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Bildungsreise des BVB nach Lublin Der Tintenfisch des Grauens

23.06.2026, 09:09 Uhr von:  DocKay    
Blick auf das Schotterfeld von Belcek. Auf der Gedenkplatte Dortmund liegen weiße Rosen. Ein schwarz-weiß Bild.

Am 31. Mai 2026 startete die Gedenkstättenfahrt des BVB nach Lublin. Nach der Ankunft in Warschau ging es mit dem Bus zur ersten Station, Zamość. Ab da überschlugen sich die Ereignisse und Emotionen. Diese Reflexionen möchten wir mit euch teilen.

Es ist die Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2026. Um 2 Uhr werde ich zum ersten Mal wach. Ich kann nicht mehr schlafen, denn ein Traum lässt mir keine Ruhe. Ich träume von einem flüchtenden Jungen, der in einen großen Raum kommt und zu Boden stürzt. Als er am Boden liegt, nähert sich ihm ein riesiger Tintenfisch. Er bedeckt ihn mit glitschigem Schleim, sodass er sich nicht mehr bewegen kann, und frisst ihn anschließend auf. Um 3:30 Uhr stelle ich fest, dass es keinen Sinn mehr macht, im Bett zu bleiben. Ich stehe auf und setze mich an den Schreibtisch. In solchen Situationen hilft mir das Schreiben, um meine Gedanken zu ordnen. Ich klappe meinen Laptop auf und suche eine Unterlage für meine Maus. Da war doch noch ein Spiegel, den ich als Reiselektüre mitgenommen hatte – das wird funktionieren. Der Titel des Spiegels lautet „Operation Germanija“ und zeigt ein Bild von Wladimir Putin. Im Bericht geht es um Putins Agenten, die Deutschland angreifen. Heute verbinde ich mit dem Titel etwas ganz anderes.

                                  Die Traumnacht                           

Inzwischen ist es 5 Uhr morgens und die Erinnerung hat bereits jetzt Lücken, was die Zahlen angeht. Die zweite Müdigkeitswelle setzt ein, gepaart mit leichter Erschöpfung. Ich beschließe, eine Pause einzulegen, denn die Fakten verwirren mich. Außerdem muss ich unbedingt noch einmal mit Steffen reden. Ich beschließe zu duschen, und die Dusche erweckt neue Lebensfreude in mir. Unwillkürlich denke ich an die in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordeten Juden. Für viele von ihnen bedeutete das Duschen den anschließenden Gang in die Gaskammer und ihre Ermordung. Beim Frühstück treffe ich Steffen, der mir noch einmal den Schicksalsweg der Dortmunder*innen aufzeigt. Alter Flugplatz in Lublin-Zamość-Bełżec. Jetzt habe ich es abgespeichert.

Blick auf eine farbige Häuserzeile in der Stadt Zamosc. Im Vordergrund ein Blumenkübel
Die Altstadt von Zamość gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe

Der 2. Juni 2026 liegt hinter mir. An diesem Tag haben wir unsere erste Station, Zamość , verlassen und sind mit dem Bus zur Gedenkstätte nach Bełżec gefahren. Bereits vor Beginn der Aktion Reinhardt am 17. März 1942 begannen die Arbeiten im Vernichtungslager Belzec. Später wurden dort 450.000 Menschen ermordet. Insgesamt kostete die Aktion Reinhardt 1,8 Millionen Menschen das Leben.

                                        Zamość

Blicken wir zunächst auf Zamość zurück, dessen Altstadt seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Wir waren im sehr bemerkenswerten Hotel 77 untergebracht, in dem wir bei einem Rundgang die Ausgrabungen eines alten jüdischen Bades, einer Mykwa, besichtigen konnten. Im Zweiten Weltkrieg lag die Stadt in der Region des deutschen Generalgouvernements (1939–1944), das im besetzten Polen errichtet wurde. Fast ein Drittel der Bevölkerung waren Juden. Im Zuge der Germanisierung sollte die Stadt in den Planungen der Täter den Namen „Himmlerstadt” tragen. 

