Spielbericht Profis

Die Mannschaft rockt das Spiel mit 5:2 gegen Frankfurt

15.08.2021, 18:40 Uhr von:  Michi
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Die Mannschaft steht im Kreis und jubelt nach dem Tor

Es ist Samstag, die Sonne scheint. „Perfektes Fußballwetter“ denke ich, als ich morgens erwache. Moment mal! Da war doch was… heute, knapp ein Jahr nach meinem letzten Stadionbesuch wird es tatsächlich endlich wieder soweit sein. Borussia Dortmund spielt und einige viele werden dabei sein.

Übermütig springe ich aus dem Bett, erledige Dinge, versuche mich zurückzuerinnern, wann ich losfahren muss und was ich alles brauche.

Viel zu früh stehe ich vorm Stadion, freue mich unendlich auf meine Lieblingsstadionwurst in der Roten Erde und stelle fest, dass ich nicht die Einzige bin, die „ordentlich Druck“ hatte. Gefühlt alle sind schon längst am Stadion, wuseln aufgeregt herum. So auch eine Gruppe, die bei der Vergabe der Intelligenz kurz zur Toilette musste. Sie versammelte sich vor der Fanwelt, kündigten lautstark an, dem Verein den Rücken zuzukehren und verglichen die aktuelle Situation mit dem Holocaust.

Pünktlich mit Toresöffnung stürme ich das Stadion. Alles scheint wie immer, „Heja BVB!“ erklingt und da die Gesänge alles übertönen, wird die Kassette schnell auf stumm geschaltet. Und so schallt es laut von den Rängen „der BVB, der BVB wird niemals untergehen!“

Meine Freunde neben mir fehlen. Ein paar sind da. Aber nicht genug. Nicht genug für das große Ganze. Aber ich verstehe auch die, die weg bleiben. Und so bleibt nur zu hoffen, dass u.a. personalisierte Tickets und Beschränkungen aller Art bald wieder Geschichte sein werden.

Die ersten Spieler machen sich warm, für viele ist es „das erste Mal“ vor der (halbvollen) Süd und schon das beeindruckt sie maßlos. Die ersten Gesänge scheppern, doch das „boah, krass“ der jungen Hüpfer lässt sich auch mit Lippenlesen heraushören. Und auch Marco Rose begrüßt das Stadion freundlich und das Stadion tut es ihm gleich.

Auf geht’s! Das erste Heimspiel nach knapp einem Jahr, Ligaauftakt gegen Frankfurt.

Apropos Frankfurt - die sehe ich in der ersten Halbzeit nur von weitem, Kobel hat genug Zeit, die Arme in unsere Richtung zu reißen und mit uns zu feiern! So geschehen beim 1:0, als Goliath wie ein E-Auto von 0 auf 100 in 0,2 Sekunden durchstartet, dabei noch 3 Frankfurter überholt und traumhaft schön auf Reus ablegt, der es sich nicht nehmen lässt, sein 100. Tor im schwarzgelben Dress zu machen. („Maaaarcoo Reeeus!“). Doch die Retorkutsche folgt in der 27. Minute als Passlack den Ball klären will, dieser aber unhaltbar an Kobel vorbei im rechten Eck landet. Ich ahnte Schreckliches, war der BVB doch nach solchen Aktionen in der letzten Saison häufig unwiderruflich von der Rolle. Heute nicht. Der blonde Riese startet erneut durch, sein Motor jault auf, er setzt den Blinker und findet Hazard, der seine Unachtsamkeiten einige Minuten zuvor damit wieder wett macht.

Hazard trifft das Tor. Ein Frankfurter gleitet am Ball vorbei. Der Torwart springt in die falsche Ecke.
Thorgan Hazard mit dem 2:1

Keine Verschnaufpause, weiter geht’s! Dieses Mal genug des Teamplaying, Harald macht das 3:1 selbst.

Kurz vor dem Halbzeitpfiff beginnt das Trauerspiel des DFB - eine Mischung aus Schiri ohne eigene Meinung und scheinbar auch nicht im Besitz von Karten und minutenlanger Videoanalyse. Es nervt! Tor! JA! Nein? Nein! Doch! Moment, ich erwecke meine Emotionen von vor 5 Minuten erneut, um mich nochmal künstlich zu freuen. Danke für nichts!

Halbzeit. Ein paar bekannte Gesichter habe ich während des Spiels entdeckt und so mache ich mich auf die Suche. Keine zwei Sekunden später ist alles wie immer. Zumindest fast. Ein kurzes Innehalten - ja wie denn jetzt? Schulterklopfer? Zuwinken? „Ach, scheiß drauf, komm her!“ und es fühlt sich gut an, so so gut, als ich meine Leute kräftig in den Arm nehme. Hallo Freunde, schön euch endlich wieder zu sehen! Nach 5 Minuten drängen uns die strengen Blicke der Ordner auseinander. Ich weiß gar nicht, was ich mit meiner verbleibenden Zeit anfangen soll - keine Schlange vor der Toilette, kaum Schlange vor den Bierständen und so gehe ich zeitig wieder zurück zu meinem Platz. Die Dame hinter mir stupst mich an „komm, steh auf! Es geht weiter!“ Dass wir vor Spielbeginn diskutiert haben, ob ich mich nicht bitte setzen könnte, ist vergessen. Die fremden Gesichter um mich sind in Feierlaune.

Reyna trifft das Tor. Ein Frankfurter gleitet am Ball vorbei. Der Torwart springt in die falsche Ecke.
Giovanni Reyna trifft zum 4:1

Weiter gehts! Frankfurt wirkt wacher, möchte aus dem 3:1 vielleicht doch noch ein 3:4 machen? Haaland beantwortet die Frage mit NEIN! und legt für seinen kleinen Bruder Gio auf. Der springt ihn im Torjubel an, geht ihm aber weiterhin lediglich bis zur Brust.

Ich wiederhole mich ungern, aber in der 70. Minute startet die norwegische Lawine erneut und nach ewigewigeeeewwigeeer Analyse gibt der DFB ihn doch, den zweiten Treffer von Haaland am heutigen sonnigen Samstag.

Die Sonne lacht - am Himmel, auf dem Platz und in den Gesichtern der Menschen um mich herum. Hach, Fußball! So hässlich du auch geworden bist, du hast uns so gefehlt!

Kurz vor Schluss sei der Eintracht ein weiterer Ehrentreffer gegönnt, der uns das „Spitzenreiter! Spitzenreiter!“ im Mund umdreht.

Jude reißt die Arme nach oben „come on!“ , die gelbe Wand erwacht wieder.

Die Mannschaft steht vor der Südtribüne. Diese ist ca. zu drei viertel gefüllt.
Gute Stimmung im Stadion

Nicht ganz konform gehe ich mit dem aktuellen Dauerbrenner und Wechselgesang für die norwegische Maschine. Ja, es war geil! Ja, er hatte großen Anteil daran. Aber jetzt ist gut. Marco Reeeus!

Dem scheint sein Urlaub übrigens mehr als gut getan zu haben.

Nach Schlusspfiff liegen einige Spieler platt auf dem Rasen. Atmen! Ja, das war viel Gelaufe. Ja, da war endlich wieder Tempo drin und das wollen wir sehen!

Die Mannschaft hat das Ding gerockt! Zusammen!

… es gibt nie, nie, nie einen anderen Verein!

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