BVB zu Gast in Stuttgart

Breite Brust trifft auf Brustring

Blick vom Spielfeldrand in das voll besetzte Stuttgarter Stadion bei Tageslicht. Links unter dem Tribünendach ist ein Block mit Fans in Gelb zu sehen, rechts die Stuttgarter Anhänger. Auf dem Rasen laufen die Spieler, darüber leuchtet ein blauer Himmel.
Bild: schwatzgelb.de

Es gibt Auswärtsfahrten, von denen erzählt man noch Jahre später gern. Und dann gibt es den 22. September 2024. Zu dritt sind wir damals runter nach Stuttgart gejockelt: Sonntag, Sonne, Vorfreude und die übliche Portion Optimismus, die man als Borusse zu Saisonbeginn meistens noch sein Eigen nennt. Zur Pause stand es 0:2, am Ende 1:5. Auf der Rückfahrt kam mir die Strecke doppelt so lang vor wie auf dem Hinweg. Rückblickend gesehen war an diesem Tag aber nicht alles schlecht. Der Liter Diesel stand bei ca 1,55 Euro. Wir lebten wie in Saus und Braus. Fast auf den Tag genau zwei Jahre später also wieder auswärts in Stuttgart. Wieder am 4. Spieltag. Wieder 5:1 für den VfB?

Ein Pflaster mit Geschichte

Stuttgart war in den letzten Jahren kein Ort, an dem der BVB gern zu Gast war. Pokal-Aus, Niederlagen in der Liga, dazu dieses 1:5. Sieben Pflichtspiele in Folge blieb der VfB gegen uns ungeschlagen, und irgendwann wirkt jede Statistik weniger wie Zufall, sondern eher wie ein Muster. Letzte Saison lief alles auf ein 0:0 hinaus, bevor Karim Adeyemi und Julian Brandt in der Nachspielzeit noch trafen. Beide spielen inzwischen nicht mehr an der Strobelallee. Karim stürmt für Barcelona, Julian spielt in Amsterdam.

Die Vorzeichen stehen dieses Mal aber gar nicht so schlecht: Drei Spiele, drei Siege, acht Tore. So gut ist der BVB selten in eine Saison gestartet. Das spiegelt sich wohl auch im Selbstverständnis der Mannschaft wider. BVB-Trainer Niko Kovac spricht von einer „breiten Brust“, und das kauft man ihm auch ab. Die Defensive arbeitet als Kollektiv, das Umschaltspiel sitzt. Auch VfB-Trainer Sebastian Hoeneß nennt den BVB aktuell „sehr stabil“ und „sehr klar“, dazu komme „eine gewisse Körperlichkeit“. Wann hat man zuletzt über den BVB gesagt, dass er unangenehm zu bespielen und sehr stabil ist?

Die Personallage hat sich in der letzten Woche deutlich entspannt. Karetsas trainiert wieder mit und soll mitfahren ins Schwabenland. Schlotterbeck und Bensebaini haben ihr Comeback gegen Paderborn gut verkraftet und sind voller Tatendrang. Beim VfB wackelt dagegen der Einsatz von Mittelfeldmotor Angelo Stiller, auch Ex-Borusse Zagadou fehlt weiterhin.

Zweikampf zwischen einem Spieler des VfB Stuttgart im weißen Trikot mit rotem Brustring und einem Dortmunder Spieler im gelb-schwarzen Trikot. Der Stuttgarter holt mit dem rechten Bein zum Schuss aus, der Dortmunder versucht ihn zu stören.
Kann nicht mehr mithelfen: Karim Adeyemi (re.) kickt mittlerweile in Barcelona, erzielte beim letzten Auswärtsspiel in Stuttgart ein Tor. · schwatzgelb.de

Taumelnde Boxer

Während in Dortmund die Sonne scheint, ziehen über Cannstatt die ersten Wolken auf. Drei Punkte aus drei Spielen, das klingt schon fast nach Mini-Krise in Stuttgart. Schaut man genauer hin, sieht man ein 1:5 in München, das man getrost aus der Wertung nehmen darf, ein unnötiges 1:2 in Hoffenheim und ein souveränes 4:1 gegen Köln im bisher einzigen Heimspiel. Hoeneß hat die Woche genutzt, um an Kompaktheit und Intensität zu arbeiten. Mut dürfte ihm auch die Vorsaison machen. Da stand sein Team nach drei Spieltagen ebenfalls bei drei Punkten, danach folgten fünf Siege in Serie und am Ende die Champions League. Oder, um das Phrasenschwein zu bemühen: Taumelnde Boxer sind am gefährlichsten.

Das torreichste Duell der Bundesliga

Wer auf ein kontrolliertes 1:0 hofft, schaut vermutlich das falsche Spiel. VfB gegen BVB ist die torreichste Paarung der Bundesliga-Geschichte: 381 Tore in 112 Spielen, das letzte 0:0 gab es vor 20 Jahren. Dazu kommen Flutlicht, ein ausverkauftes Haus und drei Wochen XXL-Länderspielpause, in die alle Beteiligten mit einem guten Gefühl starten wollen. Es ist das 124. Duell beider Vereine, und enger könnte die Bilanz kaum sein: 49 Siege für uns, 48 für den VfB, 26 Unentschieden. Von den letzten zwölf Heimspielen hat der VfB nur eins verloren: gegen uns, im April 2026. Ich saß damals vor dem Fernseher statt im Auto. Am Samstag mache ich es genauso. Man muss dem Glück ja nicht im Weg stehen.

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