Spielbericht Profis

Ein Hauch Da Silva

28.08.2021, 00:00 Uhr von:  Nadja Sascha
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Die BVB-Spieler klatschen sich nach dem 1:0 ab.
Trotz vieler Beschränkungen gab es am Ende ein Hauch von 2010 im Westfalenstadion

Fußball ist im Moment nicht Fußball. Zumindest nicht diese Art von Fußball, die elektrisiert, Massen in die Stadien lockt und Erdbeben auslöst. Doch der Freitag Abend in Dortmund versprühte einen kleinen Hauch dieser vergangenen Tage.

Hoppenheim ist aufgrund seines erkauften Erfolges seit dem ersten Pokalspiel in Dortmund ausgewiesener Feind der BVB-Fans und daher nie einfach nur ein Spiel wie jedes andere. Über die Jahre hat sich zudem mit Schallaffäre, Gerichtsverfahren, der Privatfehde von Didi "wo bleibt der Impfstoff" Hopp gegen die BVB-Fans und nicht zuletzt dem wiederholt unsympathischen Auftreten der Mannschaft aus dem Süden der Republik einiges an Wut angehäuft. Und so durfte man trotz der immer noch sehr beschränkten Bedingungen schon auf einiges an Stimmung hoffen.

Als wollten sie beweisen, wie Scheiße sie sind, begannen die Hoppenheimer dann auch in gewohnter Tretermanier. Nach ein paar Sekunden gab es nach einem Schlag ins Gesicht von Witsel die erste dunkel-gelbe Karte, zehn Minuten später konnte Onkel Dietmar bereits froh sein, dass seine Schützlinge nicht mit zwei Mann weniger auf dem Platz standen. Es war der Auftakt zu den Zwayer-Festspielen, bei denen sich eine fragwürdige Entscheidung an die nächste reihte. Das Ganze erinnerte sehr stark an den äußerst unsympathischen Auftritt Hoppenheims an gleicher Stelle im Herbst 2010 mit einem ähnlich danebenpfeifenden Wolfgang Stark. Entsprechend war die Wut auf den Rängen schon bald spürbar und so manch einer wäre wohl am Liebsten direkt auf den Platz gerannt und hätte ein paar Blutgrätschen verteilt.

Die Dortmunder Spieler hingegen wählten einen anderen Weg. Den Weg der Dominanz. Nach der ersten Chance nach 3 Minuten hatten die Hoppenheimer nichts mehr zu vermelden im Westfalenstadion. Chance um Chance spielte man sich näher an die Führung und machte trotz aller Widrigkeiten und nicht gegebener Elfmeter einfach immer weiter. (Jetzt mal im Ernst, wenn der Scheiß VAR schon existiert, dann müsste er sowas doch wohl korrigieren? Sonst könnte man ihn ja auch direkt abschaffen! Bitte...) Bis zur Pause jedoch mit bescheidenem Resultat.

Blick von der Osttribüne auf eine nicht mal zur Hälfte gefüllte Südtribüne. Man sieht den dunkel werdenden Abendhimmel im Hintergrund und Teile des Spielfelds und der Westtribüne.
Eine volle Südtribüne ist leider noch in weiter Ferne.

Nach der Pause hatten die Gäste wohl bemerkt, dass sie irgendwas ändern müssen, wenn sie hier nicht als verprügelte Hunde nachhause gehen wollen und brachten sich wieder mehr ins Spiel ein. Das bewirkte allerdings erst Mal das Gegenteil. In der 49. Minute war es endlich, endlich soweit! Gio Reyna traf in seinem 50. Bundesliga-Spiel (andere mussten dafür 100 werden, der Junge schafft das mit 18) zur Führung. Es hätte so schön sein können, endlich hatte man dem Gegner den Mund gestopft und konnte feiern, doch lange währte die Freude nicht. Plötzlich hatte der BVB den Faden verloren und dass gerade mal 10 Minuten später der Ausgleich fiel, war durchaus verdient. Für ein paar Minuten stand das Spiel auf der Kippe, doch dann kam der Auftritt des besten Manns des Spiels. Eine halbherzig abgewehrte Flanke in den Strafraum landete bei Jude Bellingham, der einmal abtropfen ließ und den Ball dann volley in die Ecke schmetterte. Ein sehr schönes Tor und die erneute Führung. Erste "Hey Jude!"-Gesänge waren vernehmbar und mehr als verdient für diesen außergewöhnlichen Fußballer (hier Liebesbrief einfügen).

