Frauenfußball

Wer soll die BVB-Frauen stoppen?

26.09.2022, 18:26 Uhr von:  Malte S.
Die BVB-Spielerinnen machen nach einem Spiel eine Welle in Richtung der Fans
Auf eine Niederlage in einem Pflichtspiel müssen die Schwarz-Gelben weiter warten (Archivbild)

Mit einem 4:0 bei Verfolger TuS Germania Lohauserholz hat der BVB die Tabellenspitze verteidigt. Das Topspiel wurde schnell zur einseitigen Angelegenheit, auch dank einer überragenden Marie Grothe, die an allen Toren beteiligt war.

Sollten Zweifel an einem weiteren Durchmarsch aufgekommen sein, die BVB-Frauen dürften sie nun ausgeräumt haben. Selbst widrigste Umstände scheinen sie nicht aufhalten zu können. Denn davon gab es am Sonntag in Hamm eigentlich einige.

Schwarz-Gelb musste beim ebenfalls ungeschlagenen TuS Germania Lohauserholz mit Vanessa Kuhl auf seine beste Torjägerin verzichten. Währenddessen stand bei den Gastgeberinnen, die in der vergangenen Saison mit 78 Punkten aus 26 Spielen ähnlich souverän aufgestiegen waren wie der BVB, Deutschlands erfolgreichste Angreiferin im Erwachsenenbereich auf dem Platz: Marie Asnaimer wurde für ihre 93 Kreisliga-Treffer 2021/22 von DFB und kicker kürzlich mit der "Torjägerkanone für alle" ausgezeichnet. Und als wäre das nicht genug, bestritt der BVB den größten Teil des Spiels zu zehnt, denn Mandy Reinhardt holte sich bereits in der 18. Minute wegen Nachtretens die Rote Karte ab.

Kaum Außenspielerinnen zur Verfügung

Allein: Zu diesem Zeitpunkt führte ihr Team bereits mit 2:0. Borussia hatte nämlich einen Blitzstart hingelegt. Keine Minute war gespielt, als Marie Grothe einen Reinhardt-Pass zum 1:0 verwandelte. Wenig später war es erneut Grothe, die, diesmal nach Vorarbeit von Kimberly Becker, zum 2:0 traf (12.). Statt sich vom Topspiel-Charakter und einer potenziellen ersten Pflichtspiel-Niederlage aus der Ruhe bringen zu lassen, knüpften die BVB-Frauen an ihre reife Leistung der Vorwoche an.

"Obwohl wir rund 70 Minuten in Unterzahl gespielt haben, haben wir den Gegner dominiert", konstatierte Trainer Thomas Sulewski. Neben Kuhl musste er auf Annika Fälker, Hanna Hentrich (beide Urlaub), Mia Bedarf, Lea Auffenberg (beide Corona) und Hannah Goosmann (Aufbautraining) verzichten. Weil insgesamt vier von fünf offensiven Außenspielerinnen nicht zur Verfügung standen und Ann-Katrin Lau nach überstandener Erkrankung erstmal auf der Bank Platz nahm, rückte die gelernte Verteidigerin Virginia Glänzer auf die linke Außenbahn. Rechts feierte Nina Schulze aus der zweiten Mannschaft ihr Debüt, und dem offensiv wie defensiv stets aufmerksamen Ersatz bescheinigte Sulewski ein "sehr ordentliches Spiel", das erst endete, als Schulze nach einem Zusammenprall vom Feld musste (67.).

Eine seitliche Aufnahme von Thomas Sulewski. Er trägt längeres, dunkles Haar und einen Bart.
Ebenso konzentriert wie sein Team: Thomas Sulewski (Archivbild)

Doch da hatten ihre Mitspielerinnen die Partie längst entschieden. Denn nicht Asnaimer, die von der BVB-Defensive weitgehend neutralisiert werden konnte, drückte dem Geschehen ihren Stempel auf, sondern Marie Grothe. Eine hohe Präsenz in unterschiedlichen Zonen des Platzes, Ballsicherheit, Übersicht und Torgefahr – der ehemaligen Zweitligaspielerin gelang es, all ihre Stärken einzubringen. Nach dem Platzverweis rückte sie etwas weiter nach vorne und war für die beiden weiteren Treffer (mit-)verantwortlich. Vor dem 3:0 eroberte sie den Ball im Mittelfeld, spielte sich stark frei und schickte Lea Rogge-Herper, die frei vor Torhüterin Zoe Bruchmann die Nerven behielt und traf (33.). Das vierte Tor fiel aus der Distanz, Grothes eigentlich harmloser Schuss rutschte Bruchmann durch (45.). Borussias Neuzugang hätte im ersten Durchgang sogar noch mehr Treffer erzielen können (34., 36.). Trotzdem hob Thomas Sulewski ihre Leistung hervor: “Es war ein unfassbar starkes Spiel von Marie Grothe. Sie hat sich ein absolutes Sonderlob verdient. Wie sie sich präsentiert, Zweikämpfe gewinnt und besser postierte Mitspielerinnen sieht – eigentlich eine Eins mit Sternchen. Hätte sie nur die Chancen noch gemacht, als sie allein auf die Torhüterin zugeht. Da war sie vielleicht ein bisschen von der Euphorie geprägt und hat die falsche Entscheidung getroffen.”