Die alte Synagoge ist nur noch Denkmal. Eine Tafel beschreibt die Geschichte.
Die alte Synagoge von Zamość

In Zamość befand sich ein sogenanntes Transitghetto, in das am 3. Mai 1942 auch 791 Personen aus dem Regierungsbezirk Arnsberg deportiert wurden, darunter Julius und Helma Schanzer aus Dortmund. Es war die zweite Station der Dortmunder:innen nach ihrer Ankunft auf dem alten Flugplatz der Mechanischen Werke E. Plage und T. Laskiewicz in Lublin. Auch Ruth Bauernschmitt trat vom Gestapo-Sammellager in der Turnhalle des Sportvereins Eintracht Dortmund über den Dortmunder Südbahnhof die Todesfahrt an. Wir erfahren etwas über einen Brief, den die 26-Jährige schrieb. In der Lessingstraße 67 in Dortmund erinnert heute ein Stolperstein an die Ermordete. 

Familienschicksale wie das der Familie Nussbaum, die am Ostenhellweg 41 wohnte, machen uns fassungslos. Von Zamość aus ging es für die Dortmunder*innen dann weiter zur Ermordung nach Bełżec. Am 16. Oktober 1942 begann die dreitägige Auflösung des Ghettos von Zamość. Etwa 4.000 Jüdinnen und Juden mussten den 20 Kilometer langen Weg nach Izbica zu Fuß antreten. An der Rampe gedenken wir der 17 Transporte aus Deutschland, die über 7.000 Menschen in den Tod schickten. Nur zwei von ihnen konnten überleben. 

                                            Bełżec   

In Bełżec angekommen, besuchten wir zunächst die Kommandantur, in der 20 bis 30 Täter arbeiteten. In der ersten Phase wurde das Vernichtungslager von SS-Hauptsturmführer Christian Wirth geleitet, in der zweiten Phase von August 1942 bis Frühjahr 1943 von SS-Hauptsturmführer Gottlieb Hering. Es war das erste Lager überhaupt und somit auch ein Experimentierlager. Es unterstand im NS-Staat dem SS-Sturmbannführer Hermann Julius Höfle, dem Leiter der Hauptabteilung „Aktion Reinhardt“. Er war für die Koordinierung dieser Aktion zuständig. Bereits in den ersten vier Wochen nach Beginn der Aktion wurden hier 70.000 Menschen ermordet. Mitte Dezember 1942 trafen die letzten Deportationszüge ein. Zu dieser Zeit begann die SS damit, die Lagerinfrastruktur abzubauen und Spuren der Massenmorde zu beseitigen, um die Verbrechen zu verschleiern. Die letzten jüdischen Arbeitsgefangenen wurden am 26. Juni 1943 nach Sobibór gebracht und dort ermordet.

Schotter und Teile eines Drahtzaunes symbolisieren Ermordete und die Konzentrationslager.
In Bełżec wurden die aus Dortmund deportierten ermordet

Wir werden später gemeinsam die Gedenkstätte besuchen, die am 3. Juni 2004 eröffnet wurde. Die Initiative dazu ging von Miles Leman aus, der seine gesamte Familie im Vernichtungslager Bełżec verloren hatte. Nach dem Krieg emigrierte er in die Vereinigten Staaten und engagierte sich unter anderem für das Holocaust-Museum in Washington. Während des Rundgangs um das weitläufige, ansteigende schwarze Schlackenfeld weint der Himmel Tränen, und eine gespenstische Ruhe breitet sich unter den Teilnehmern der Gedenkstättenfahrt aus. Die Emotionen sind kaum zu kontrollieren, als wir vor dem Schriftzug „Dortmund” stehen. Er ist als einer der Abfahrtsorte der Deportationen nach Bełżec auf einem Gedenkstein am Weg um das Schlackenfeld niedergeschrieben. Irgendwo in einem der 33 Massengräber liegen die Dortmunder:innen. Wir legen weiße Rosen nieder, um der Ermordeten aus dem Regierungsbezirk Arnsberg zu gedenken. Nach der Rückfahrt versuchen wir, das Erlebte in einer Tagesreflexion zu verarbeiten.

