
So, oder so ähnlich dürfte Niko Kovac im Laufe der Woche mehrmals gedacht haben. Hätte Schiedsrichterselbstdarsteller Schlager gegen Mainz die nicht erforderliche gelbe Karte gegen Niko Schlotterbeck gezeigt, oder Yan Couto keine gelbe Karte in Wolfsburg bekommen, einfach weil er am nächsten zum Einwurfort gestanden hätte – ja, dann hätte Kovac für Samstag zwei Sorgen weniger.
So sind beide Spieler wegen einer fünften gelben Karte gesperrt. Auch das wäre für sich genommen noch kein riesengroßes Problem, wenn unter der Woche nicht auch Emre Can und Niklas Süle aufgrund von Problemen komplett für das Training ausgefallen wären. Der Ausfall von Schlotterbeck alleine ist schon ein herber Schlag, wenn Emre Can, der in den letzten Monaten einfach eine bärenstarke Leistung als Innenverteidiger gezeigt hat, ebenfalls ausfallen würde, wäre das schon so ein kleiner Super-Gau für den BVB. Zwar sagte Trainer Kovac auf der Pressekonferenz, dass in 48 Stunden zwar noch viel passieren könne, aber angesichts der knackigen Aufgaben in den nächsten Wochen (Champions-League Barcelona, Bayern auswärts), wird man beim Einsatz nur knapp spielbereiter Kicker wohl eher vorsichtig agieren. Stand jetzt sollte man also davon ausgehen, dass wir im Breisgau mit Waldemar Anton nur einen etatmäßigen Innenverteidiger aufbieten können.
Da mit Couto auch die Alternative für die Position des rechten Verteidigers aus dem Mainzspiel ausfällt, dürfte sich die Viererkette wohl nahezu von selbst aufstellen. In diesem Fall wäre es wohl wahrscheinlich, dass Bensebaini auf die Position des linken Innenverteidigers rückt, während Svensson und Ryerson die skandinavische Flügelzange bilden. Die Bankbesetzung für den Defensivbereich dürfte dann auch eher wie ein Ausschnitt vom Mannschaftsfoto der U19 aussehen.
Weiterhin nicht sicher ist, ob Torjäger Guirassy seine muskulären Probleme überwunden hat und im Breisgau wieder mit an Bord ist. Hier dürfte Kovac jedoch etwas entspannter sein, weil das Zweispitzensystem mit Adeyemi und Beier eine durchaus interessante Variante darstellt. Beide Spieler fielen gegen Mainz mit großer Laufleistung und Einsatz auf und genau das wird auch gegen Freiburg wieder gefragt sein. Bleibt noch die Frage, ob Julian Brandt die nächste Chance bekommt, sich am eigenen Schopfe aus der wirklich grottenschlechten Phase zu ziehen, in der er seit der Winterpause steckt, oder ob Chukwuemeka mal einen Platz in der Startelf bekommt. So viele Spiele sind es ja nun nicht mehr, in denen die Leihgabe von Chelsea zeigen kann, dass diese Winterverpflichtung einen tieferen Sinn hat, als dass der BVB für ein paar Millionen den Spieler für seinen Club aus London wieder Fitness antrainieren darf. Neben den oben erwähnten Ausfällen, wird mit Felix Nmecha allerdings wohl auch ein Langzeitverletzter zurückkehren und zumindest auf der Bank mal wieder Bundesligaluft schnuppern dürfen. Für einen geplanten Einsatz wird es aber sehr wahrscheinlich noch nicht reichen.
Ansonsten bietet sich dem BVB vor dem Spiel das gewohnte Tabellenbild aus den letzten Wochen. Wir hängen hinten dran, aber trotzdem ist da im Hinterkopf immer noch so der Gedanke: „wenn man das Samstag gewinnt und zwei, drei andere Spiele für uns gut laufen, dann ist man wieder dran und könnte eventuell nochmal…“ Zumindest ein Platz in der Europa-League, oder dieser Conference-League wäre nicht völlig utopisch. Allerdings standen wir diese Saison auch schon mehrmals an diesem Punkt und eine der wenigen Dinge, in denen die Mannschaft diese Saison eine erstaunliche Konstanz gezeigt hat, ist der, dass man diese Möglichkeiten teils spektakulär versemmelt hat. Aber machste nix, ist halt Sport. Weitermachen und erneut versuchen. Dafür muss am Samstag in Freiburg aber die Defensive stehen. Hätte, hätte… Viererkette.
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