Spielbericht Profis

Und wöchentlich grüßt das Murmeltier oder die kleinen Fehler in der Matrix

20.05.2003, 00:00 Uhr von:  Arne
Und wöchentlich grüßt das Murmeltier oder die kleinen Fehler in der Matrix
Der Gästeblock in Lautern

Ich fühle mich wie Bill Murray. Irgendwie bin ich gefangen in einem ständig wieder neu beginnenden Film. Es ist immer dasselbe Muster: Ich stehe früh morgens auf, steige in einen Bus ein und fahre zu einem BVB-Spiel in der Fremde. Dort angekommen beobachte ich 11 schwatzgelb gekleidete Männer bei den unbeholfenen Versuchen, so etwas wie Offensivbemühungen zu unternehmen.

Klappen tut es nie, aber das weiß ich mittlerweile schon von den vorherigen Teilen der Endlosschleife, und so fahre ich stets mit einem seltsamen Gefühl im Magen wieder heim, wo ich einen rothaarigen Trainer im Fernsehen sehe, der mit dem Spiel seiner Mannschaft zufrieden ist. Nicht zufrieden ist er meistens mit dem Schiedsrichter, den Platzverhältnissen, dem Ball, der Sonneneinstrahlung, seinem persönlichen Bio-Rhythmus, den Magnetfeldern und seiner Darmflora. Letzteres erzählt er zwar nicht, aber den gequälten Blicken sieht man es irgendwie an. Eine andere Ursache können sie ja nicht haben, die Mannschaft hat ja gut gespielt...

Etwas aber ist anders als bei Bill Murray: Im Gegensatz zu meinem schauspielenden Leidensgenossen spielt bei mir die Handlung an immer anderen Orten. Stuttgart, Mönchengladbach, Hamburg, München, Kaiserslautern.... überall erlebe ich dasselbe, und- was das Unheimliche daran ist: Ich bin nicht allein!

Am Samstag war es also wieder soweit und selbst die Aufstellung wirkte kaum überraschend: Beim BVB spielte Kehl nach abgesessener Sperre von Beginn an, für ihn musste Fernandez auf die Bank. Die Warum-zum-Teufel-spielt-eigentlich-Amoroso-nicht?-Frage hatte ich auch schon vor Wochen aufgehört zu Fragen, also nahm ich diesen Umstand kommentarlos zur Kenntnis. Ich wusste ja mittlerweile, dass eine Aufstellung des Brasilianers ein Hinweis auf schwerwiegende Fehler in der Matrix gewesen wäre und so war ich froh, dass sich Sammer auch in dieser Woche seiner Verantwortung für die Welt bewusst war.

Das Spiel begann also - wie sollte es anders sein - recht verhalten aus Dortmunder Sicht, und demzufolge waren es auch die Gastgeber, die für die spielerischen Akzente auf dem Platz sorgten. In der 20. Spielminute war es Marijan Hristov, der aus etwa 15 Metern abzog und Roman Weidenfeller zu einer Glanzparade zwang. Riesenchance für Lautern, aber an alter Wirkungsstätte zeigte Weidenfeller seine erste richtig starke Parade an diesem Tag - es sollte nicht die letzte bleiben. Zwei Minuten später bekamen die roten Teufel in Form von Markus Anfang erneut eine Riesengelegenheit, doch der für den verletzten Bjelica ins Spiel gekommene Anfang wusste die Chance nicht zu nutzen.

Kurz darauf dann auch mal eine Chance für den BVB, doch Ricken blieb nach sehr schönem Pass von Frings freistehend vor Torwart Wiese erfolglos und schoss den Ball neben das Tor.

Doch dieses kurze schwatzgelbe Aufflackern sollte nur ein Intermezzo sein, denn in der Folge machte wieder nur der FCK das Spiel und so hatte Miroslav Klose in der 33. Minute die Chance, seine Farben mit 1:0 in Führung zu bringen, aber wie seine Vorgänger versagte auch er und das Spiel ging torlos in die Pause.