                                       Lublin-Majdanek

Wie in Deutschland ist am Donnerstag, den 04.06., Fronleichnam. Der landesweite Feiertag und stille Ruhetag in Polen zwingt uns, das Programm zu ändern. Deshalb besuchen wir schon am Mittwoch den alten Flugplatz von Majdanek und anschließend die gleichnamige Gedenkstätte. Beim Schreiben habe ich das Gefühl, wieder in der Spur zu sein, obwohl es immer noch offene Fragen gibt. Mir ist bewusst, dass manche Fragen für immer unbeantwortet bleiben werden. Ich bin mir sicher, dass Steffen mir auch weiterhin hilfreich zur Seite stehen wird.

Durch den Drahtzaun wirkt das Krematorium von Majdanek gespenstisch.
Blick auf das Krematorium

Der alte Flugplatz in Lublin eignete sich mit seiner Gleisanbindung hervorragend als Durchgangsort. Hier machten alle Deportationszüge Halt, es war ein Drehkreuz der Transporte. Die Nebengleise führten direkt in das Arbeitslager. Zwischen dem 13. März und Mitte Juni 1942 kamen 90 Züge mit insgesamt 80.000 Juden hier an. Die arbeitsfähigen Personen wurden ausselektiert, der Rest weitergeleitet. Der sich am Ende des Zuges befindende Gepäckwagen wurde abgekoppelt und die darin befindlichen Gegenstände in den Hangars gelagert. Dazu kam auch die Habe aus den drei Mordlagern. Nachdem die Kleidungsstücke in den Gaskammern desinfiziert worden waren, erfolgte der Versand ins Reich oder die Verteilung an Reichsdeutsche in Zamość. Der Umfang dieser Aktion wird daran deutlich, dass 1901 Waggons benötigt wurden, um die Sachen zurückzuschicken. Die Aktion wurde vom Lagerleiter Georg Wippern überwacht.

Vom alten Flugplatz aus fahren wir weiter zum zweiten Kriegs-gefangenenlager, dem Konzentrationslager Majdanek. Bereits am 17. Juli 1941 hatte SS-Reichsführer Himmler den Aufbau dieses Lagers beschlossen. Die Bauarbeiten der beiden Kriegsgefangenenlager Auschwitz-Birkenau und Lublin begannen gleichzeitig. Das Konzentrations- und Vernichtungslager Lublin-Majdanek bestand von Oktober 1941 bis zu seiner Auflösung durch die SS am 23. Juli 1944. In dem Lager befanden sich zeitweise 10.000 bis 15.000 Gefangene, insgesamt waren es 150.000.

 

Das Denkmal am Eingang der Gedenkstätte Majdanek.
Das "Tor zur Hölle" am Eingang zur Gedenkstätte

Hier kamen 80.000 Menschen, von denen die meisten Juden waren, ums Leben. Das große steinerne Denkmal, das beim Eingang zur Gedenkstätte ins Auge fällt, symbolisiert „Das Tor zur Hölle“. Zusammen mit dem Besucherzentrum und dem Aschenhügel-Mausoleum bildet es die drei Elemente der Gedenkstätte. Majdanek ist das erste Lager, das im Juli 1944 von der Roten Armee befreit wurde. Zunächst befanden sich im Lager nur Männer. Erst ab Herbst 1942 wurden hier auch Frauen untergebracht. Unser Weg führte uns am „Weißen Haus“ vorbei, dem einzigen erhaltenen Gebäude des Konzentrationslagers. In diesem waren nacheinander der deutsche Lagerarzt, weibliche Häftlinge, die die SS-Baracken reinigen mussten, und der Schutzhaftlagerleiter untergebracht. Während des weiteren Rundgangs sahen wir eine Baracke, in der im Rahmen der Aktion Reinhardt Schuhe aus allen Regionen gelagert wurden. Das Lager war wegen seiner hohen Sterblichkeitsrate berüchtigt und hatte fünf Lagerkommandanten. 60 Prozent der Opfer starben an Auszehrung, Zwangsarbeit, schlechter Behandlung und Krankheiten.