Thomas Meunier und Mo Dahoud im Zweikampf mit einem Augsburger um den Ball
Thomas Meunier stand nach seiner Infektion erstmalig wieder in der Startelf

Eigentlich wäre das ein schönes Ende gewesen und das Spiel ging langsam auch eben diesem entgegen. Doch der Fußballgott hatte für dieses Freitagabend-Flutlicht-Spiel noch was anderes vor. Nachdem Kobel bereits mehrfach den Sieg gerettet hatte, war es in der Nachspielzeit mal wieder eine doofe Standardsituation, einmal kurz nicht aufgepasst (Hallo, Reus, Abseitsfalle?!) und der Ball war im Netz. Das Stadion still, nichts. Mal wieder eine Enttäuschung gegen Didis Jünger, man kennt es, aber lustig ist es auch nach dem hundertsten Mal nicht.

Doch dann kam die Energie. Ob sie vom Stadion kam, von den Spielern oder einfach nur so, das lässt sich schwer sagen, aber sie kam. In einer letzten Aktion vor dem Tor durfte noch jeder einmal schießen (also wirklich, außer Kobel hat vermutlich jeder diesen Ball berührt), ehe Haaland kompromisslos den Torhimmel von unten abschoss. Explosion. In diesem Moment ist es egal, wie viele Leute auf den Rängen sind, da war das Erdbeben! Da war der Da Silva-Moment! Da war der Sieg! Die Genugtuung! Dieses herrliche Gefühl der süßen Gerechtigkeit! Dieses teuflische Gefühl der süßen Rache! Fußball! Und dann fasste sich der Schiedsrichter ans Ohr... Ja, genau, jetzt hielt man es in Köln wohl für notwendig, nochmal zu überprüfen. Ausgerechnet jetzt! Da war das Gefühl dann auch dahin, selbst wenn das Tor am Ende zählte. Und man wünschte sich nichts lieber, als 2010 zurück. Mit den Fans, den Emotionen - ohne den VAR.

3 Augsburger und ein hechtender Torwart, sowie Moukoko und Reus, sehen vor dem Tor zu, wie Haaland den Ball zum 3:2 ins Tor schießt.
Die Entscheidung in der Nachspielzeit: Haaland trifft zum 3:2

Statistik

Bor. Dortmund: Kobel – Meunier, Akanji, Witsel, Guerreiro (84. Passlack) – Dahoud – Bellingham (73. Wolf), Reyna (64. Brandt) – Reus – Malen (84. Moukoko), Haaland

TSG Hoffenheim: Baumann – Akpoguma, Vogt, Posch, Raum – Stiller (46. Rutter) – Geiger (83. Dabbur), Baumgartner (70. Gacinovic) – Bruun Larsen (70. Adamyan), Rudy – Kramaric

Tore: 1:0 Reyna (49., Bellingham), 1:1 Baumgartner (61., Geiger), 2:1 Bellingham (69., Guerreiro), 2:2 Dabbur (90., Akpoguma), 3:2 Haaland (90.+1, Moukoko)

Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)

Gelbe Karten: Dahoud, Meunier – Baumgartner, Posch, Geiger

Zuschauer: 25.000

Die Mannschaft steht vor der Süd nach dem Spiel und macht die Welle. Der Blick ist von der Osttribüne.
Die Welle von Südtribüne und Mannschaft nach Abpfiff

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