Spielbericht Profis

Greuther Fürth, das Maß aller Dinge?

16.12.2021, 01:00 Uhr von:  DocKay
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Wir blicken auf den heiligen Rasen und warten auf den Spielbeginn

Wir sind im Advent und bereiten uns auf das Weihnachtsfest vor. In dieser Zeit der Großzügigkeit und der Nächstenliebe fiel es uns schwer, nur aus Respekt drei Punkte zu verschenken. Es galt schließlich für den BVB das Heimspieljahr gebührend zu beenden.

Es könnte die abgewandelte Version von einem Roman sein, den ich zu Schulzeiten lesen musste. Spätestens im Dezember, Hans Erich Nossack möge mir den Verlust des Novembers verzeihen. Alle Jahre wieder, um es der Jahreszeit entsprechend auszudrücken, unterscheidet man im Dezember vor der Rückrunde im Borussenlager den Erfolg vom Misserfolg. Ich hatte ein etwas mulmiges Gefühl in der Magengrube als ich mich mit Georg zum Westfalenstadion aufmachte. Georg ist mein Nachbar und er hatte vor Jahren einen folgenschweren Fehler begangen. Er war seit 1980 zusammen mit seinem älteren Bruder im Besitz einer Dauerkarte in Block 32. Im Jahr 2000 erkrankte sein Bruder schwer und wollte nicht mehr ins Stadion gehen. In Zeiten, in denen im Tempel nicht unbedingt Spitzenspiele zu sehen waren und die Halbwertszeit eines Trainers immer kürzer wurde, beschloss er beide Dauerkarten zurückzugeben. Alleine hatte er damals keine Lust mehr die Spiele im Westfalenstadion zu besuchen und für die zweite Karte fand er keinen Abnehmer. Später scheiterte der Versuch sich erneut eine Dauerkarte zu besorgen, es waren keine mehr erhältlich. Eine Aktion, die er bis heute bereut. Seit dieser Zeit erlebt er den Großteil der Spiele auf dem Sofa oder auf der "Tribüne" im Hotel Drees an der Hohen Straße.

Vor kurzem konnte ich Georg reaktivieren und wir besuchten gemeinsam das Heimspiel gegen den FC Bayern. Nach unserem getrennten Stehplatz und Bier auf Distanz, gingen wir frustriert zu Fuß nach Hause zurück. Aber ich merkte, er hatte in sich die Wiedergeburt der Leidenschaft auf der Südtribüne entdeckt. Die Folge war, dass ich ihn erneut zum Stadionbesuch einlud, zum letzten Heimspiel der Hinrunde gegen die SpVgg Greuther Fürth. Die Fürther hatten durch ihren ersten Sieg in der laufenden Saison gegen Union Berlin eine gute Portion Selbstbewusstsein getankt. Unsere Borussen hingegen trauerten den zum Teil verschenkten Punkten der letzten Spiele nach. So war unser Gefühl eher zwiespältig als wir die Südtribüne betraten. Für uns war das keine klare Sache, auch wenn wir uns das insgeheim wünschten. Dieses Mal hatten wir wenigstens einen gemeinsamen Block. Das erste Bier tranken wir dann auch unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften zusammen in Block dreizehn. Alles war möglich in diesem Spiel, es konnte also losgehen, Heja BVB!

Die ersten 45 Minuten

Über die erste Halbzeit gibt es nicht viel zu sagen. Beide Mannschaften konnten kaum Chancen erarbeiten. Ein Unterschied, wie man ihm vom Tabellenplatz erwarten sollte, war kaum erkennbar. Einzig und allein der VAR sorgte wieder einmal für Spannung und entpuppte sich als Stimmungskiller. Nachdem das erste Tor der Borussen dem Abseits zum Opfer fiel, kam es in der 33. Minute zum Elfmeter nach einem Handspiel von Bauer, das man nun wirklich von der Südtribüne nicht erkennen konnte. Lediglich die Anzeigetafel informierte uns über das Ergebnis. Erling Haaland war es egal. Er hämmerte in seiner typischen Art den Ball ins Netz und es stand 1:0 für unseren BVB. Das war es dann auch schon in einem äußerst zähen Spiel ohne sonstige Höhepunkte. Vor Ablauf der Nachspielzeit der ersten Hälfte galt es das nächste Bier zu holen. An der Getränkeausgabe herrschte weihnachtliche Stille. Georg nahm es gerne an, hatte er doch sein erstes Bier mal kurz auf der Tribüne verteilt.

Blick auf die Anzeigetafel. Der VAR überprüft ein Handspiel
Erneut drängte sich der VAR als Stimmungskiller in den Vordergrund

Die zweiten 45 Minuten

Sie begannen ähnlich unspektakulär wie die erste Hälfte. Es war kein schönes Spiel und wir beobachteten mit Skepsis die sich wiederholenden Eckbälle. Nicht, dass so ein Standard zum überraschenden Ausgleich führte. Man erkannte die begrenzten Möglichkeiten der Fürther, sah aber gleichzeitig keinen BVB, der sich durch Spielfreude auszeichnete. So dümpelte das Spiel vor sich hin. Es dauerte bis zur 82. Minute bis Erling Haaland die Fans erlöste und nach Vorarbeit von Julian Brandt zum 2:0 einköpfte. Das war doch ein Grund zu feiern und das nächste Bier zu holen. Für Haaland kam in der 83. Minute Steffen Tigges. Erneut war es dann Brandt, der das 3:0 in der 89. Minute vorbereitete. Jetzt war es der zu Dede mutierte Donyell Malen, der zum 3:0 Endstand vollstreckte. Die neue "Frisur" von Donyell war für mich mit das Auffälligste in diesem Spiel. Wir waren alle froh als das Spiel vorbei war und wir die Mannschaft in die Kabine klatschen konnten. Es war kein schönes Spiel und irgendwie kam mir der Sieg auch zu hoch vor. Aber am Ende standen drei Punkte auf dem Zettel und die Aufgabe war erfüllt.

Erling Haaland, unsere Nummer 9, wird als Torschütze auf der Anzeigetafel präsentiert
Haaland war wieder einmal mit seinen zwei Buden am Sieg beteiligt

Fazit

Dieses Spiel ist schwer einzuordnen. Es war der erwartete Sieg, der allerdings glanzlos erzielt wurde. Greuther Fürth war ein unbequemer Gegner und spielte mit Herz, aber mit begrenzten Möglichkeiten. Um den Klassenerhalt zu erreichen, muss man sicher noch eine Schippe drauflegen. Steigern muss sich aber auch der BVB. Die heutige Leistung war keine Leistung einer Spitzenmannschaft und Greuther Fürth ist nun einmal nicht das Maß aller Dinge. Am kommenden Wochenende geht es zur Hertha nach Berlin, die sich gerade auch nicht mit Ruhm bekleckert. Ziel muss es sein, auch hier drei Punkte mit nach Hause zu nehmen.

Georg und ich machten uns auf den Heimweg und wir beschlossen, beim nächsten Heimspiel wieder zusammen ein Bier auf der Südtribüne zu trinken.

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