Podcast Forum Fotos Shop Unterstütze uns!

Kein neues Stadion für den BVB

Seit 1974 und FÜR IMMER Westfalenstadion

Legendäre Choreos durften wir im Westfalenstadion schon erleben
Legendäre Choreos durften wir im Westfalenstadion schon erleben · Bild: Schwatzgelb.de

Auf dem Papier ist das Westfalenstadion für Borussia Dortmund ein enormer Kostenfaktor. Allein um das Westfalenstadion im aktuellen Zustand zu erhalten muss der BVB jedes Jahr richtig viel Geld investieren. Hinzu kommen Investitionen zur "Verbesserung" des Stadions, wie besseres Flutlicht, digitale Werbebanden und so weiter. 

Aufgrund seiner alten Baustruktur hat das Westfalenstadion trotz seines Gesamtfassungsvermögen von 81.365 Zuschauerplätzen prozentual wenig Logen- und VIP-Plätze, die jedoch mit am meisten Geld in die Kassen der betreibenden Vereine spielen. Die Erweiterungsmöglichkeiten des Stadions scheinen erschöpft. Hinzu kommt, dass das Westfalenstadion aufgrund der zentralen Lage und der dafür nicht ausgelegten Infrastruktur nicht für andere Großveranstaltungen wie Konzerte und Ähnliches genutzt werden kann. Sollte der BVB also schleunigst ein neues Stadion bauen, um darüber wieder mehr Geld in die Kassen zu bekommen?

Ich spreche mich deutlich dagegen aus.

Neu = Besser?

Ein neuer Stadionbau bedeutet für Borussia Dortmund ein Jahrzehnte-Projekt.

Es fängt an bei der Suche nach einem Standort, der bei weitem nicht so zentral ausfallen würde wie der jetzige. Der BVB würde außerhalb der Stadt eine Fläche erwerben müssen, die groß genug für ein Stadion mit mindestens vergleichbarer Kapazität ist sowie eine gute Anreiseinfrastruktur bieten muss. Dieses Grundstück würde in der berühmten "Pampa" irgendwo sicherlich zu finden sein. Die Frage ist jedoch: was bedeutet ein Stadion außerhalb der Stadt - nicht nur für Borussia Dortmund sondern auch für seine Fans und die Stadt Dortmund?

Weitwinkelaufnahme des Westfalenstadions innen - Blick Südtribune
Fußball während Corona hieß: fast leere Stadien

Das angenehme Zum-Stadion-Laufen wäre Geschichte. Es müssten in jedem Fall für eine gewisse Strecke auf die Bahn oder das Auto zurückgegriffen werden. Dabei gehört für viele der Weg zum Stadion bereits zum Spieltagserlebnis dazu: bei der Lieblingskneipe ein Bier trinken und bei der Bude um die Ecke noch schnell eine Bratwurst. Das wäre mit einem Stadion außerhalb von der Stadt zu einem größtenteils vorbei, was das Stadionerlebnis schmälert und die örtliche Gastronomie, die davon enorm profitiert, schaden. Man denke an die Corona-Zeit zurück, als viele Gastro-Betriebe in Dortmund auch wegen der fehlenden Heimspiele des BVB ordentlich ins Straucheln kamen. Es könnte das Ende der Dortmunder Kneipenkultur bedeuten. Für die Stadt Dortmund bedeutet ein Stadion außerhalb der klassischen Innenstadt fehlende Gäste, auch Gästefans, die die Stadt ebenfalls vor dem Spiel nochmal für einen Besuch nutzen. Modernere Stadien haben teilweise sogar direkt Hotels nebenan, sodass eine Reise in die Innenstadt komplett obsolet wird. Gut für den BVB, wenn man da auch noch Geld bekäme, aber schlecht für die Stadt Dortmund.

Abriss des WS und ggf. der Roten Erde kommt übrigens aus Denkmalschutzgründen nicht in Frage.

