Unsa Senf

Advent, Advent der Tempel brennt

16.11.2021, 07:00 Uhr von:  DocKay
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Blick auf den Rasen bei "Dortmund singt Weihnachtslieder" mit festlicher Stimmung
Einmal mehr heile Welt im Westfalenstadion. Vielleicht kann man ja zur Ablenkung von den Problemen dieser Welt Corona Modelle auf den Rasen projizieren. Die kreisförmige Grundfarbe ist ja schon vorhanden.

Mitten in der vierten Welle hat am 12. November 2021 der Vorverkauf für die Veranstaltung „Dortmund singt Weihnachtslieder“ begonnen. Der BVB zeigt auch hier allen durch die Pandemie Geschädigten einen Weg zurück zur Normalität.

Wir haben schon mehrfach auf merkwürdige Entscheidungen unseres BVB im Rahmen der Pandemie aufmerksam gemacht. Zick-Zack-Entscheidungen bei 2G und 3G schürten Zweifel an der Handlungsfähigkeit. Der Hick-Hack bei der Aktivierung der Dauerkarten für die Sitzplätze ließ viele Gedankenspiele zu. Inmitten der Diskussion, ob Weihnachtsmärkte stattfinden sollten, bleibt die Geschäftsführung, geprägt vom Offline-Modus weiterhin der Meinung, dass wir gemeinsam im Westfalenstadion die Adventszeit begehen sollten. Ich muss gestehen, allein der Gedanke führt bei mir zum Magendrehen.

Kein Problem mit Corona, wie so häufiger beim BVB. Wir können am Eingang Südost schon einmal mit dem Singen beginnen. Natürlich berücksichtigen wir den angegebenen Timeslot. Wir pusten uns „Stille Nacht, Heilige Nacht“ in die Visage und pfeifen auf Maskenpflicht und Abstand. Natürlich wird das Ganze durch Stichproben kontrolliert, die allerdings beim Verlassen des Stadions ausfallen. Die Kleinsten sind herzlich willkommen und beteiligen sich tapfer an der Herdenimmunität. Wir können doch wegen Corona nicht auf alles verzichten. Damit jeder Bescheid weiß, wird noch am 12. Dezember im Laufe des Tages über die aktuellen Zugangsbedingungen informiert, damit auch alle wissen, wie sie sich zu verhalten haben.

Zum Glück sind nicht die Verantwortlichen des Dortmunder Gesundheitsamtes die Entscheidungsträger, sondern die Virologen von Santa Claus. Als Berater hat man Knecht Ruprecht eingeladen, der mit bürgerlichem Namen Dr. Christian Hockenjos heißt. Er wird pünktlich mit Rudolph, dem Red-Nosed-Reindeer eingeflogen werden und inmitten des Weihnachtszaubers landen.

Mir sträuben sich die Haare! Bei den letzten Besuchen im geliebten Westfalenstadion, auch wenn unter freiem Himmel, entwickelten sich in mir ungute Gefühle. Auch wenn die Situation an den Zugängen zum Teil entspannter war, der Aufenthalt in manchen Bereichen des Tempels konnte nicht als Corona-entsprechend bezeichnet werden. Ich beschloss für mich, zunächst auf weitere Stadionbesuche zu verzichten. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Inzidenzwerte noch bei knapp über 100. Die Situation bei den Neuinfektionen ist inzwischen dramatisch und Virologen haben bereits im Sommer darauf hingewiesen, dass dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Während die Intensivstationen der Krankenhäuser langsam überlaufen, das Pflegepersonal überlastungsbedingt am Stock geht, entscheidet der BVB, ein fröhliches Weihnachtssingen durchzuführen. Wir alle haben in der Pandemie doch so gelitten und wir könnten dies doch zum Anlass nehmen, dem Pflegepersonal einmal wieder kostengünstig Applaus zu spenden. Wenn ihr mich fragt; wir haben nicht genug gelitten. Wir bekommen jetzt nach zwei Jahren erneut die Quittung für permanente Ignoranz auf politischer, aber auch auf sportlicher Ebene. Der BVB hat beschlossen, Santa Claus in die Fußballblase aufzunehmen und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

So freuen wir uns doch auf den 12. Dezember, wenn um 16:30 Uhr im Westfalenstadion das Fest der Weihnachtslieder beginnt und wünschen dem BVB einen erfolgreichen Verkauf von Weihnachtsartikeln. Vielleicht bekommt man dann auch diesen hässlichen Weihnachtspullover an die Frau bzw. an den Mann. Pusten wir uns beim Singen die Weihnachtslieder an den Kopf, am besten im Duett mit Körperkontakt, so wie beim Festival der Volksmusik oder beim Schlagerboom 2021 mit Florian Silbereisen. Wir sind doch sicher, dass Großveranstaltungen in der Pandemie kein Problem sind, die Hauptsache, sie finden unter 2G, 3G, 2G+, 4G, 5G und G unendlich Bedingungen statt! Zum Abschluss noch ein allen bekanntes Kindergedicht:

Advent, Advent,

der Tempel brennt.

Erst 2G, 3G und dann 4,

dann steht Corona vor der Tür.

Und wenn das letzte Licht erlischt,

dann hat es dich vielleicht erwischt!

In diesem Sinne

Bleibt gesund und zuversichtlich

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