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FIFA verkauft sich und die WM

Die doppelmoralischen Bedenkenträger aus Europa

Ein Banner mit dem Text „greedy old bastards - UEFA-Mafia“ auf der Südtribüne
Bild: Schwatzgelb

Infantino will also die WM an seinen neuen Bestie Trump verkaufen. Gut, ich habe hier ein paar Zwischenschritte ausgelassen, aber das ist die Kernessenz des Ganzen. Dass dies der letzte Schritt in die Vollkommerzialisierung des Weltfussballs ist, in dem der Sport dem Geld nicht nur untergeordnet wird, sondern zusammen mit Ethik, Moral und Gewissen komplett verschwindet, will ich an dieser Stelle gar nicht lange kommentieren (vielleicht eine naive Hoffnung, dass es irgendwann wirklich der letzte Schritt ist, aber eines muss man der FIFA lassen, sie ist sehr kreativ im Erfinden immer teuflischerer Machenschaften). Die Entwicklung der FIFA in den letzten Jahren, aufbauend auf die Entwicklung der letzten Jahrzehnte und letztlich als Konsequenz dessen, wie sie bereits in ihren Anfängen aufgestellt wurde (große Überraschung: die Austragung der ersten WM war gekauft), ist mit den schlimmsten Worten nicht zu beschreiben. Jede Religion braucht wohl auch ihre Teufel und wer das im Fußball ist, ist hinlänglich bekannt.

Der BVB-Auswärtsblock präsentiert mehrere Fußball-Persönlichkeiten auf Doppelhaltern mit Clown-Nasen und das Spruchband „Die hässlichen Fratzen des Fußballs“

Doch daneben gibt es eine andere Gruppe, die mich ebenfalls tierisch frustriert und auf die ich hier das Hauptaugenmerk richten will: die lautesten Kritiker. Ok, vielleicht ist selbst Belzebub Infantino diesmal etwas zu weit gegangen, denn die Kritik (zumindest im Ansatz und bis das Geld fließt), kam diesmal tatsächlich von fast überall, aber auch in anderen Momenten waren es doch oft die gleichen Leute, die Kritik übten: Blatter, die UEFA, die europäischen Verbände, Eberl, Klopp. Und was haben die alle gemeinsam - den norwegischen Fußball Verband mal ausgenommen? Genau. Sie sind nicht nur mittendrin, wie zum Beispiel der BVB, sondern vorneweg in der Entwicklung, die alle Beteiligten reich und den Fußball arm macht: Ehemalige und aktuelle Mitarbeiter von gekauften Vereinen wie RB, Organisatoren der möchtegern-Superleague, mit Bestechungsskandalen durchsetzte Verbände und Akteure, die dubiose Investorendeals einfädeln und WM-Austragungen kaufen und verkaufen, Verbände deren Ligen durchtränkt sind von Sportwashing und mehr als fragwürdigen Investoren oder die mit Steuergeldern die Schulden ihrer Zugpferde tilgen und Finalspiele auf anderen Kontinenten spielen lassen. Von Blatter will ich gar nicht erst anfangen! Die Kritik an der FIFA klingt einfach nur zynisch, wenn sie von Menschen kommt, die als erstes die Hand aufmachen, wenn das Geld fließt. Wie soll man dies als Fussballfan denn Bitteschön ernst nehmen?

Die Zynikerin in mir fragt: „Was passt euch nicht? Dass ihr nicht selbst auf die Idee gekommen seid oder dass ihr nichts davon abbekommt?“

Natürlich muss man die Vorgänge kritisieren, scharf sogar, aber dabei könnte man ja auch mal einen kleinen Blick auf sich selbst richten. Ja, im Vergleich zur FIFA sehen viele von ihnen ziemlich gut aus, zugegeben. Aber neben dem Mount Everest scheint die Zugspitze auch klein und unscheinbar.

Ich habe keine Lösung, ich glaube nicht, dass der Fußball als Profisport noch zu retten ist. Das mag fatalistisch klingen, aber es ist leider meine Überzeugung. Selbst wenn Infantino irgendwann weg ist, haben die letzten Präsidenten bewiesen, dass es danach immer nur noch schlimmer wird. Und bis dahin und darüber hinaus wird Geld dafür sorgen, dass genug Verbände gekauft werden können, um nicht nur die Pläne zu verwirklichen, sondern auch die Wiederwahl von Infantino zu garantieren. Im Gegensatz zu seinem BFF braucht er dafür nicht mal Wahlmanipulation, Einschüchterung, Diskrimierung und Hackerfreunde in Russland, es reicht den ärmsten Verbänden genügend Geld zu versprechen. Und die will ich hier noch am allerwenigsten kritisieren (nicht gar nicht), denn am Ende hat Europa das selbst in der Hand: mit sehr wenigen Ausnahmen wird das Geld im Fußball in Europa verdient. Würde sich die UEFA und ihre Verbände aus der FIFA, von der WM und von anderen FIFA-organisierten Turnieren zurückziehen, würde der FIFA das Geld schneller aus den Händen fließen als der Familie Trump.

Doch dafür sind sie nicht nur zu feige, dafür sind sie auch viel zu geldgeil.

Eine Gruppe BVB-Fans auf der Straße, die das Plakat „Null Toleranz gegenüber RB Leipzig“ vor sich hertragen

Und so beißt sich die Katze in den Schwanz: selbst der in der Gruppe der Hauptkritiker moralisch noch am ehesten solide norwegische Fußballverband wird nicht auf eine WM-Teilnahme verzichten - egal unter welchen Umständen. Der Rest übt Kritik eh nur soweit man selbst kein Geld verliert und hauptsächlich um von sich abzulenken oder die zu füttern, die ihnen Geld zustecken. Sobald dreckiges Geld irgendwo fließt, sind die moralischen Bedenkenträger wieder mit aufgehaltener Hand vorne dabei und haben ebendiese allesamt verloren und vergessen.

Herzlichen Glückwunsch, UEFA (et al.), zu dieser weltmeisterlichen Doppelmoral! Vielleicht reicht es ja demnächst für einen FIFA-Friedenspreis…

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