Spielbericht Profis

Here come the Geisterspiele...again

09.01.2022, 17:25 Uhr von:  Tim K
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Here come the Geisterspiele...again
Was fehlt: (schon wieder) die Fans.

Der BVB gewinnt nach einem 2:0-Rückstand in Frankfurt doch noch mit 3:2. So richtig ausgiebig feiert man diesen Sieg dennoch nicht, ohne Fans ist dann doch irgendwie alles nichts. Unser Spielbericht zur Aufholjagd des BVB in Frankfurt.

Nach einem relativ entspannten Sommer für uns alle stand für den BVB am Samstagabend in Frankfurt das erste Spiel vor leeren Rängen seit einem halben Jahr auf dem Plan. Eigentlich für Geschichte gehalten, dürfen wir uns nun doch wieder auf der Couch diesen Kick geben, statt zusammen mit den Freunden den eigenen Verein anzufeuern. So großartig das erste Spiel mit Vollauslastung in Amsterdam war, so trostlos sind die Spiele nun wieder. Um an diesem Abend zumindest nicht vollkommen desinteressiert das Spiel im Hintergrund laufen zu lassen, traf ich mich mit einem Freund in der Kneipe und verfolgte das Spiel dort. Ob das nun sicherer ist als an der frischen Luft im Stadion zu sein sei mal dahingestellt, besser als ein einsamer Abend auf der Couch ist es allerdings allemal.

Aber gut. Anders als beim Restart 2020 schaue ich mir das Gebolze immerhin an, auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, warum. Sonderlich viel Spaß erwarte ich beim Schauen der Geisterspiele nicht und auch sportlich geht nach der Hinrunde gefühlt weder nach oben noch nach unten irgendetwas. Aber okay, schauen wir erstmal, was das Ganze wird. In meinen Zweckpessimismus rechnete ich zumindest gegen die wiedererstarkte Eintracht erstmal eine schöne Niederlage aus.

Aber gut. Vielleicht belehren sie mich ja auch eines Besseren. Ich bestelle mir zumindest mein erstes Bier. Das schmeckt.

Die Aufstellung las sich jedenfalls schon mal ganz gut. Akanji fehlt leider noch verletzt, ebenso fallen Zagadou und Wolf wegen ihrer Corona-Erkrankung aus. Einzig die Innenverteidigung aus Hummels und Can bereitete aufgrund der beiden Ausfälle größere Sorgen. Wie sich später herausstellen sollte nicht zu Unrecht.

Der BVB kam aber eigentlich richtig gut in die Partie. Bereits in der zweiten Minute brachte ein langer Ball von Hummels in die Tiefe die erste Gelegenheit. Der Ball landete bei Meunier, welcher von den Strafraumkante abzog und das 0:1 erzielt hätte, wäre da nicht der wie so oft bockstarke Kevin Trapp noch mit den Fingerspitzen an den Ball gekommen und so den Ball an den Pfosten lenkte. Ähnlich stark machte der BVB weiter, die Eintracht wirkte zu Beginn überfordert. Bis zur 15. Minute. In diesem Moment entschied sich die Elf des Ballspielvereins offenbar, dass Fußballspielen doch irgendwie keinen Spaß vor leeren Rängen macht. Erst verwandelte Borré nach einem Freistoß von Kostic und 10 Minuten später erneut, als Reus im Strafraum den Ball vertändelte. Fassungslos beobachtete man auch das Auftreten nach diesem Rückschlag. Ndicka muss nur fünf Minuten später eigentlich das 3:0 machen, auch Jasper Lindström hätte bereits nach 34 Minuten das dritte Tor für die Frankfurter Eintracht machen können, traf jedoch nur das Außennetz. Einziger Hoffnungsschimmer in Halbzeit 1 sollte die Gelegenheit in der Nachspielzeit bleiben, als erst Hummels an Trapp scheitert, dann Malen am Pfosten. Dennoch sollte diese Gelegenheit keinesfalls auf eine erneut unerklärliche Halbzeit hinwegtäuschen.

Immerhin bestand die Hoffnung auf Besserung nach der Pause. Einen solch indiskutablen Auftritt würde man jetzt nicht einfach hinnehmen, dachte ich mir. Tja, falsch gedacht. Zwei Minuten nach Wiederanpfiff düpierte Lindström den erneut deplatziert wirkenden Can, scheiterte dann aber an Gregor Kobel. Dass nicht alles nach einem Debakel aussah, war einzig dem Glück zu verdanken. Gut und gerne hätte es auch schon 4:0 für die starke Eintracht stehen können, der BVB fand schlichtweg nicht statt. Bis zur 70. Minute. Mehr als ein „Wtf?“ fällt mir dazu auch kaum ein. Hazards Anschlusstreffer nach dem Ballverlust von Hinteregger nahm ich noch interessiert hin, beim 2:2 durch Jude Bellingham in der 86. und spätestens dem 2:3 durch Mo Dahoud in der 89. Minute ließen mich dann doch ungläubig auf den Fernseher schauen. War schon geil. Und doch schoss es mir in den Kopf, was gerade in einem vollen Waldstadion los gewesen wäre. 2:3 nach 2:0. Ein Sieg, für den man 70 Minuten rein gar nichts beizutragen hatte. Im Strahl kotzende Frankfurter. Geht es besser? Aber nun gut, die Lage ist wie sie ist. So hatte ich dennoch einen geilen Abend, mit den Ergebnis beim Fußball hatte dies aber nicht unmittelbar zu tun. Schön war’s dennoch, mit Fans kann man bei so einem Spiel hoffentlich bald wieder komplett eskalieren.

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