 

Im Krematorium mit den Verbrennungskammern.
Blick in das ehemalige Krematorium im KZ Lublin-Majdanek

Zum Abschluss besichtigten wir das Krematorium, in dem täglich 100 Leichen verbrannt werden konnten. Aufgrund des „höheren Bedarfs” wurde bereits im Juli 1942 ein neues Krematorium gebaut. Vor dem Krematorium erfuhren wir von Steffen noch etwas über die Aktion Erntefest, die den blutigen Endpunkt der Aktion Reinhardt darstellte. Auf Anordnung von Heinrich Himmler kam es am 3./4. November 1943 zu einem koordinierten Massenmord, der überwiegend in den drei verbliebenen großen Arbeitslagern stattfand. Insgesamt wurden innerhalb von zwei Tagen 43.000 Juden im Zwangsarbeitslager Trawniki, im Lager Poniatowa und im KZ Majdanek erschossen, davon 18.000 in Majdanek. Dieser Tag wird auch als „blutiger Mittwoch“ bezeichnet. Nur zwei Frauen überlebten, insgesamt gab es 18 Überlebende. Mit dem Abschluss der Aktion erklärte die SS den Distrikt Lublin offiziell für „judenrein“.

                                      Die Stadt Lublin

Am 4. Juni 2026, dem polnischen Feiertag Fronleichnam, widmeten wir uns dann der Stadt Lublin und blickten sowohl auf die Opfer als auch auf die Täter. Lublin ist heute das Zentrum Ostpolens, hat ca. 340.000 Einwohner und ist damit die neuntgrößte Stadt Polens. Vor dem Krieg lebten hier 42.000 Juden, die ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachten. In der gesamten Region gab es 300.000 Juden. Über der Stadt thront ein mächtiges Schloss, das vor und während des Krieges als Gefängnis diente. Heute ist dort ein Museum untergebracht. Zwischen dem Grodzka-Tor und dem Schloss befand sich bis 1942 das jüdische Viertel. Seit 1862 durften die ersten Juden in die Stadt ziehen. Es gab ein armes und ein reiches jüdisches Viertel. Wir besuchten „The Lamp of Memory“ in direkter Nähe zum Armenhaus, das heute der katholischen Kirche gehört. 

Das Judentor früh morgens noch weitgehend ohne Touristen.
Das Grodzka-Tor, auch Judentor genannt, war der ehemalige Eingang ins jüdische Viertel

Bei dieser Straßenlaterne handelt es sich um ein Mahnmal für die Opfer des Holocaust. Seit 2004 brennt ihr Licht in der Straße Podwale ununterbrochen und erinnert im ehemaligen jüdischen Viertel an die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung durch die deutschen Besatzer. Wir sprachen über die Schneidergasse und das Fleckfieber, aber auch über das im März 1941 eingerichtete Ghetto von Lublin. Zwischen den Juden und der polnischen Bevölkerung entwickelte sich eine Parallelgesellschaft. Die reicheren Juden lebten in der Breiten Straße. Ihre Kinder besuchten die Jeschiwa, eine jüdische Hochschule, die kurz vor dem Krieg eröffnet wurde. Dort widmeten sich die meist männlichen Schüler dem Tora-Studium. Es war die größte jüdische Schule in Europa und stand für die religiöse Bedeutung der Stadt.

Hinter einem bemalten Torbogen beginnt das ehemalige Ghetto von Lublin.
Blick in das ehemalige Ghetto von Lublin

Am 18. September 1939 wurde Lublin von den Deutschen eingenommen. Man begann, die gleichen Maßnahmen gegenüber Juden umzusetzen wie in Deutschland – allerdings viel abrupter und ohne längere Vorlaufzeit. Bereits im November wurde ein Judenrat gebildet und die allgemeine Arbeitspflicht für 16- bis 60-Jährige eingeführt. Zwar wurde mit der Umsiedlung der Juden begonnen, doch erst im März 1941 richteten die Besatzer ein jüdisches Ghetto ein. Das Ghetto verfügte über keine umgebenden Mauern und bot Platz für 40.000 Juden. Ein Wehrmachtsoffizier namens Max Kirnberger hinterließ 490 farbige Negative aus den Jahren 1937–1941, die alle in Ghettos aufgenommen wurden, davon 70 in Lublin. Dadurch erfuhr man viel über das Leben in den Ghettos, über Handel und die Besuche der Täter im Ghetto, obwohl ihnen wegen der Gefahr durch das Fleckfieber eigentlich Besuche untersagt waren. 

