Der BVB siegt in Köln Zu Gast bei Freunden
Frühlingsabend in Müngersdorf, voller Gästeblock und ein Spiel dominiert Spiel, dass sich mehr nach Fußballreise als nach Topspiel anfühlte. Trotz VAR-Chaos holt Dortmund ein 2:1 in Köln - und für viele bleibt vor allem eines: eine verdammt tolle Auswärtsfahrt. Unser Spielbericht.
Frei nach dem alten Motto der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 trat Borussia Dortmund am Samstagabend zur Topspiel-Zeit in Köln-Müngersdorf an.
Frühlingshafte Temperaturen, dennoch ein Flutlichtspiel, eines der angenehmeren Stadien im Saisonkalender und eine mehr oder minder unkomplizierte Anreise. Eine Kombination, die den Anhängern Borussias unglaublich zusagte und den Gästeblock schon vor dem Anpfiff mit guter Laune durchflutete.
Man kann zweifelsfrei von der Fanfreundschaft mit den Kölnern halten, was man will. Ich für meinen Teil fand es einfach nur enorm angenehm, zur Abwechslung einmal offen mit Fan-Shirt und Schal durch die Straßen der gegnerischen Stadt laufen zu können und dabei viele Schwarzgelbe zu sehen, die gemeinsam mit den Kölnern die Sonne genossen haben und sich an Essen und Erfrischungsgetränken bedienten.
Im Allgemeinen war sofort zu spüren, dass alle Anwesenden schlicht Bock hatten, einen tollen Abend zu erleben. Weit vor dem Anpfiff waren die ersten Gesänge zu vernehmen, und auch wenn es nicht die gleiche Brachialität wie in wichtigen Champions-League-Spielen oder Spielen wie gegen den FC Bayern war: Man wusste, heute geht etwas. Es war keines der Spiele, die primär von der sportlichen Relevanz leben. Es fühlte sich anders an. Freier. Freudiger.
Es ging munter her. Während zwei Reihen hinter mir noch der Klappstuhl bewundert wurde, der aus mysteriösen Gründen einfach im Gästesteher zurückgelassen war, beginnt der Spruchband-Marathon. Neben Welcome-Back-Bannern wird auch im Laufe der nächsten Stunden das Bleiberecht der Brüder Orame gefordert sowie daran erinnert, dass Kollektivstrafen eigentlich mal für Geschichte erklärt wurden. Ebenfalls gibt es auf beiden Seiten große Spruchbänder, die das Geißbockheim als die Heimat des 1. FC Köln unterstreichen, sowie Banner gegen Polizeigewalt.
Fußball gespielt wurde dann auch noch. Glaube ich zumindest. Es ist zwischen dem Fahnenmeer mehr zu erahnen als zu erkennen gewesen, aber was ich gesehen habe und mir dann auch von gängigen Livetickern und Zusammenfassungen bestätigen lassen habe: Köln kam besser rein. Trat aktiv und mutig auf und hatte direkt einige gute Möglichkeiten. Darunter durch ihren Hoffnungsträger Said El Mala und den heutigen Debütanten Youssoupha Niang.
Dass es den Jungs von Niko Kovač nichts ausmacht, ein wenig bieder zu spielen und dennoch zu führen, ist jetzt wahrlich nichts Neues. Folgerichtig traf Guirassy in einer ein wenig unübersichtlichen Situation zum 1:0 (19.). Um es mit den Worten des Kickers zu beschreiben: „Eine schmeichelhafte Führung.“
VAR, Platzverweis und ein Stadionsprecher ohne Hemmungen
Danach plätscherte die Partie vor sich hin. Mal lag Niko Schlotterbeck am Boden und hatte Adduktorenprobleme, mal vergab Serhou Guirassy das 2:0. Richtig spannend wurde es erst kurzvor der Pause.
Während der Gästeblock mit dem benachbarten Sitzblock gerade einen absolut perversen Wechselgesang anstimmte, stand Schiedsrichter Daniel Siebert auf einmal vor dem Monitor. Die wenigsten um mich herum bemerkten es überhaupt, und noch viel weniger wussten, was genau überhaupt passiert sein sollte.
