Unsa Senf

Die falscheste WM – bis jetzt… Rote Karte für die FIFA!

13.06.2026, 09:09 Uhr von:  Leon I.  
Ein gläsernes FIFA-Bürogebäude.
Der FIFA-Verband trägt 2026 die nächste Fußball-Weltmeisterschaft über Amerika, Kanada und Mexiko aus.

„Amerika, Amerika“ – heißt es vor allem bei der umstrittenen Weltmeisterschaft in diesem Sommer. Schon bevor das erste Spiel angepfiffen wurde, gab es mehrere Skandale und Aufreger. Eine Auswahl, die zeigen soll, wie falsch und kaputt das Turnier ist.

Bei Europa- oder Weltmeisterschaften liegt eigentlich immer eine besondere Stimmung in der Luft. 2024 war Europa zu Gast im eigenen Land. Die Europameisterschaft in Deutschland fand weitestgehend ohne Probleme oder Skandale statt. Klar gab es hier und da auch mal Rangeleien – für Fußballfans aber ansonsten nichts Ungewöhnliches. Natürlich kam es in dieser Zeit auch Straftaten. Diese waren aber eigentlich nie oder nur selten durch das Turnier bedingt. Subjektiv betrachtet, verlief die Europameisterschaft in Deutschland weitestgehend reibungslos. Lediglich ein Handspiel von Spaniens Cucurella blieb negativ in Erinnerung. 

Ansonsten konnte man eine große Freude für das Turnier spüren. Die Niederlande haben auf jeder Straße von links nach rechts gefeiert und in München waren zehntausende Schotten unterwegs. Die Engländer feierten bis zum Umfallen und die Türken organisierten Fanmärsche quer durch das Land. Insgesamt wurde das Sommermärchen-Gefühl wieder geschaffen. Was liegt bei so positiven Erinnerungen also näher, als die FIFA-Weltmeisterschaft – das Flaggschiff-Turnier – zum Großteil nach Amerika zu bringen?

Hätte ja (k)einer ahnen können …

Diese Aussage stimmt natürlich nicht so ganz. Die WM 2026 ist quasi eine „globale“ Veranstaltung – nicht etwa, weil Nationalmannschaften aus aller Welt dort auftreten, sondern weil das Turnier in den USA, in Mexiko und in Kanada ausgetragen wird. Natürlich ist es ein guter Gedanke, den Fußball in die Welt zu tragen und Menschen zu vereinen. Amerika ist am Ende aber doch ein dicker Dorn im Auge aller Fans des Fußballs („Stop saying soccer“ – Green Street Hooligans) und bei jenen, denen Menschenrechte nicht gänzlich egal sind. So warnt zum Beispiel Amnesty International vor der Einreise:

Wir appellieren an Fans, Spieler*innen, Journalist*innen und andere Besucher*innen, bei der Einreise in die USA und bei Reisen innerhalb des Landes Vorsicht walten zu lassen und einen Notfallplan parat zu haben.


Amnesty International

Dafür gibt es mehrere Gründe. Durch die Politik von US-Präsident Donald Trump kommt es in Amerika immer wieder zu Diskriminierung und zur Verletzung von Menschenrechten. Vor allem, weil Trumps Einwanderungsbehörde ICE rigoros vorgeht. Willkürliche Einreiseverweigerung, Inhaftierung und Abschiebung. Das alles ist entweder schon passiert oder könnte Gäste vor Ort erwarten. Der eine oder andere Fan wird dadurch von seiner Reise aber übrigens nicht abgehalten. 40 Tausend Schotten reisen für die Weltmeisterschaft extra nach Boston. Nicht zu vergessen 65 Tausend Engländer, die bei der WM dabei sind. Ein bedenkliches Restrisiko bleibt am Ende aber bestehen. 

Rio de Janeiro in der Nacht von oben. Beleuchtet durch zahlreiche Straßenlichter und aus Fenstern.
Die WM 2014 in Rio hat gezeigt, wie ein Fußballfest gefeiert werden kann.

Pauschalreise Miami – Istanbul – Mogadischu bitte!

Der prominenteste Fall in dieser Hinsicht handelt wahrscheinlich von Omar Artan. Wie die „Sportschau“ berichtet, war der somalische Schiedsrichter von der FIFA eigentlich für die Weltmeisterschaft eingeplant. Laut dem amerikanischen Außenministerium habe es jedoch Bedenken und entsprechende Beweise gegeben. Der Unparteiische soll angeblich Kontakt zu mutmaßlichen Terrorstrukturen haben. Demnach wurde ihm von den USA die Einreise verweigert. Auf einer Pressekonferenz bezeichnete FIFA-Präsident Gianni Infantino die Situation als „unglücklich“ – eine doch sehr dürftige Reaktion, um ehrlich zu sein. Omar Artan wurde da deutlicher. Gegenüber der „New York Times“ sagte er:

Ich hatte die richtigen Unterlagen und alles. Ich hatte das richtige Visum.


Omar Artan - New York Times

In Miami trainieren die Schiedsrichter eigentlich zusammen und bereiten sich gemeinsam auf das Turnier vor. Nach eigenen Angaben wurde Omar Artan jedoch elf Stunden lang am Flughafen von Miami befragt. Danach kam es zu einem Aufenthalt in einer Einzelzelle und zur verpflichtenden Ausreise nach Istanbul. Bei seiner Rückkehr nach Mogadischu wurde Artan dann unter großem Jubel empfangen. Am Ende will er sich von den Repressionen nicht unterkriegen lassen. Stattdessen möchte der Schiedsrichter mit seinen Leistungen überzeugen und eine Empfehlung für kommende Turniere abgeben. 