Sollte man dann doch einen Platz für das neue Stadion gefunden haben, muss man sich fragen, wie groß und "besonders" das neue Stadion sein soll. Bleibt man bei der aktuellen Kapazität, geht man hoch oder gar runter? Wie soll das Stadion aussehen? Beeindruckende und markante Architektur oder 0815-Stadion á la Baukastenprinzip? Das ist schlicht eine Kostenfrage. Je imposanter und spektakulärerer desto teurer wird das Stadion. Der Trend in Deutschland geht ganz klar zu den "Baukasten"-Stadien, da diese günstig sind und ihren Zweck ebenso erfüllen. Aber Borussia Dortmund lebt deutlich von der Besonderheit des Westfalenstadions - es ist identitätsstiftend (dazu gleich mehr) - sodass es für uns Fans tatsächlich sehr ernüchternd ausfallen könnte, wenn wir uns möglicherweise in einem Stadion wiederfinden, das so ähnlich auch in Freiburg oder Augsburg steht.

Mythos "Westfalenstadion"

Choreo beim Heimspiel des BVB mit prägnanten Gebäuden der Stadt Dortmund
Wären solche Choreos in einem neuen Stadion möglich?

Und da sehe ich die aller größte Gefahr bei einem neuen Stadion: der Identitätsverlust. Das Westfalenstadion ist historisch gewachsen und ein Sinnbild für Borussia Dortmund. Mit der Zeit hat es sich immer weiterentwickelt und dabei innen und außen stets den Zustand des Vereins repräsentiert. Es hat durch das organische Wachstum eine markante Architektur, die auch die Skyline der Stadt Dortmund ziert, erhalten, die man nicht schön finden muss, die jedoch im Stadioneinheitsbrei der Bundesliga mehr und mehr hervorsticht.

Der Faktor das größte Stadion Deutschlands zu sein ist wichtig, aber noch wichtiger ist die Südtribüne, die mit 25.000 Plätzen die größte Stehplatztribüne der Welt ist. In ein neues Stadion würde diese Tribüne keinesfalls übertragen werden können, da die Bauweise heute so wohl nicht mehr erlaubt wäre. Außerdem ist eine zu große Stehplatztribüne hinderlich für den "Mehrzweck"-Nutzen bei anderen Veranstaltungen wie Konzerten, da dort immer arbeiten vor und nach der Veranstaltungen erfolgen müssen (man denke an die regelmäßigen Champions League-Umbauten bis vor einigen Jahren). Die Südtribüne ist das Herz des Westfalenstadions und tausende Menschen weltweit sind davon derart fasziniert, dass sie sich das Ganze vor Ort anschauen. Stadiontourismus nervt viele Fans (nicht immer zu unrecht), ist in Dortmund aber eben eine Möglichkeit das Stadion auch bei unattraktiveren Partien voll zu bekommen. Wäre das bei einem neuen Stadion auch gegeben? Ich habe meine Zweifel, denn sportliche Gründe liefert der BVB in letzter Zeit kaum.

Außenaufnahme Merkur Spiel-Arena Düsseldorf
Merkur Spiel-Arena (Foto: Peter Weihs) · https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/

Das Westfalenstadion altert viel mehr wie guter Wein. Es wird in einer Welt von "Mehrzweckarenen" immer interessanter für Fußballfans weltweit. Es sorgt für besondere Erlebnisse, besondere Stimmungen, die sich schwerlich in anderen Stadien erzeugen lassen. Ich war vor kurzem für ein Konzert in der MERKUR-Spielarena Düsseldorf (allein der Name ist bereits eine Katastrophe) und so schön das Konzert auch war, dem Ort als Fußballstadion nimmt das etwas. Alles wirkt steril und zu prominente Fußball- und Fankultur muss, zumindest temporär, zu entfernen sein, damit sich auch der generischste Veranstaltungsgast dort wohl fühlt. Zugeben war hier und da etwas Fußball erkennbar, aber es wirkte dennoch alles eher fehl am Platz. Und das sollte so in Dortmund nicht passieren.

Und jetzt?

Die in meiner Einleitung genannten Problematiken der Kosten-/Nutzenrechnung bleiben trotzdem bestehen. Der BVB sollte dennoch versuchen, das Westfalenstadion zu erhalten und weiterzuentwickeln. In der Vergangenheit hat man dafür immer Wege gefunden. Vielleicht lässt sich an der Kapazität noch etwas machen? Oder es finden sich Lösungen im Bereich Veranstaltungen? Ich hoffe jedenfalls, dass man beim BVB alles dafür tut, um uns das Westfalenstadion noch einige Jahrzehnte zugänglich zu halten. Es ist fester Teil unserer Identität, ähnlich wie das Wappen. Und das will ja auch keiner ändern. Oder?

Diesen Artikel teilen
Unterstütze uns mit steady