Warmlaufen

Der BVB gegen den HSV Uwe Seeler – Alle meine Tore

20.03.2026, 07:09 Uhr von:  DocKay    
Blick auf die Südtribüne. Die Fans protestieren gegen Montagsspiele und gegen Nazis im Stadion.
Beim letzten Heimspiel gegen den HSV am 10.02.2018 waren Montagsspiele ein Thema

Manchmal wecken Spieltage und Gastmannschaften Kindheitserinnerungen. Gedankenspiele rund um den Dino der Bundesliga und seine Rothosen im Westfalenstadion.

Es war eine Zeit, in der Litfaßsäulen und Hausecken noch als Torbegrenzungen dienten. Wenn man keine Lust mehr hatte, neben der Straße zu bolzen, zimmerte man sich aus Latten zwei Tore auf einer freien Fläche zwischen den Weinbergen. Weit weg von sozialen Medien jagte man irgendeinem Ball hinterher und war glücklich, dies mit Freunden teilen zu können. Irgendwann in dieser Zeit lag zum Weihnachtsfest wie von Geisterhand ein Buch unter dem Weihnachtsbaum, das sich in dieses Szenario einfügte. „Uwe Seeler – alle meine Tore“ war 1965 im Copress Verlag erschienen und gehörte zu den bekanntesten Fußballer-Biografien der 1960er Jahre. 

Ich weiß noch genau, wie ich dieses Buch verschlungen habe und Uwe Seeler zu einem meiner Vorbilder wurde. Von da an rannte ich fast täglich dem runden Leder hinterher. Warum mein verstorbener Vater mich damals nicht im Verein spielen ließ, weiß ich bis heute nicht. Er blieb mir eine Antwort darauf schuldig. In direkter Nachbarschaft zum öffentlichen Fußballplatz gab es zu dieser Zeit einen gut frequentierten Campingplatz. Eines Tages kam ein Vater mit seinem Sohn, wie sich später herausstellte, aus Hamburg, und fragte, ob sein Sohn mit uns mitspielen könne. Schnell war eine Position für den Jungen gefunden, und er spielte mit uns bis zum Einbruch der Dunkelheit. Damals konnte ich mich noch nicht zwischen den Positionen Torhüter und Stürmer entscheiden. Als wir uns verabschiedeten, kam der Vater auf mich zu und war sichtlich von meinen Leistungen im Tor begeistert. Er war Jugendtrainer beim HSV und versicherte mir, dass ich in Hamburg direkt in der entsprechenden Jugendmannschaft mitspielen könnte. Das machte mich stolz, auch wenn mir klar war, dass es nie dazu kommen würde. 

Aufgrund meiner Schnelligkeit kam ich zur Leichtathletik und traf bei Ländervergleichen den heranwachsenden Hans-Peter Briegel, auch „die Walz aus der Pfalz“ genannt. Irgendwann trennten sich unsere Wege. Während Hans-Peter beim 1. FC Kaiserslautern spielte und später bei Hellas Verona zum Publikumsliebling wurde, blieb ich der Leichtathletik treu.

Choreo der Fans des 1.FCK auf der Nordtribüne. Es war das Jahr des Abstiegs.
Im Jahr des Abstiegs der "Roten Teufel" trennte man sich in der Saison 2011/2012 1:1 im Westfalenstadion.

In den folgenden Jahren wurde ich zum Beobachter der Bundesliga. Neben meinem Heimatverein, dem 1. FC Kaiserslautern, verfolgte ich immer auch die Spiele von Borussia Dortmund und natürlich auch die des HSV. Das lag unter anderem daran, dass meine Verwandtschaft mütterlicherseits aus dem hohen Norden und Dänemark kam. Der 1. FCK stieg 2012 aus der ersten Liga ab, der HSV folgte ihm im Jahr 2018.
Manch einer wird sich noch an die Uhr im Volksparkstadion erinnern, die nach dem Abstieg des Gründungsmitglieds der Bundesliga abgestellt wurde.

Peter Stöger beantwortet bei der Pressekonferenz die Fragen der Journalisten.
Beim letzten Heimspiel gegen den HSV saß Peter Stöger auf der Trainerbank.

Der BVB spielte am 10. Februar 2018 zum letzten Mal gegen den HSV in der Bundesliga im Westfalenstadion. Damals gewannen die Borussen mit 2:0, die Torschützen waren Michy Batshuayi und Mario Götze. Danach ging es für den „Dino” abwärts. Mit einem 6:1 gegen den SSV Ulm am 33. Spieltag der 2. Bundesliga im Jahr 2025 kehrte der HSV nach sieben Jahren in die Erstklassigkeit zurück. Nach einigem Hin und Her hat man mit Merlin Polzin den passenden Cheftrainer gefunden. Aktuell steht der HSV mit 30 Punkten auf einem sicheren Mittelfeldplatz. Am 25. Spieltag schoss man den Trainer des VfL Wolfsburg Daniel Bauer mit einem 2:1 in Wolfsburg ab. Mit dem gleichen Ergebnis war auch der BVB in der Stadt der Wölfe erfolgreich.

Nach dem vergangenen Spieltag im Achtelfinale der Champions League ist es schwer, das Leistungsvermögen unserer Mannschaft einzuschätzen. Der FC Bayern fegte Atalanta Bergamo mit 6:1 aus dem eigenen Stadion, während unser Hauptrundengegner Tottenham, gegen den wir eine unserer bitteren Niederlagen einstecken mussten, von Athletico Madrid mit 5:2 abgeschossen wurde. Auch das Spiel beim „Effzeh” war alles andere als überzeugend. Gegen zehn Mann war das viel zu wenig, und der nicht gegebene Elfmeter für die Kölner machte das Ganze noch glücklicher. Beim 2:0 gegen den FC Augsburg bot die Mannschaft allerdings eine bemerkenswert geschlossene Leistung.

Luca Reggiani hat den Ball am Fuß . Drei Augsburger versuchen ihn zu stören.
Im Spiel gegen den FC Augsburg schoss Luca Reggiani sein erstes Bundesligator.

Im Hinspiel trennten sich beide Mannschaften im Volksparkstadion mit einem 1:1-Unentschieden, nachdem Ransford Königsdörffer spät in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielt hatte. Unsere Mannschaft sollte gewarnt sein: Ein Selbstläufer wird dieses Spiel sicher nicht.

Blick in den gefüllten Gästeblock der Hamburger in der Saison 2012/2013.
Ein Spiel, an das sich der BVB nicht gerne erinnert. In der Saison 2012/2013 gab es eine 1:4 Heimpleite.

Nach langer Abstinenz begrüßen wir den Dino und seine Rothosen wieder im Westfalenstadion. Das ehemalige Schwergewicht der Bundesliga ist zurück – ja, man kann sagen: Es gibt ihn wieder! Uwe Seeler wäre sicher stolz auf seinen HSV. Das Buch „Uwe Seeler – alle meine Tore“ gibt es nicht mehr im Buchhandel, man findet es nur noch im Antiquariat. Was bleibt, ist die Fußballgeschichte des Ehrenspielführers der deutschen Nationalmannschaft sowie meine Erinnerungen an eine tolle Jugendzeit, in der der Fußball noch eine andere Rolle spielte. Manchmal wünscht man sich diese Zeit zurück. Nach einer kurzen Phase der Träumerei folgt jedoch schnell der Blick nach vorne, denn es gilt, sich der Zukunft zu stellen und eine wertebasierte Schadensbegrenzung anzustreben. Heja BVB!

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