Meiner Meinung nach gut so! Natürlich kann man von Außen und aus Europa nur schwer beurteilen, wieviel an diesem Vorwurf dran ist. In diesem Fall gibt es schließlich keine öffentlich einsehbaren Beweise, wie sie angeblich den USA vorliegen. Die FIFA gibt hier jedoch ein sehr bedenkliches Bild ab.

A Match made im Hinterzimmer

Die nüchterne Reaktion von Infantino zeigt aber: Die FIFA hängt so sehr an US-Präsident Donald Trump wie der BVB am verlorenen Meisterschaftsspiel gegen Mainz – ein Vergleich, der alles andere als Freude auslösen dürfte. Trump und Infantino verbindet ein enges Verhältnis. Nicht umsonst wurde Trump von der FIFA ein „Friedenspreis“ überreicht. Wie man diese Auszeichnung sonst noch nennen könnte, bleibt jedem selbst überlassen. Ich habe dazu aber schon einige kreative Vorschläge gelesen. Über die Nähe zu Trump sagt Gianni Infantino dennoch mit großem Selbstverständnis:

Ich bereue nichts.


Gianni Infantino - Deutsche Welle

Laut dem FIFA-Präsidenten sei die enge Bindung für die Ausrichtung des Turniers unabdingbar gewesen. Die USA seien die „größte Macht der Welt“. Deswegen müsse man wohl auch gewisse Dinge berücksichtigen. Aber sind wir mal ehrlich: Was hier berücksichtigt wird, sind politische Interessen, Macht und Geld. Menschenrechte, Fanrechte und unsere geliebte Fußballkultur werden untergraben. Der Sport rückt in den Hintergrund und ist nur noch Mittel zum Zweck. Oder wie es „The Athletic“ formulierte:

Eine brisante Weltmeisterschaft, bei der es womöglich kein Zurück mehr gibt.


The Athletic

Fans sitzen auf den roten Stühlen eines Stadions, um ein Fußballspiel zu schauen. Vor den Tribünen stehen bunte Banden.
Eine Niere verkaufen, um hierher zu kommen (Symbolbild)

Die Grenzen sind nur nach oben offen!

Wie schädlich die Weltmeisterschaft in Amerika für den Fußball ist, sollte spätestens jetzt klar sein. Die WM ist längst nicht mehr eine Veranstaltung für alle. Das wird neben den Verletzungen von Menschenrechten und der augenscheinlich vorherrschenden Korruption vor allem bei der Preisgestaltung deutlich. Zum ersten Mal gibt es bei einer Weltmeisterschaft nämlich das Modell des „Dynamic Pricing“.

Dabei handelt es sich, übersetzt, um ein dynamisches Preissystem. Der Ticketpreis orientiert sich an der Nachfrage für ein Spiel. Tickets für Halbfinalspiele oder das Finale sind zum Beispiel deutlich teurer als für manche Spiele in der Gruppenphase. Die Preise für Tickets werden ohnehin schon recht hoch angesetzt. Wie die „Deutsche Welle“ schreibt, orientieren sich die Preise laut FIFA am US-Sportmarkt. Am Zweitmarkt gehen die Preise dann erst richtig durch die Decke. Für das Finale in New Jersey können Hospitality-Pakete mittlerweile bis zu 600.000 Euro kosten. Tickets für mehrere Millionen Euro gibt es ebenfalls. Ganz frei nach dem Motto: Nach oben sind alle Grenzen offen (in Amerika die einzige offene Grenze). Ex-Trainer und TV-Experte Christian Streich formulierte es in einem Kicker-Interview ziemlich passend:

Was da aktuell bei der WM mit den Tickets passiert, ist pervers: Profitmaximierung um jeden Preis und eben auf Kosten vieler Menschen. Das ist so dermaßen elitär {...}.


Christian Streich - Kicker

Mehrere Fans mit Deutschlandflaggen stehen eng nebeneinander.
Zwar gibt es auch in diesem Jahr Public-Viewings im Land. Ethisch ist die WM aber wiedermal höchst fraglich.
© Arne Müseler / CC-BY-SA-3.0

Am Ende bleibt es natürlich jedem selbst überlassen, die Weltmeisterschaft zu schauen oder zu boykottieren. Aus fanpolitischer Sicht ist die Ausrichtung in den USA aber der nächste Schlag ins Gesicht der Fußballkultur. Eine Entwicklung, die sich durchaus fortsetzen könnte. Die WM 2030 findet zum Beispiel auch in Spanien statt. Niemand weiß, wie dort die Lage nach den Wahlen 2027 sein wird. Zudem dürfte allgemein bekannt sein, dass Fußballfans in Spanien nicht gerade gut behandelt werden.

2034 findet die WM übrigens in Saudi-Arabien statt. Nicht nur sportlich, sondern auch auf menschenrechtlicher Ebene geht hier eine Menge verloren. Dabei könnten EM und WM tatsächlich Nationen im Fußball vereinen. Am Ende werden bei der WM aber nur jene vereint, die es sich leisten können.

In diesem Sinne: sportlich bleiben!

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