Ahoi, Leute! Macht euch gefasst auf einen Reisebericht gespickt mit maritimen Redewendungen, Fotos von Deck und Impressionen aus dem Bremer Gästeblock. In diesem Sinne: Mast- und Schotbruch!
Klar: 25 Grad und Sonne, dazu eine Chance auf die Meisterschaft – es hätte weitaus schönere Bedingungen für die letzte Auswärtsfahrt der Saison gegeben. Aber: Dank der Bootstour mit der Fan- und Förderabteilung hielt der Saisonabschluss noch mal ein echtes Highlight parat. Und Bremen ist ja immer eine Reise wert. Auch bei norddeutschem Schietwetter.
Aber von vorne: Das gelbe Langarmtrikot aus der Meistersaison 1995/96 lag schon bereit. Immerhin hatte die Südtribüne Dortmund ausgerufen, in Gelb zu erscheinen. Aber angesichts der bescheidenen Wettervorhersage wurde der Plan verworfen. Also doch eine schwarze Regenjacke übers Trikot und auf zur Strobelallee.
Am Westfalenstadion ist es in den frühen Morgenstunden schon äußerst laut: Metall knallt auf den Boden, Arbeiter verladen Schuttcontainer. In den Hospitality-Bereichen der Nordtribüne laufen Abrissarbeiten. Ja moin!
Um kurz vor halb neun rollen die drei Busse der Fanabteilung los. Das Zwischenziel: ein Örtchen mit dem schmissigen Namen Achim, südöstlich von Bremen gelegen. Also los. Nach einer ersten Pause an der allseits beliebten Raststätte Dammer Berge (ja, die über der Autobahn) fängt es auf der A1 es erst mal schön an zu schütten. War ja klar. Das kann ja was werden mit der Bootsfahrt – denken wir zumindest.
Aber der Schauer ist schnell vorüber, und der Wettergott meint es pünktlich zum Saisonabschluss noch mal gut mit den mitgereisten Borussinnen und Borussen. Der Himmel klart auf und nach einem waghalsigen Wendemanöver des Busses steht im wunderschönen Achim der Wechsel von Bus auf Boot an. Ab auf die Weser!
Unser Schiff – ein Deck unten, eines oben – fährt uns an etlichen Kühen und noch mehr Schafen vorbei Richtung Bremen. Auf den zahlreichen Campingplätzen am Rand fläzen Leute in der Sonne. Heile Welt hier im Bremer Umland. Angenehmer kann eine Auswärtsfahrt kaum laufen.
Als Proviant gibt es feinstes Aktien Landbier aus Franken. Kurz vor Ende unserer Fahrt verzögert ein knapp halbstündiger Schleusenvorgang noch mal die Ankunft. Aber statt die Segel zu streichen, wird die Stimmung nur besser, je näher wir dem Weserstadion kommen. Klar: Wenn man von den Mitfahrern die Anekdoten der Bootsfahrt im Meisterjahr 2011 hört, wird man schon etwas wehleidig. Hier findet ihr unseren Bericht von damals. Und doch war das eine äußerst standesgemäße Anreise in die Hansestadt. Der Vizemeister fährt Boot!
Tja, das Spiel: Der BVB kommt dank zweier Chancen richtig gut rein. Aber dann geht bis zur Halbzeit gefühlt gar nichts mehr. Das fühlt sich im Block verdächtig nach dem Auswärtsspiel in Gladbach vor zwei Wochen an. Immer wieder geht der Blick Richtung Anzeigetafel, um zu prüfen, wie lange noch zu spielen ist.
Immerhin: Die Stimmung ist heute äußerst ausgelassen. Auch schon in der nicht ganz so ansehnlichen ersten Hälfte. Aber in der zweiten Halbzeit noch mal mehr. Gefühlt schallt die letzten 20 Minuten ununterbrochen „Der Sieg gehört nur dir Borussia“ durchs Weserstadion, während im Block Leute auf den Händen nach oben getragen werden und sich die Borussen im unteren Bereich des Stehers hart aber herzlich hin und her schubsen.
Und auch die Mannschaft geht in der zweiten Hälfte endlich ausgelassener zu Werke: Flankengott Ryerson bringt den Ball in die Mitte, Guirassy mit dem Kopfballtor. 1:0 in der 59. Minute, die verdiente Führung. Hinten fällt vor allem Waldemar Anton auf, der Zweikampf um Zweikampf gewinnt. In der letzten Minute der Nachspielzeit macht Yan Cuoto, der erst kurz zuvor auf den Platz kam, den Deckel drauf. Dass ausgerechnet Couto den Schlusspunkt dieser Spielzeit setzt, ist irgendwie auch bezeichnend. Nach der fünftbesten Saison der Vereinsgeschichte (73 Punkte) fühlte sich das über weite Strecken der Spielzeit 25/26 nun wirklich nicht an.
Sei‘s drum! Die Mannschaft und vor allem Julian Brandt noch mal feiern, raus aus dem Gästeblock, noch ein paar Minuten auf der Wiese am Osterdeich die Sonne genießen und dann ab in unseren Doppeldecker-Bus. Das war sie also, die letzte Auswärtsfahrt des Jahres. Vielen Dank für die Reise und die erstklassige Organisation, liebe FA! Hat großen Spaß gemacht. Aber ganz ehrlich: Wie gut, dass es in der neuen Saison direkt ab dem ersten Spieltag wieder um etwas geht. Dieses ganze Spannungsabfall-Gedöns hat schon hart genervt.
Kurz vor der Raststätte Tecklenburger Land quizzen wir in unserer Reisegruppe noch mal, was das Zeug hält. Welcher Spieler war beim Wuppertaler SV, bei Aachen, Cottbus, 1860 München und beendete seine Karriere 2012 bei Wolfsburg. Na? Na? Wer weiß es? Kleiner Tipp: In acht Jahren in Wolfsburg stand der gesuchte Spieler nur 18 Mal auf dem Platz.
Na klar: André Lenz. In diesem Sinne: Schöne Sommerpause und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel!
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