Der BVB in Hoppenheim Borussia verliert Handball-Duell um die goldene Ananas
Nach Sinsheim fahren ist wie der Besuch beim Zahnarzt: Man muss einmal im Jahr durch, hofft, dass es schnell vorbei ist und wenn möglich nicht allzu sehr weh tut, es gibt aber niemanden der da auch nur ansatzweise Bock drauf hat.
Wenn wir realistisch sind, ist die Saison seit Mitte März gelaufen. Der Rückstand und der Vorsprung auf die anderen Plätze ist einfach nicht etwas, was man noch aufholen oder verlieren kann und so dümpelt die Saison dem Ende entgegen. Das an sich macht ja nichts aus, frei aufspielen im immer schöner werdenden warmen Sonnenwetter, einfach nur singen und hüpfen und es sich gutgehen lassen, im Wissen, dass die Champions League Teilnahme für nächste Saison im Prinzip eingetütet ist. Das wäre ein schöner Zeitvertreib, wenn denn die Gegner nicht Leverkusen, Augsburg oder eben Hoppenheim heißen würden.
Fernsehbilder täuschen und Fernseh-Tonaufnahmen noch mehr, also war das vor Ort vielleicht ganz anders, aber was man hören konnte, waren ausschließlich die BVB-Fans, die sich großteils oberkörperfrei in der süddeutschen Sonne amüsierten, während das Sinsheimer Eventpublikum schweigend über ein weiteres Jahr Bundesliga und vielleicht sogar internationalen Fußball freute.
Unverzichtbar kommt einem dann der Gedanke, dass wir sie damals hätten runter schießen können. Runter schießen müssen. Mit etwas Glück wären sie nicht wiedergekommen und wir könnten uns diese eine Reise jedes Jahr sparen. Doch das haben wir damals nicht gemacht und daher fühlt es sich auch immer etwas nach Schuldgefühlen an, dieses unsägliche Spiel in Sinsheim.
Dass wir es dann auch in großer Regelmäßigkeit nicht gewinnen, macht das ganze nur noch unerträglicher. Der gestrige Samstag war ein solches Paradebeispiel, wie man es eben nicht machen sollte. Langatmig, zäh, vorne komplett ideen- und harmlos, ließ man sich vom Gegner ein Spiel diktieren, dass man eigentlich im Griff hatte. Vor allem in der zweiten Halbzeit mit 65% Ballbesitz und 6:3 Chancen gab es im Vergleich zum ersten Durchgang (43% und 2:10 Chancen) eine deutliche Steigerung, aber eben nur auf Papier, weil man es mal wieder nicht schaffte, wirklich gefährlich vors Tor zu kommen. Und so reichten den Hoppenheimern am Ende zwei Handelfmeter zum Sieg. Der erste war dabei absolut unfassbar. Süle rutschte aus, verletzte sich dabei (wie schwer ist noch offen) und hob die Hand in der Bewegung am Boden, die dann angeschossen wurde. Der VAR entschied auf Elfmeter (jaja, ich weiß, der Schiri wars, weil der VAR ihn rausgeschickt hat – ein anderes Fass, das ich heute nicht aufmachen will). Ein weiteres Kapitel der unsäglichen Saga um strafbares Handspiel, das niemals jemals fair und gleich behandelt werden wird oder werden kann.
Dass Guirassy zwischendurch den schönen Ausgleich geschossen hatte, war am Ende so irrelevant wie das ganze Spiel für den BVB. Die Champions League ist noch nicht offiziell eingetütet, es braucht aber nur noch drei Punkte den nächsten vier Spielen, um das zu sichern, oder aber den entsprechenden Punktverlust der Gegner. Realistisch betrachtet wird der BVB die Saison sogar ziemlich sicher auf Rang zwei beenden, auch wenn sie weiterhin keine Sterne vom Himmel spielen. Und so ist dieses Spiel, wie auch die kommenden Spiele dieser Saison, nichts weiter als ein Spiel um die goldene Ananas. Nicht weiter schlimm, solange das Wetter stimmt und man nicht nach Sinsheim ans Autobahnkreuz fahren muss.
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