Luft nach oben hat der BVB in letzten Tagen allemal gehabt. Neben spielerischer Probleme verbringen die Profis auch jede Menge Zeit im Flieger. Immerhin trennen Dortmund und Berlin nur 480 Kilometer Luftlinie. Die kürzeste Reise im Bodo-Berlin-Baku-Block. In der Tabelle liegen zwischen Borussia Dortmund und Union Berlin vor dem direkten Duell am Samstag ebenfalls einige Plätze: Der BVB reist als Tabellenzweiter mit 13 Punkten in die Hauptstadt, die Eisernen stehen mit vier Zählern auf Rang 16. Auf dem Papier scheint die Favoritenrolle damit klar verteilt zu sein. Doch gerade in der Alten Försterei sollte sich Borussia Dortmund nicht in Sicherheit wiegen.
Union Berlin ist mit einem neuen Trainer und einem veränderten Spielsystem in die Saison gestartet. Dass die Abläufe noch nicht vollständig sitzen, zeigt der bisherige Saisonverlauf. Zum Auftakt retteten die Eisernen gegen Eintracht Frankfurt immerhin ein 3:3. Gegen Bayer Leverkusen (0:4), die Blauen (1:3) und den FC Bayern München (0:7) gab es anschließend allerdings drei Niederlagen in Folge. Erst gegen Aufsteiger Elversberg gelang Union der erste Saisonsieg. Trotzdem glaubt Cheftrainer Mauro Lustrinelli, dass Berlin die Möglichkeit hat das Spiel zu gewinnen. Die Niederlage des BVB in Norwegen möchte er jedoch nicht überbewerten und mahnt zur Vorsicht. Schließlich sucht auch seine eigene Mannschaft noch nach Konstanz.
Vor allem bei Standardsituationen muss Borussia Dortmund aufpassen. Wie Niko Kovac vor dem Spiel auf der Pressekonferenz betonte, hat Union besonders in diesem Bereich seine Stärken. Der BVB muss in den Zweikämpfen präsent sein und die Duelle annehmen. Gegen einen Gegner, der gerade im eigenen Stadion über Kampf und Intensität kommt, wird das ein entscheidender Faktor.
Die Festung Alte Försterei
Die bisherigen direkten Duelle sprechen für Borussia Dortmund. Auch das Torverhältnis fällt mit insgesamt 37 zu 14 erzielten Treffern deutlich für den BVB aus. In der Alten Försterei sieht die Bilanz allerdings weniger komfortabel aus: Vier der bisherigen sieben Gastspiele konnte der BVB gewinnen, dreimal trat Dortmund die Heimreise ohne Punkte an. Ansehnlichen Fußball bekam man als Fan dabei selten geboten. Stattdessen waren die Begegnungen häufig von intensiven Zweikämpfen und viel Kampf geprägt. Genau darauf muss sich die Mannschaft von Niko Kovac auch am Samstag einstellen. Die tabellarische Ausgangslage allein wird dem BVB in Berlin nicht helfen.
Genauso wie das Gefühl aus den letzten beiden Pflichtspielen. Erst gab der BVB gegen Werder Bremen in der Schlussphase einen möglichen Sieg aus der Hand, dann folgte in Norwegen ein enttäuschender Auftritt gegen FK Bodö/Glimt. Nach oben ist also noch genug Luft. Trainer Niko Kovac fand nach dem Spiel in Norwegen deutliche Worte.
Der Gegner war schneller, zweikampfstärker, aggressiver und intensiver als wir.
Mit dem Ball "schon noch mehr laufen" forderte Kovac auf der Pressekonferenz. Worauf es in Berlin ankommt? "Aggressiv sein, wach sein und mit dem Körper aktiver in die Zweikämpfe gehen." Die Intensität steht damit im Fokus. Das Kapitel in Norwegen möchte der Verein jetzt aber möglichst schnell abschließen. Getreu dem Motto:
Wenn man hinfällt, dann muss man auch wieder aufstehen.
Wer eignet sich da als Aufbaugegner besser, als ein vermeintlich schwaches und abgeschlagenes Union Berlin? Nach den letzten Leistungen wäre ein Unentschieden oder eine Niederlage aber auch keine große Überraschung.
Schlotterbeck ist wieder zurück - Wird die Rotationsmaschine angeworfen?
Personell kann Niko Kovac weitestgehend aus dem Vollen schöpfen. Nico Schlotterbeck kehrt nach einer Schonungsmaßnahme gegen FK Bodø/Glimt wieder in den Kader zurück. Die Langzeitverletzten Justin Lerma (Muskelverletzung am rechten Oberschenkel), Giannis Konstantelias (Kreuzbandriss im linken Knie) und Emre Can (Kreuzbandriss im linken Knie) stehen dagegen weiterhin nicht zur Verfügung. Angesichts des eng getakteten Programms wird Kovac allerdings rotieren müssen.
Wir werden jeden Spieler brauchen. Jeder Spieler wird wichtig sein und seine Minuten bekommen.
Zumindest indirekt bestätigt Dortmunds Trainer also, dass es zu Wechseln kommen wird. Das ist auch mit Blick auf die kommenden Aufgaben durchaus nachvollziehbar: Nach Berlin stehen Baku, zwei Heimspiele gegen Frankfurt und Bremen sowie das Auswärtsspiel in München auf dem Plan. Insgesamt vier englische Wochen in Folge. Allein im Bodö-Berlin-Baku-Block legt der BVB rund 11.000 Kilometer zurück.
Eine Reise, die auch den Geldbeutel und die Knochen der Fans strapaziert. Die Kosten sind hoch, die Flüge lang und das Bier nicht immer günstig. Nach dem Auftritt der mitgereisten Fans in Norwegen richtete Kovac ein ausdrückliches Dankeschön an die Anhänger. Besonders die Choreografie und die lautstarke Unterstützung hätten Eindruck hinterlassen. „Unsere Fans müssen schon sehr viel auf sich nehmen. Wir brauchen sie“, betonte er auf der Pressekonferenz.
Auf seine Fans kann sich Borussia Dortmund also verlassen. Für schwatzgelb gilt es nun, die richtigen Schlüsse aus den vergangenen beiden Pflichtspielen zu ziehen. In der Alten Försterei wartet ein Gegner, der trotz seiner schwierigen Tabellenlage alles in die Waagschale werfen wird. Dortmund braucht mehr Intensität, mehr Konsequenz in den Zweikämpfen und vor allem eine Reaktion auf den Auftritt in Norwegen.
Für mich geht es am Samstag bereits um 6:30 Uhr mit dem Bus der BVB-Fanabteilung los. Erst nach Berlin, dann wartet mit Baku schon das nächste große Abenteuer. Der Wahnsinn geht weiter.
In diesem Sinne: Forza BVB!