Frauenfußball

Willkommen in der Kreisliga

11.09.2021, 11:14 Uhr von:  Malte S.
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Ein Zweikampf zwischen zwei Spielerinnen des BVB und des VfL Kamen

Sechs Spiele, fünf Siege, 17:3 Tore – hinter den BVB-Frauen liegt eine mehr als ordentliche Vorbereitung. Am Sonntag starten sie gegen den BV Brambauer in die Kreisliga. Schon vor dem ersten Pflichtspiel ist klar: Die Schwarz-Gelben gehen als haushohe Favoritinnen ins Rennen.

Nein, amateurhaft wirkte das nicht, was sich zuletzt rund um die BVB-Frauen abspielte. 1.300 Zuschauer*innen kamen zur Premiere in die Rote Erde und bejubelten ein 3:1 über 1860 München. Die ARD berichtete über das frisch gegründete Team, auch Sky schaute vorbei. Und im Footbonauten konnten die Spielerinnen eine hochprofessionelle Trainingseinheit absolvieren.

„Wir sind froh, wenn nun ein bisschen Alltag einkehrt. Die letzten sieben Wochen waren sehr turbulent“, gesteht Abteilungsleiterin Svenja Schlenker. „Wir hatten Fotoshootings mit der Mannschaft, unser Hauptsponsor war mit der Kamera dabei, wir mussten Klamotten anprobieren und sind gemeinsam durch Dortmund gefahren.“ Nicht selbstverständlich, schließlich haben die Spielerinnen einen Job, gehen zur Schule oder studieren. Sie verdienen kein Geld, trotz allen Trubels handelt es sich am Ende des Tages um ein Amateurteam.

Passspiel, Taktik und Fitness im Fokus

Das soll sich schnell ändern. Der Weg, für den sich Borussia Dortmund nach einer Befragung der Fans und Mitglieder entschieden hat, sieht zwar einen Start ganz unten vor. Binnen eines Jahrzehnts möchte man aber möglichst hochklassig spielen. Die Verantwortlichen planen langfristig. Der Kader ist darauf ausgelegt, dass möglichst viele Spielerinnen den Weg nach oben möglichst lange mitgehen können.

Thomas Sulewski und Dustin Wurst während eines Spiels im Seitenprofil
Thomas Sulewski und Co-Trainer Dustin Wurst

Drei Mal pro Woche traf sich das Team um Trainer Thomas Sulewski, der zuletzt den SV Berghofen in die zweite Bundesliga führte, auf dem Trainingsplatz. Hinzu kam ein dreitägiges Trainingslager in Willingen. Neben dem gegenseitigen Kennenlernen – ein komplett neues Team muss sich schließlich erstmal finden – stand zuerst das Spiel mit dem Ball im Vordergrund. „Wir haben viel Passspiel trainiert, aber das dürfte für alle Mannschaften nach einer solch langen Pause wichtig gewesen sein“, erzählt Sulewski. Anschließend folgten Taktik- und Fitness-Elemente.

Während der Vorbereitung zeichnete sich bereits ein Grundgerüst ab: Sandra Schröer wird wohl als Stammtorhüterin in die Saison gehen, während vorne kein Weg an Ann-Katrin Lau vorbeiführt. Die Angreiferin hat vier Tore erzielt und führt damit das interne Ranking an. Auch Lisa Kleemann ist als Spielführerin gesetzt. Und neben den Verteidigerinnen Marina Jung, Virginia Glänzer, Ana Louisa Zabell und Lilli Prinzen sammelten Luisa Bergmann, Kimberly Becker (beide Mittelfeld) und Hannah Goosmann (Angriff) die meisten Spielminuten während der Testkicks.

„Ich würde uns schon relativ weit oben ansiedeln“

Allerdings ist zu erwarten, dass man im Laufe der Saison viel Fluktuation auf dem Platz sehen wird. Schließlich konnte der BVB bei der Zusammenstellung seines Kaders aus 150 interessierten Spielerinnen wählen und ein ausgeglichenes Team zusammenstellen. „Wir haben im Kader ein homogenes Level. Wir möchten weiter alle mitnehmen und ihnen möglichst viel Spielzeit geben“, blickt Thomas Sulewski voraus.

