Warmlaufen

Zwischen Fastelovend und Fußball. "Alles hät sing Zick"

29.10.2021, 08:56 Uhr von:  DocKay
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Das Bild zeigt Seffen Baumgart mit der Hand in der Hosentasche und der Mütze auf dem Kopf
Ein angefressener Steffen Baumgart in typischer Pose. Inzwischen hat er Paderborn den Rücken zugekehrt und ist in Köln mit dem "Trömmelche" unterwegs.

In Colonia ist es das Motto der Session 2021/2022. Welches Gesicht zeigt der „Effzeh“ mit dem Präsidenten Steffen I. im Westfalenstadion? Der BVB empfängt im Rasenkarneval den Elferrat vom Rhein und zieht einen Dreier dem jecken Dreigestirn vor.

Bevor es zum Aufeinandertreffen kam, mussten beide Mannschaften zunächst ihre Pflichtaufgaben im Pokal erledigen. Den Anfang machte der BVB am Dienstag mit dem Spiel gegen den Tabellenletzten der zweiten Liga. Eigentlich eine klare Sache, doch so langsam gingen Marco Rose die Spieler aus. Von einer normalen Rotation konnte nicht mehr die Rede sein. So beschlich einem nicht gerade Optimismus vor der Begegnung gegen den FC Ingolstadt 04. Entsprechend entwickelte sich ein mehr als mühsamer „Kick“ gegen einen schwachen Gegner, der kaum offensives Potential zeigte. Verzichtete man auf die rosarote Brille, so war auch das Spiel gegen die „Schanzer“ keine Offenbarung. Erst die Einwechslung von Thorgan Hazard brachte die Wende. Sein Doppelpack führte zum 2:0 und brachte den über weite Strecken harmlosen BVB ins Achtelfinale des DFB-Pokals.

Am Mittwoch legte dann der 1.FC Köln nach. In der zweiten Runde des DFB-Pokals musste man zum VfB Stuttgart. Dessen Trainer Pellegrino Matarazzo war auch von Personalsorgen geplagt. Er war gezwungen, zwischen Verletzten und Coronafällen eine schlagkräftige Truppe an den Start zu bringen und hatte damit keinen Erfolg.

Nach einer zähen ersten Halbzeit waren die Parallelen zum Spiel in Dortmund kaum zu übersehen. Köln steigerte sich in der zweiten Hälfte. Diesmal war es nicht Thorgan Hazard, der den Deckel drauf machte, sondern der 33-jährige in Cannes geborene Anthony Modeste. Keine 60 Sekunden nach seiner Einwechslung erzielte er mit seinem ersten Ballkontakt das 1:0 für die Kölner in der 72`. Der zweite Ballkontakt führte dann fünf Minuten später die „Geißböcke“ in die nächste Runde. Was Hazard in zehn Minuten gelang, schaffte Modeste in gerade einmal fünf Minuten. Der BVB sollte gewarnt sein.

Mit ein Grund für den Höhenflug der Kölner war ein neuer Motivator an der Seitenlinie des „Effzeh“. Steffen Baumgart war zum Beginn der Saison als Cheftrainer an den Rhein gewechselt. Für seine Aussage:

Ein Spiel ist erst zu Ende, wenn der Schiedsrichter pfeift und ich nicht mehr brülle


Steffen Baumgart

zeichnete ihn die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur nach einer Abstimmung unter 20.000 Fans mit der Trophäe für den „Fußball-Spruch des Jahres" aus. Der 49-jährige Steffen Baumgart rastete aus, als sein Schützling Anthony Modeste während eines Spiels zunehmend die Laufbereitschaft vermissen ließ. Im Kölner Treff des WDR am 15.10.2021 bekannte sich der Linien Motivator zu der gemeinsamen Fußballvergangenheit mit dem Rapper Marteria und lieferte Anekdoten über die Zeit bei seinem Heimatclub Hansa Rostock. In Köln entfachte er neue Euphorie und brachte den „Kölschen Klüngel“ durch Leistung temporär zum Schweigen. Vergessen waren sehr schnell die Relegationsspiele gegen Holstein Kiel, als man dem Abstieg in letzter Sekunde von der Schippe springen konnte. Vor dem Spiel gegen den BVB nahmen die Kölner einen sicheren Platz im Mittelfeld der Tabelle ein und hatten Kontakt zu den Tabellenplätzen, die internationalen Fußball versprachen.

Spärlich besetzte Ränge im Westfalenstadion. Nur 25.130 Zuschauer wollten das Spiel sehen.
Blick von der Südribüne auf das mäßig gefüllte Westfalenstadion.

Gespannt durfte man auch darauf sein, wie Verantwortliche und Spieler den Blick in ein weitgehend leeres und gespenstisches Stadion verkraftet hatten. Es zeigte wieder einmal den Wandel im Fanbewusstsein und erneute Schrammen an der schwarzgelben blätternden Farbe der Ware Fußball. Viele von uns auf der Südtribüne hatten so etwas noch nie erlebt. Der Grund hierfür ist sicher vielschichtig, aber der BVB hat durch seine manchmal unverständlichen Entscheidungen in der Vergangenheit einen großen Anteil an dieser Situation. Ob man dies von Seiten der Geschäftsführung irgendwann einmal versteht? Ohne die anwesenden DESPERADOS wäre die Stimmung im Westfalenstadion ziemlich gegen Null gegangen. 25.130 Zuschauer in dem weiten Rund sprachen Bände. Gegen den „Effzeh“ werden es sicher mehr sein. Der Patient Profifußball ist damit aber noch lange nicht genesen.

Die möglichen Mannschaftsaufstellungen:

Borussia Dortmund: Hitz-Wolf, Meunier, Hummels, Pongracic-Bellingham, Can, Reus-Hazard, Malen, Brandt

1. FC Köln: Horn-Hector, Hübers, Meré, Schindler-Ljubicic, Thielmann, Schaub, Öczan-Andersson, Uth

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