Marie Grothe im schwarz-gelben Trikot tritt an und treibt den Ball über den Platz. Sie trägt rote Schuhe und einen Pferdeschwanz.
Marie Grothe stach einmal mehr heraus

Trotzdem geriet der Sieg auch nach der Pause nicht in Gefahr. Die BVB-Frauen nahmen etwas Tempo raus, standen kompakt, setzten vermehrt auf Konter und konnten sich sogar erlauben, zwei Großchancen liegen zu lassen. Ana Louisa Zabell traf nach Vorlage Grothes nur den Pfosten (64.) und Marina Jung verschoss einen Strafstoß (89.). BVB-Keeperin Sandra Schröer sorgte auf der anderen Seite dafür, dass die Null auch in der Schlussphase, als der TuS zu seinen besten Gelegenheiten kam, stehen blieb. “Die Mädels haben das sehr gut runter gespielt. Es war kein super ansehnliches Spiel, aber von der Atmosphäre sehr hitzig. Wir wollten über die ganze Spielzeit hinweg konzentriert sein. Dass wir hinten vielleicht etwas mehr zu tun bekommen, war zu erwarten”, zeigte sich Trainer Sulewski am Ende zufrieden mit der gezeigten Leistung.

Naturrasen und Frittierfett: Amateurfußball, wie er sein sollte

Wer soll dieses Team stoppen? In der Bezirksliga vermutlich niemand. Trotz einiger Ausfälle und Unterzahl geriet der Sieg auch gegen ein Team, das den BVB-Frauen in Sachen Spielanlage und Körperlichkeit durchaus mehr entgegensetzte als bisherige Kontrahentinnen, nie in Gefahr. So steht zu vermuten, dass die wahren Prüfsteine in dieser Saison im Westfalenpokal liegen. Sofern die Borussinnen in der nächsten Runde die Hürde SV Hohenlimburg (Landesliga) nehmen, könnte mit dem VfL Bochum anschließend ein Regionalligist warten. Ein Derby, vielleicht sogar in der dann hoffentlich fertig gestellten Roten Erde – das wäre nicht nur sportlich mal ein echtes Highlight.

Zum Abschluss an dieser Stelle noch ein Lob an TuS Germania Lohauserholz. Die Gastgeber*innen hatten im Vorfeld einige Werbung gemacht und das Spiel sogar vom Neben- auf den Naturrasenplatz verlegt. Das freute nicht nur ambitionierte Groundhopper*innen. 410 Zuschauer*innen, für einen Bezirksliga-Kick eine wirklich stattliche Anzahl, fanden den Weg auf die schöne Anlage, über die sich zeitweise der Duft von Frittierfett legte, und genossen die letzten Sonnenstrahlen. Auf dem Kunstrasenplatz konnten Kinder spielen, und obwohl man es sicher verstanden hätte, wenn der TuS an diesem Tag die ein oder andere Mark mehr machen wollte, hielt er die Preise für Essen und Getränke niedrig. Da verzeiht man gerne, dass gegen Ende einer hitzigen Partie von allen Beteiligten am Seitenrand gut gepöbelt wurde. So darf Amateurfußball sein.

BVB: Schröer – Klemann, Jung, Rechenbach, Pörteners – Rogge-Herper (64. Zabell), Becker (80. Bergmann), Grothe (80. Lau) – Schulze (67. Herbig), Reinhardt, Glänzer (64. Billig).

Tore: 0:1 Grothe (1.), 0:2 Grothe (12.), 0:3 Rogge-Herper (33.), 0:4 Grothe (45.).

Besondere Vorkommnisse: Rote Karte gegen Reinhardt (18.), Bruchmann hält einen Strafstoß von Jung (89.).

Zuschauer*innen: 410 auf der Sportanlage Am Hahnenbach (Rasenplatz).

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