Warmlaufen

Achtung Stolperfalle

14.01.2022, 12:06 Uhr von:  Caroline
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Christian Streich steht im Vordergrund, im Hintergrund erkennt man die vollbesetzte Südtribüne.

Am Freitagabend eröffnet Borussia Dortmund sein Heimspieljahr 2022 vor grandiosen 750 Zuschauerinnen und Zuschauern und läuft Gefahr, wie auch schon in der Hinrunde über einen starken SC Freiburg zu stolpern.

„Dieses Jahr wird alles anders! Also wirklich!“ Mit diesen hoffnungsvollen Worten betrügt man sich ja gerne einmal selbst, was die guten Vorsätze, aber auch die Vorfreude auf die Spiele der eigenen Mannschaft angeht. Sie werden doch nicht die gleichen Fehler wieder machen? Irgendwann muss man doch mal die Lehren daraus ziehen. Sie werden doch diesmal ihr Talent und Können auf den Rasen bringen und die Gegner dominieren, die weitaus weniger „Starpotenzial“ a la Erling Haaland und die dazugehörigen finanziellen Mittel vorweisen können? Sie werden doch dieses Jahr wirklich alles anders machen!

Bereits im ersten Spiel stieg das Frustrationslevel der BVB Fans merklich an. Eigentlich gut in die Partie gestartet, fing man sich zwei Gegentore, ließ die Schultern hängen und wirkte zunächst „stets bemüht“. Also eigentlich alles wie immer. Was nicht wie immer war: Diese Mannschaft, der oft ein Mentalitäts- und Einstellungsproblem vorgeworfen wird, drehte wider Erwarten das Spiel.

Eine positive Überraschung zum Rückrundenauftakt. Dennoch sollte man jetzt bitte nicht jedes Spiel erst in Rückstand geraten, um dann auf den letzten Drücker mit etwas Glück doch noch das Ziel „3 Punkte“ zu erreichen. Gegen Freiburg könnte man sich mit Blick auf die jüngsten Partien schwer tun.

Haaland spielt den Ball am Torwart vorbei ins Tor. Ein Freiburger grätscht vor Haaland ins Leere.
Haaland trifft beim letzten Heimsieg gegen Freiburg

Langfristig gesehen konnte Freiburg in bald zwei Jahrzehnten in der Bundesliga im Westfalenstadion hingegen nur ein mageres Pünktchen holen (2:2 Unentschieden in der Saison 2017/18). Der letzte Auswärtssieg der Breisgauer in Dortmund datiert vom 21.10.2001. Damals erzielte noch ein gewisser Sebastian Kehl auf „der anderen Seite“ den 0:2-Endstand. Heute stürmen nicht mehr Amoroso und Koller für den BVB und in der Abwehr spielt kein Wörns mehr überragend. Zurück in die Gegenwart: Zuletzt verlor der BVB gleich zweifach in Freiburg jeweils mit 2:1.

Christian Streich, der nach 10 Jahren durchaus als Institution auf der Trainerbank gelten darf, erlebte in seiner Zeit bereits 7 BVB-Trainer und wirkt gefestigter denn je. Man steuert geradewegs auf die Champions-League-Qualifikation zu und bringt nicht nur den BVB, sondern auch u.a. Leverkusen zum Straucheln und verschärft mit einem beeindruckenden 0:6-Auswärtserfolg die Krise der falschen Borussia aus Mönchengladbach.

  • 29.02.2020: Das bislang letzte Heimspiel vor ausverkauftem Haus gewinnt der BVB mit einem 1:0-Siegtreffer durch Jadon Sancho gegen den SC Freiburg.
  • 03.10.2020: Beim letzten Heimspiel gegen SC Freiburg überzeugt der BVB mit einem 4:0-Sieg vor 11.500 Zuschauerinnen und Zuschauern.

Die Mannschaft von Marco Rose sollte also aus der Hinrunde gewarnt sein und alles in die Waagschale werfen für den nächsten Heimsieg. Auf eine lautstarke Kulisse können die Schwarzgelben jedoch leider nicht zurückgreifen. So wichtig der Schutz vor Corona ist, so willkürlich wirken dann doch manche Maßnahmen im Vergleich: In NRW dürfen lediglich 750 Zuschauerinnen und Zuschauer in die Fußballstadien. Dass die Größe eines Stadions schon einen Unterschied hinsichtlich der Abstandsregelungen macht, wird dabei geflissentlich ignoriert.

Gleichzeitig wird nicht zwischen „Indoor“ und „Outdoor“ unterschieden. Die BVB Handballerinnen dürften theoretisch (je nach Hallengröße) vor 750 Fans spielen, ebenso die Elf um Kapitän Reus, obwohl diese unter freiem Himmel antritt und sich somit die Ansteckungsgefahr merklich reduziert.

Corona-Schutzmaßnahmen sind gut und wichtig, aber man sollte sie sinnvoll und mit Bedacht einsetzen. Sonst läuft man Gefahr, auch denen vor den Kopf zu stoßen, die diese eigentlich befürworten. Eine Prozentregelung je nach Größe des Austragungsortes inklusive Berücksichtigung der baulichen Gegebenheiten (= Freiluftveranstaltung) wäre sicherlich angebrachter und würde auf mehr Verständnis in der Bevölkerung, bei Fans und Vereinsverantwortlichen stoßen.

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