Frauenfußball

8:0! BVB-Frauen untermauern Favoritenrolle

13.09.2021, 13:00 Uhr von:  Malte S.
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Die BVB-Spielerinnen schreiten nach Abpfiff die Laufbahn der Roten Erde ab und bekommen Applaus von der Haupttribüne
Ehrenrunde nach uberzeugendem Auftakt
© Conny Dietz

Vor beeindruckender Kulisse schlägt der BVB in seinem ersten Pflichtspiel den BV Brambauer, der Sieg hätte sogar noch höher ausfallen können. Für die Tabellenführung reicht es jedoch noch nicht.

Ausnahmslos glückliche Gesichter sah man nach Abpfiff bei Schwarz-Gelb. Die Spielerinnen ließen sich von der Roten Erde feiern, drehten sogar eine kleine Ehrenrunde. Vanessa Heim (2 Tore), Ana Louisa Zabell (2), Virginia Glänzer, Hannah Goosmann, Ann-Katrin Lau und Lisa Klemann (jeweils 1) hatten die Borussia zuvor zu einem ebenso hohen wie verdienten Sieg geschossen.

Mindestens ebenso erfreulich: 1.625 Fans zählte der BVB und damit die größte Kulisse bei einem Fußballspiel von Frauen an diesem Wochenende in Deutschland. Vor der Pandemie lag der Schnitt in der Bundesliga bei 833 Zuschauer*innen. Einschränkend muss man jedoch sagen, dass es sich bei den 1.625 vermutlich um die Zahl der über die Woche kostenlos ausgegebenen Karten handelte und am Ende etwas weniger Leute auch wirklich den Weg ins Stadion fanden. Nichtsdestotrotz natürlich eine beeindruckende Kulisse für ein Kreisliga-Match. Mal sehen, wie lange die Euphorie anhalten wird.

Chance um Chance

Bei bestem Wetter ließen die Borussinnen von Anfang an keinen Zweifel an ihrer Favoritenrolle. Der BVB dominierte das Spiel, ließ die Kugel gut laufen, überzeugte in Zweikämpfen und mit Passgenauigkeit und ließ die Lünerinnen kaum aus der eigenen Hälfte kommen. Gleich in den ersten Minuten erarbeiteten sie sich ein deutliches Übergewicht an Ecken, belohnten sich jedoch noch nicht. Erst konnte Vanessa Heim einen Kopfball nicht aufs Tor bringen (09.), dann hielt Torhüterin Laureen Glöckl einen Schuss von Kimberly Becker (17.). Kurz darauf verzog Virginia Glänzer zwei Mal (18., 19.). Chancen gab es fast im Minutentakt.

Vanessa Heim auf dem Platz
Vanessa Heim war eine der besten Borussinnen (Archivfoto)

Doch erst in der 31. Minute klingelte es, als Ana Louisa Zabell zur großen Erleichterung aller nach einer Ecke traf. Acht Minuten später legte Vanessa Heim das 2:0 mit einem Schuss aus 18 Metern nach. Überhaupt zählte Geburtstagskind Heim heute zu einer der besten Spielerinnen. Auf Linksaußen sorgten ihre Dribblings und Hereingaben immer wieder für Gefahr, außerdem harmonierte sie mit der ebenfalls starken Lisa Klemann und rückte regelmäßig auch uns Zentrum ein. Weil Zabell (40.) und Becker (44.) weitere Gelegenheiten ausließen, ging es nur mit 2:0 in die Pause.

Glänzer und Klemann krönen gute Leistungen

Im zweiten Durchgang sahen Reinhard Rauball, Carsten Cramer Sebastian Kehl und Annike Krahn einen nur auf einer Position veränderten BVB: Lilli Prinzen kam für Allegra Gerres, Trainer Thomas Sulewski stellte seine Viererkette damit leicht um. Der schwarz-gelben Dominanz tat das jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil. Den Auftakt machte Hannah Goosmann. Nachdem sie sich gut freigespielt hatte, geriet ihr Schuss aber zu zentral (52.). Anschließend trafen die BVB-Frauen erst den Pfosten (55.), dann verzog Ann-Katrin Lau (55.). Wiederum kurze Zeit später vereitelte Brambauers Glöckl eine Chance Klemanns. Lünens Torhüterin war heute die mit Abstand stärkste Akteurin der Gäste.

Doch auch sie konnte nicht verhindern, dass der Torreigen weiter ging. Verteidigerin Virginia Glänzer krönte ihre Umtriebigkeit – erst verteidigte sie innen, dann links und schaltete sich immer wieder auch in die Offensive ein – mit einem satten Fernschuss zum 3:0 (57.). Danach entledigten sich die BVB-Frauen auch ihres bisher einzigen Mankos: der schlechten Chancenverwertung.