In Halbzeit zwei zunächst dasselbe Spiel: Kaiserslautern machte das Spiel, der BVB hielt sich weitestgehend heraus und reagierte anstatt zu agieren. Immerhin das machten sie aber nicht schlecht und so war es in der 57. Spielminute wieder Weidenfeller, der mit einer erneuten Glanzparade einen Fallrückzieher von Lembi zu parieren wusste und die Borussia wiederum vor dem Rückstand bewahrte.

Dann endlich legte der BVB auch mal den Schalter um, eine Stunde hatte es hierfür gebraucht, und sofort in der ersten sehenswerten Offensivaktion landete der Ball im Netz. 1:0 durch Ricken! Nein, eben nicht, denn Schiri Wack und sein Assistent folgten ihrer Linie, konsequent Müll zu pfeifen und versagten dem korrekten Treffer die Anerkennung.

So kam, was kommen musste: Auch die Chancen durch Reina in der 70. und durch Rosicky in der 76. Spielminute blieben ungenutzt und das Spiel endete 0:0 - der Abschluss einer grandiosen Auswärtsrückserie ohne Sieg und mit nur vier erzielten Treffern auf fremden Plätzen in insgesamt 8 Partien.

Fazit:

Ein Auswärtsspiel wie immer: Kein großer Wille zum Sieg sichtbar, die Mannschaft wurschtelt sich irgendwie durch und spielt einen Fußball, der unattraktiver kaum sein kann. Freuen wir uns, dass die Saison bald zu Ende ist.

Extrem peinlich ist es angesichts einer solchen Negativserie auswärts allerdings, wenn die BVB-Homepage nach derart leidenschaftslosen und jeden Offensivdrang vermissen lassenden Spielen plötzlich die Schiedsrichter zu Buhmännern abstempelt. 13 Punkte hätten Fehlentscheidungen der Unparteiischen den BVB schon gekostet, erbost man sich bei den Hofberichterstattern.

Was soll so etwas? Spiel gefälligst anständig Fußball und heult nicht rum wie die Blauen! Habt Ihr schon das Derby vergessen? Ohne Fehlentscheidung hätten die Asseln gewonnen! Und letztes Jahr? Habt Ihr da die Schiris kritisiert, weil sie uns einen Elfer nach dem anderen "schenkten"? Das Lamentieren über alles und jeden ist der Borussia nicht würdig und geht mir mächtig gegen den Strich! Fasst Euch gefälligst an die eigene Nase, steht zu Euren schlechten Leistungen und tut selber etwas gegen derart grausame Spiele, wie wir sie diese Saison zuhauf ertragen mussten! Aber verschont uns bitte von so abstrusen Ausreden, die wir Euch eh nicht abnehmen!

Aufstellungen, Noten und Statistik:

Dortmund: Weidenfeller (1,5) - Wörns (3), Madouni (3,5) - Reuter (3,5), Dede (3) - Frings (3,5), Kehl (4) - Ricken (3,5) [80. Amoroso (-)], Rosicky (4) - Koller (4), Ewerthon (5) [59. Reina (3)]

Kaiserslautern: Wiese - Grammozis , Klos , Lembi , Tchato [63. H. Koch] - Sforza - Bjelica [3. Anfang], Hristov , Dominguez [83. Mifsud] - Lokvenc - Klose

Gelbe Karten: Tchato, Hristov -Reuter, Dede, Kehl

Schiedsrichter: Dr. Franz-Xaver Wack aus Biberach: Note 5,5 - ein echter Wack, mehr braucht man nicht sagen. Kleinliche Pfeiferein, meistens falsch und ein korrektes Tor nicht gegeben. Auf der ewigen Bestenliste der schlechtesten Schiris schiebt er sich erneut ein paar Plätze nach vorn.

Zuschauer: 40232 (ausverkauft)

P.S.: Falls wer hier einen Bericht zur Mottofahrt vermisst: Dem Thema "Summer of Love" widmen wir noch genügend Zeilen in einem separaten Fahrt- und Stimmungsbericht. Fotos dazu gibt es aber schon mal hier.

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