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Auswärts in Gladbach - vom Albtraum zum Märchen - und zurück?

25.09.2021, 09:59 Uhr von:  Nadja
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Auswärtsblock in Gladbach von weitem, man sieht viele der angrenzenden Blöcke, alle sind vorwiegend gelb, das Foto ist von 2011, als der BVB in Gladbach hätte Meister werden können.
Auswärts in Gladbach sah vor Corona auch schon mal so aus

Auswärts in Gladbach war jahrelang eine Art Fluch, ehe es in den letzten Jahren vor Corona zum besten Auswärtsspiel der Saison wurde und seither einfach als das Spiel der Zäsur in Erinnerung ist.

Viele Jahre lang waren Auswärtsspiele in Gladbach für uns eine sehr mühsame und erfolglose Pflichtaufgabe. Man fuhr hin, man ließ die Punkte da, man fuhr wieder nachhause. Seit dem Anfang meines Fandaseins 2005 waren die Spiele in Gladbach so erfolglos wie die Spiele der Gladbacher in Dortmund. Sich gegenseitig die Punkte per Post zukommen zu lassen, wäre deutlich einfacher gewesen, zumal die Reise nach Gladbach auch noch einige Mühseligkeiten mit sich brachte.

Da war zuerst mal der Parkplatz. Ein Stadion mitten im Nirgendwo, gesäumt von Feldern, der Autobahn und einem Hockeystadion, da scheint es der Planer der Infrastruktur nicht allzu schwer zu haben, kann er sich ja mehr oder weniger frei aussuchen wo der Verkehr lang muss. So denke ich mir das als Laie zumindest. Dass er sich jedoch 6 Parkplätze, die in Serie geleert werden müssen, ausgedacht hat, führt als Autofahrer zu den längsten Wartezeiten in der Fußball-Bundesliga. Kein Problem, man kann ja auch mit den ÖVPN anreisen, doch die weisen sich als kaum besser aus. Da das Stadion wie erwähnt mitten im Nirgendwo liegt, fahren auch nur Sonderbusse dahin, die entsprechend vollgestopft und mühsam sind. Und so quälten wir uns jahrelang nach Gladbach, in dem Wissen, dass wir ohne Punkte und ohne Nerven wieder zuhause ankommen werden. Doch jedes Jahr aufs neue gab es irgendwo irgendjemanden, der noch eine Karte übrig hatte oder einen Platz frei im Bus oder in irgendeiner Weise zu überzeugen wusste, dass wir nach Gladbach fahren sollten. Und wir fuhren und fuhren und fuhren.

Bis 2009 ein Wunder geschah. Wir entdeckten einen neuen Parkplatz, der direkt an die Autobahn angeschlossen ist (jaaaahaaa) und außerdem erzielte Barrios das entscheidende Tor zum Sieg. Ja, ihr habt richtig gelesen. SIEG!

An der Bilanz änderte sich danach erstmal nichts, weiterhin konnte man die Punkte beliebig nach Gladbach verschicken. Der Unterschied war, dass sich plötzlich kaum mehr jemand fand, der uns zu Besuchen in Gladbach überreden wollte und so blieben uns zumindest die Enttäuschungen vor Ort erspart. Erst 2016 gab es eine magische Verschiebung der Sterne, der Fußballgott hatte neu gewürfelt oder Mutter Natur hatte ein Einsehen, was auch immer passiert war, der BVB gewann plötzlich in Gladbach. Nicht in einem One-Hit-Wonder wie 2009, sondern immer. Spiel um Spiel um Spiel um Spiel, bis zum 7. März 2020. Als im Kreis Heinsberg nahe Gladbach bereits ein neues Virus wütete, fand das letzte BVB-Spiel vor vollen Stadien statt. Sorglos und unbekümmert hatten wir uns auf den Weg gemacht, alles war wie immer, bis es eine Woche später ganz anders war.

Auswärts in Gladbach ist somit auch eine Zäsur. Das letzte Spiel in der Normalität. Das letzte Spiel mit organisiertem Support. Das letzte echte Fußballspiel mit Dortmunder Beteiligung.

Barrios von vorne, wie Hummels (von hinten sichtbar) ihn hochhebt, verschwommen im Hintergrund die Werbebanden
Barrios erzielte den Siegtreffer 2009

Der 7. März 2020 ist mittlerweile fast eineinhalb Jahre her. Volle Stadien sind allen Vorhersagen und Indizien nach nicht mehr in allzu ferner Zukunft, doch erstmal spielt der BVB heute in Gladbach vor einem halbvollen Stadion.

Der Saisonstart der beiden Mannschaften hätte unterschiedlicher kaum sein können. Während der BVB zwar selten glamourös oder souverän gespielt hat, hat er bis auf den Ausrutscher in Freiburg alle Punkte in den bisherigen 5 Spielen gesammelt und steht mit einem Punkt Rückstand auf die Tabellenspitze ziemlich gut da. Vielleicht sogar besser, als es mancher unter dem neuen Trainer so früh in der Saison erwartet hatte.

Gladbach hingegen ist nach dem Punkt gegen Bayern, den man sogar als Enttäuschung bezeichnen konnte, hätten sich die Gladbacher doch eigentlich auch einen Sieg verdient gehabt, katastrophal gestartet. Mit nur einem Sieg (gegen Bielefeld) und ansonsten drei Niederlagen gegen Leverkusen, Union Berlin und Augsburg (zwei der Mannschaften hat der BVB selbst geschlagen diese Saison), stehen die Gladbacher nach ihrem eigenen Geschmack viel zu weit unten in der Tabelle und brauchen zwingend ganz schnell Siege, um wieder in die Spur zu kommen.

Gegen den BVB spricht vor diesem Spiel eigentlich gar nichts. Einzig, dass die Gladbacher das letzte Heimspiel (das erste während der Pandemie) für sich entscheiden konnten und somit eine 5 Jahre- und 12 Spiele-lange Dominanz des BVB gebrochen haben, könnten sie für sich einbringen. Allerdings hat der BVB gleich danach das Pokalspiel in Gladbach gewonnen. Und so kann man sich bei den schwarz-gelben eigentlich nur selber schlagen. Darin sind wir jedoch ziemlich gut, deswegen muss mit voller Konzentration an das Spiel herangegangen werden, denn so schlecht wie die Gladbacher auf Papier aussehen sind sie definitiv nicht.

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