Virginia Glänzer setzt zum Schuss an
Umtriebig und gefährlich: Torschützin Virginia Glänzer (Archivfoto)

In der 66. Minute setzte Heim einen Freistoß an den Pfosten, doch Goosmann staubte das 4:0 ab. Beim 5:0 wenig später ein ähnliches Bild: Erst parierte Glöckl einen Schuss von Ann-Katrin Lau, dann versenkte Heim den Abpraller (72.). Drei Minuten später durfte sich auch Lau selbst in die Torschützinnenliste eintragen. Die mit vier Treffern beste Torjägerin der Vorbereitung platzierte einen wunderschönen Fernschuss unhaltbar direkt neben den Pfosten – 6:0. Lea Rogge-Herper lieferte die Vorarbeit. Erst eine knappe Viertelstunde zuvor eingewechselt, hinterließ die quirlige, 1,55 Meter große Mittelfeldspielerin einen guten Eindruck. Hinter den Spitzen sorgte sie für viel Wirbel, schaffte immer wieder Räume und präsentierte sich als zuverlässige Ballverteilerin.

Glückwünsche von Schmelzer und Hummels

Anschließend bekam Brambauer ein paar Minuten Luft zum Atmen. Erst in den Schlussminuten nahmen die BVB-Frauen wieder Fahrt auf: Zabell setzte einen Kopf übers Tor (85.), Marina Jung traf die Latte (88.). Wenige Sekunden später dann durfte Zabell ihr zweites Tor bejubeln. Aus 18 Metern schoss sie unhaltbar links unten ein. Im Schlussakt ärgerte sich Lisa Klemann über ihren Pfostentreffer (90.), bevor sie in der Nachspielzeit endlich ihr erstes Tor für den BVB bejubeln durfte. Die Spielführerin veredelte damit ihre mehr als bemerkenswerte Leistung an diesem Tag: Sowohl als Linksverteidigerin (erste Hälfte) als auch auf rechts (zweite Halbzeit) machte sie mächtig Alarm auf den Flügeln, gewann viele Zweikämpfe und brachte Hereingabe um Hereingabe. Die 33-Jährige war fast überall auf dem Platz zu finden und sorgte immer wieder für Gefahr.

Das Team von Thomas Sulewski erntete von Fans, Familie und BVB-Offiziellen nach Abpfiff viel Applaus. Nur ein 17:0 von SF Ay Yildiz Derne über den Lüner SV verhinderte, dass die Borussinnen die Tabellenspitze eroberten. Schöne Geste: Marcel Schmelzer und Mats Hummels beglückwünschten anschließend nicht nur die BVB-Frauen, sondern sprachen auch einige Minuten mit den Lünerinnen, schossen Fotos und munterten sie etwas auf.

Nächster Halt: Kreispokal

Und so sorgte an diesem Tag einzig Hauptsponsor Adesso für etwas Kopfschütteln. Das IT-Unternehmen, das auch die Juniorenteams unterstützt, hatte im Publikum Flyer für ein Gewinnspiel verteilt und fragte, ob der Spitzname der BVB-Frauen Dortmunder Ladies, Dortmunder Mädchen oder Dortmunder Ischen sei. Offenbar fiel später jemandem auf, dass Letzteres doch eine ziemlich respektlose Bezeichnung ist, sodass die Antwortmöglichkeit in der Onlinemaske ersetzt wurde. Immerhin.

Am kommenden Wochenende ist für die BVB-Frauen in der Kreisliga spielfrei, dafür treten sie am Freitagabend (17.09.) um 19 Uhr bei Urania Lütgendortmund im Kreispokal an. Das nächste Ligaspiel steht am 26.09. auf dem Plan, auswärts in Sölderholz.

BVB – BV Brambauer Lünen 8:0 (2:0)
BVB: Sandra Schröer – Allegra Gerres (46. Lilli Verena Prinzen), Marina Jung, Virginia Glänzer, Lisa Klemann – Luisa Bergmann (61. Lea Rogge-Herper), Ana Louisa Zabell – Ann-Katrin Lau (77. Laura Höhl), Kimberly Becker, Vanessa Heim (77. Annika Herbig) – Hannah Goosmann.
BV Brambauer: Laureen Glöckl – Rebecca Richert, Jana Hölscher, Riccarda Richert, Vivien Pedack, Melina Hauffe, Chantal Aileen Gotschlich, Melissa Katzenberg, Fiona Osmani, Jennifer Strasdun, Dilia Kuster, Caprice Gotschlich, Sarah Hauffe, Pia Kazimirowicz, Pia Helm.
Tore: 1:0 Ana Louisa Zabell (31.), 2:0 Vanessa Heim (39.), 3:0 Virginia Glänzer (56.), 4:0 Hannah Goosmann (66.), 5:0 Vanessa Heim (72.), 6:0 Ann-Katrin Lau (75.), 7:0 Ana Louisa Zabell (88.), 8:0 Lisa Klemann (90+1.).

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