Eine marginal verständliche Durchsage von Siebert und einen absolut famosen Ausrutscher des FC-Stadionsprechers („Pfui! Widerlich!“) bei weiterhin offener Leitung später stand Schwarz-Gelb dann mit einem Mann mehr auf dem Feld. Fantastisch.
Pause. Durchatmen.
Das Spiel ist kein Leckerbissen, aber das ist sowieso allen Anwesenden klar. Das Geschehen auf dem Platz und auf den Tribünen lebt heute mehr oder weniger unabhängig voneinander. Ein perfektes Beispiel ist das 2:0, das in der 60. Minute fällt.
Im Nachhinein weiß ich, dass es ein tatsächlich sehr schön herausgespieltes Tor war. Beier spielte einen Doppelpass mit Brandt und schiebt dann sehr überlegt in die lange Ecke.
Auch ansonsten kann man sehr viel Gutes über die 2026er-Version von Maxi Beier sagen. Zumindest sind das meine Gedanken nach dem Spiel. Die Live-Reaktion war einfach nur „Abstiegskampf oder Pokale“ noch einmal ein paar Oktaven lauter zu schmettern. Dass das Tor dann genau mit dem Timing von „auf der Welt nichts Schöneres gibt“ fällt, ist natürlich ein schöner Bonus.
Das Spiel gedanklich so gut wie abgeschlossen hatten dann eigentlich mindestens 80 % des Stadionpublikums, als der Schiedsrichter kurz darauf auf den Punkt zeigte und Ramy Bensebaini bereits mit dem Ball in der Hand vor dem Elfmeterpunkt stand. Dann kam aber wieder einmal der einzige Spielverderber des heutigen Tages zum Einsatz: der VAR.
Aus dem knapp zehn Kilometer entfernten Köln-Deutz kommt ein wichtiger Anruf, und abermals schaut sich Siebert das Ganze auf dem Monitor an. Entscheidung: kein Elfmeter.
Köln lives to fight another day.
Abermals läuft die Zeit ohne wirklich nennenswerte Aktionen herunter. Der Gästeblock singt schon davon, dass man am liebsten bis in die Ewigkeit in diesem Moment verharren möchte, da schafft es Jakub Kaminski mit einem abgefälschten Tor, der Partie ein wenig Leben einzuhauchen (88.).
Der VAR hat das Gefül nooch nicht genug im Mittelpunkt gestanden zu haben
Was folgt, sind grob zehn Minuten, in denen die Kölner noch einmal alles nach vorne werfen und verzweifelt versuchen, den Ausgleich zu erzielen. Marvin Schwäbe übernimmt kurzzeitig Feldspieler-Tätigkeiten und turnt minutenlang vorne herum. Dortmund lässt noch mehrere Ecken zu. In der Entstehung der letzten kriegt der eingewechselte
Yan Couto den Ball an die Hand. Der Schiedsrichter sieht es nicht, weil ihm die Sicht versperrt war, und in Deutz musste man gerade dem Pizzaboten das Trinkgeld in die Hand drücken oder war auf einer Klo-Pause. Anders ist das Nicht-Einschalten des VARs nicht zu erklären.
Ach DFB, warum schafft ihr den Bums nicht einfach ab, wenn er doch sowieso nur so willkürlich funktioniert wie die Deutsche Bahn pünktlich ist?
Auch nachdem die letzte Ecke getreten wurde, schreit das Müngersdorfer Stadion nach einem Strafstoß. Allerdings stand der gefoulte Spieler im Abseits. Dies hindert aber Stadionsprecher
Michael Trippel nicht daran, über das Stadionmikrofon zu pöbeln und den 50.000 Anwesenden mitzuteilen, dass vorher ein glasklarer Handelfmeter verwehrt wurde.
Ich kann nicht lügen: Ich musste lachen.
Wenn man ein Fazit ziehen möchte, dann war es eine absolute famose Auswärtsfahrt. Ich kann selbstverständlich nicht für alle anwesenden Anhänger sprechen, aber nahezu alle Gesichter, die ich nach dem Spiel gesehen habe, hatten ein Lächeln im Gesicht.
„Weil’s für mich und meine Freunde –
auf der Welt nichts Schöneres gibt!“
Unsere Fotostrecke zum Spiel gibt es wie gehabt auf unserer BVB-Fotoseite unter diesem Link, oder bei Instagram.
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