Quantität und Qualität der Spielerinnen, die Borussia zur Verfügung standen, die Trainingsbedingungen und das professionelle Umfeld machen den Neuling gleich zum heißesten Anwärter auf die Meisterschaft in der Kreisliga A2. Das weiß auch Trainer Sulewski, der es in unserem Podcast kürzlich noch etwas bescheidener ausdrückte: „Ich würde uns schon relativ weit oben in der Kreisliga ansiedeln.“ Der 31-Jährige und sein Trainerteam wünschen sich offensiven Fußball und ein dominantes Team.

Virginia Glänzer spielt einen Pass
-Verteidigerin Virginia Glänzer

Die Testspielergebnisse sind ein Beleg für die Stärke der BVB-Frauen. Sie schossen nicht nur 17 Tore, sondern unterlagen Eintracht Solingen nur knapp mit 0:1. Die Eintracht spielt drei Klassen höher in der Niederrheinliga, trotzdem hielten die Borussinnen gut mit. Und gegen die Reserve der Sportfreunde Siegen (Kreisliga A) gewann man klar mit 3:0, obwohl nur elf Spielerinnen zur Verfügung standen, die teilweise positionsfremd eingesetzt wurden.

Das hat bei den zukünftigen Gegnern durchaus Eindruck hinterlassen. „Für uns muss am Sonntag schon alles perfekt laufen. Borussia Dortmund braucht einen schlechten Tag, wir einen guten. Und dann auch noch Glück“, prognostiziert Bert Richert, Trainer des BV Brambauer, und verwendet ein wohl passendes Bild: „Das ist, als würden die männlichen BVB-Profis gegen einen Regionalligisten spielen.“

Back to the roots mit Bratwurst, Bier, Borussia

Trotzdem ist die Vorfreude bei den Lünerinnen groß, in eine hoffentlich gut gefüllte Rote Erde einzulaufen. Auch der BV Brambauer hat noch ein recht junges Team. 2019 in der Kreisliga B gestartet, gab es dank Corona noch keine Spielzeit, die ordentlich zu Ende gespielt wurde. Das Team blieb dennoch zusammen, zählt heute 23 Spielerinnen. „Trotzdem gibt es sonntags manchmal Probleme, elf Spielerinnen zusammenzukriegen, weil einige zum Beispiel in der Pflege oder im sozialen Bereich arbeiten“, erzählt Richert, der fünf Jahre lang die Dortmunder Mädchen-Kreisauswahl trainiert hat. Unabhängig von der schwierigen Aufgabe am Sonntag begrüßt er den Einstieg des BVB in den Frauenfußball: „Wir freuen uns darüber. Das wird den Frauenfußball in Dortmund, und auch bundesweit, noch mal ein ganzes Stück nach vorne bringen.“

Erstmal müssen die BVB-Frauen aber im Kreisliga-Alltag bestehen. Auch wenn sie der berüchtigten Asche am Hörder Schallacker erstmal entgehen werden – SuS Hörde tritt in der Parallelstaffel an – wartet manch rauer Kick bei fünf Grad und Nieselregen im November. Trotzdem ist sich Svenja Schlenker sicher, dass das Interesse am neuen Team nicht abreißen wird: „Es waren viele Leute da, um uns zuzusehen. Ich habe das Gefühl, dass man sich danach sehnt, beim BVB neben High-Class-Fußball auch back tot he roots zu gehen. Bratwurst, Bier, Borussia, und zwar nicht nur heim, sondern auch auswärts.“

Tickets:
Es gibt insgesamt 2.500 Karten für das Spiel in der Roten Erde. Der Vorverkauf findet bis Samstag, 18 Uhr, in der BVB-Fanwelt am Stadion statt. Die Tageskasse öffnet Sonntag um 12.30 Uhr. Die Tickets sind kostenlos. Hier findet ihr weitere Faninfos des BVB. Darüber hinaus kann man das Spiel über den Twitch-Kanal von Borussia-Dortmund verfolgen.

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