Saison in der Bezirksliga nun auch gegen Vereine außerhalb von Dortmund und Lünen antreten, beispielsweise in Bochum oder auch Unna. Zudem konnte man sich durch den Kreispokalsieg für den Westfalenpokal qualifizieren. Dort warten einige reizvolle Lose wie Stadtrivale Berghofen, der VfL Bochum oder Arminia Bielefeld. Die Mannschaft hat insbesondere mit den Auftritten im Kreispokal gezeigt, dass sie für einen erneuten Durchmarsch in die Landesliga gewappnet ist. Endgültiges Ziel bleibt aber natürlich die Bundesliga. Dafür wird es allerdings noch einige Jahre dauern, schließlich braucht es dafür noch sechs weitere Aufstiege...

Eines hat jedoch schon die erste Saison Frauenfußball bei Borussia Dortmund klar gezeigt: Dieser Verein hat den Frauenfußball gebraucht und der Frauenfußball hat Borussia Dortmund gebraucht. Wer schon in der Kreisliga ein ähnliches Fanpotenzial wie manch Bundesligist hat, der kann nur eine Bereicherung für den Sport sein.

Statistiken

Tabelle Kreisliga A Dortmund Gruppe 2

Platz Verein Torverhältnis Punkte
1 Borussia Dortmund 143:3 54
2 SF Sölderholz 99:17 43
3 SF Ay Yildiz Derne 101:36 41


Kreispokal Dortmund

Urania Lütgendortmund – Borussia Dortmund 0:12

Borussia Dortmund – SF Ay Yildiz Derne 5:0

Borussia Dortmund – SV Eintracht Dorstfeld 3:0

Borussia Dortmund – Wambeler SV 4:1

Borussia Dortmund – TV Brechten 3:0

Top-Torjägerinnen in der Liga

Hannah Goosmann 23 Tore

Ana Louisa Zabell 18 Tore

Vanessa Kuhl 15 Tore

Ann-Katrin Lau 15 Tore

Carolin Marie Kaul 13 Tore

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