Spielbericht Profis

(K)ein Punktgewinn in Bochum?!

12.12.2021, 18:55 Uhr von:  Christoph
Lesezeit: ca. 6 Minuten
(K)ein Punktgewinn in Bochum?!

Nach 90 Minuten jubeln die gut 14.000 heimischen Fans und stimmen lauthals ein „der VFL ist wieder da“ an. Gleichzeitig flüchten die gut 700 „schwatzgelben“ Anhänger aus dem Gästeblock. Das Fluchtverhalten auf die äußeren Temperaturen zu schieben,, wäre zu einfach. Es lohnt daher einen Blick auf die vorangegangenen 95 Minuten zu werfen.

Der Blick auf die Mannschaftsaufstellung des BVB sorgte bei meinem Sitznachbarn schon dafür, sein Bier mit einem Zug auszutrinken. Als er das Bier absetzte, waren seine letzten Worte, bevor er sich Getränkenachschub für die erste Halbzeit holte: „ Ich habe mir fest geschworen, dass, wenn dieser Moonieeee und der Schuuulz von Beginn an spielen, gucke ich mir dat Spiel nicht mehr an.“ Und damit verschwand er den Treppenabgang hinunter Richtung Getränkestand. Am „besonderen“ Geschmack des Fiege Biers wird es nicht gelegen haben, dass er sich pünktlich zur Grönemeyer Hymne wieder auf seinem Platz eingefunden hat. Nein, das erste Highlight des Tages stand für einige auf dem Programm, vermutlich sind sie nur für Herbert und sein „Bochum“ ins Stadion gekommen und zückten das Handy, um die leere Ostkurve und die picke-packe volle Gegen- und Haupttribüne zu filmen. Selbst der Mann, der die ganze Zeit beim Warmlaufen der Spieler ein „Bitte-schenk -mir- dein- Trikot -Plakat“ hochhielt, legte dieses kurz bei Seite, um diesen „magischen“ Moment im Ruhrstadion mit seinem Handy festhalten zu können. Das Einlaufen der Spieler ging bei meinem Sitznachbarn fast unter, zu sehr war er damit beschäftigt, ein Bild von seinem Bier und dann von sich und seinem Bier zu fotografieren. Fast vergessen, stimmt der Gästeblock noch schnell ein Heja BVB an und schon lief der Ball.

1. Halbzeit

Der Ball lief die ersten Minuten viel, allerdings meist hinten herum und gefühlt hatte Torhüter Kobel die meisten Ballkontakte. Das „Hintenrumgeeiere“ war sicherlich auch der aggressiven Herangehensweise des VfL geschuldet, der sehr früh störte. Der BVB konnte sich in den ersten Minuten nicht aus der eigenen Hälfte befreien. Mit zunehmender Spielzeit hatte der BVB mehr und mehr das Spiel unter Kontrolle. Die erste große Möglichkeit hatte der BVB nach einem Patzer des Torwartes Riemann in der 16. Minute. Nur zwei Minuten später scheiterte Bellingham an Riemann, der mit einer klasse Parade das 0:0 sichert. Der BVB war nun am Drücker und eine Führung lag in der Luft. Doch der VfL hielt kämpferisch dagegen und wurde durch Kobel vorweihnachtlich beschenkt. Nach einem Steilpass auf Antwi-Adjei fällt Kobel den Stürmer im Strafraum und es gibt Elfmeter für den VfL. Polter netzt anschließend zum glücklichen 1:0 für den Vfl Bochum ein, der inzwischen leere Bierbecher meines Nachbarn fliegt die letzten Treppenstufen herunter, während der maskierte Ordner meinen Nachbarn grimmig anschaut. Das heißt, vermutlich macht er das, aber durch die Maske kann man sich dabei nicht ganz sicher sein…

Halbzeit

Auch wenn die 1. Halbzeit nicht ganz so „optimal“ gelaufen ist, mit einem frischen Bier und bester Halbzeitunterhaltung lässt es sich anscheinend ganz gut leben. Natürlich empfand der ein oder andere im Gästeblock die Schmähgesänge der Bochumer als sehr verletzend. Gerade, wenn es um die eigene Mutter geht, welche angeblich zu diesem 2.Ligaverein nach Gelsenkirchen geht, um dort Fußball zu gucken. Ich persönlich fand die Gesänge: „Deutscher Meister wird nur der FCB“ äußerst kreativ. Kreativ ist auch mein Sitznachbar in der Pause geworden, indem er auf jeden freien Stuhl um sich herum ein Bier abstellt und dann davon lustige Fotos macht. Diese Kreativität hätte man sich im Spiel der Dortmunder auch gewünscht…

2. Halbzeit

Die Gegentribüne mit Schal und Maske

Die 2. Halbzeit beginnt mit ordentlich Schwung auf Seiten des BVB. Zu gerne hätte ich die Telefonkonferenz in der Kabine zwischen der Mannschaft und ihrem gesperrten Trainer mitbekommen, denn sie zeigte Wirkung. Chancen im Minutentakt. Es war eine Frage der Zeit, bis der Ausgleich fallen würde. In der 54. Minute war es dann soweit, allerdings war es wohl Abseits. Das erfuhr aber der normale, frierende Zuschauer im Stadion nicht. Immerhin konnte man in den 5 Minuten Unterbrechung auf einem Bein hüpfen oder sinnlos mit seinem Handy spielen. Genau die Dinge, nach denen man sich sehnt, wenn man ein FUßBALLSPIEL im Stadion sieht. Aber nicht nur der Zuschauer auf den Rängen durfte nichts wissen, nein, auch Nico Schulz- dieser Fuchs- der einen Blick auf den Monitor des Schiedsrichters erhaschen wollte, wurde prompt mit der gelben Karte weggeschickt. In diesen fünf Minuten hätte man auch Helene Fischer ihr neues Album vermarkten lassen oder zumindest etwas Werbung auf den Anzeigetafeln einblenden lassen können. So waren diese fünf Minuten die reinste Lebenszeitverschwendung. Immerhin waren es die letzten Minuten, in denen der Vfl durchschnaufen durfte. Es folgte ein Powerplay des BVB. Doch mit Mann und Maus konnte der VfL das 1:0 halten. Erst in der 85. Minute erlöste Julian Brandt den BVB und vollstreckte eiskalt zum 1:1 Ausgleich. Doch der Siegestreffer sollte nicht mehr fallen. Am Ende stand es 15:0 für den BVB nach Ecken, aber der Vfl ist vermutlich eine Übermannschaft, wenn es um das Verteidigen von Eckbällen geht.

Ich konnte meinem Nachbarn gar nicht wirklich „tschüss“ sagen, auf einmal war er hinter einem Berg von Plastikbechern verschwunden. Dies möchte ich mit diesem Bericht gerne nachholen und noch mitteilen, dass dieser „Haaland“ tatsächlich auch mitgespielt hat.

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