Anfang März 1942 entstand dann ein zweites Ghetto, in dem nur arbeitsfähige Menschen untergebracht waren. In der Nacht zum 17. März begann die Verschleppung der Juden. Ein Straßenzug nach dem anderen wurde im Ghetto „entleert“. Die Synagoge diente als Sammelstelle, von der aus es 1,5 Kilometer zu Fuß zum Schlachthof ging. Von der Rampe am Bahnhof aus wurden sie dann in das Vernichtungslager Belzec transportiert. Insgesamt wurden 2.500 Menschen auf den Straßen erschossen und 28.000 in Bełżec ermordet. Am 9. November 1942 gab es in Lublin keine jüdische Bevölkerung mehr. Lublin war das erste Ghetto, das geräumt wurde. Die Täter bereiteten historische Gebäude zur Renovierung vor. Am zehnten Jahrestag der polnischen Befreiung wurde schließlich beschlossen, weitere Kriegsspuren zu beseitigen und andere Häuser abzureißen. In der Nachkriegszeit war Lublin die erste Stadt, die von der Roten Armee befreit wurde. Aufgrund der antisemitischen Stimmung verließen viele Juden Polen.

Die Villa der SS teilweise von Bäumen verdeckt.
Hier war Standortverwaltung der SS in Lublin ab dem Jahr 1942 untergebracht

Im weiteren Tagesverlauf richteten wir unseren Blick auf die Täter und besuchten das Deutsche Viertel mit dem Deutschen Haus. Lublin sollte das Gesicht einer deutschen Stadt erhalten. Allerdings lebten hier nie mehr als 4.000 Deutsche. Anschließend besichtigten wir die SS-Standortverwaltung, die Anfang 1942 in eine prächtige Villa einzog. Das Bild der Villa passte zur damaligen Aufgabe des Leiters Georg Wippern. Er war verantwortlich für die Werterfassung des sogenannten „Liebes-, Hehler- und Hamstergutes“, wie der Besitz von Juden bezeichnet wurde. Heinrich Himmler, einer der Hauptverantwortlichen des Holocausts, bezeichnete das Gebäude auch gerne als Schatzhaus. Hier wurden Schmuck und Wertgegenstände im Wert von 36 Millionen Reichsmark sowie Geldmittel im Wert von 80 Millionen Reichsmark umgeschlagen. 

Projiziert man diesen Wert in die heutige Zeit, so kann man von mindestens dem Siebenfachen in Euro ausgehen. Ein gigantischer Betrag, der in die Kriegskassen floss oder dazu benutzt wurde, die Situation der Kriegsbevölkerung im eigenen Land zu verbessern. Um zu verhindern, dass diese Werte in falsche Kanäle flossen – Selbstbedienung konnte nicht ausgeschlossen werden – besuchte Himmler im März 1943 Lublin. Dieser Raub von Sach- und Geldwerten war im Übrigen nie Thema im Rahmen der späteren Strafermittlungen.

Gedenktafel in rosa für die in Lublin geborene Lyrikerin Julia Hartwig.
In Gedenken an die in Lublin geborene Lyrikerin Julia Hartwig

Neben der ehemaligen Zivilverwaltung gab es in Lublin auch die Hauptabteilung, die für die Durchführung der „Aktion Reinhardt” verantwortlich war. Sie bestand aus fünf SS- und Polizeiführern, die schließlich angeklagt wurden, insgesamt 1,8 Millionen Juden getötet zu haben. Ihr Stabschef war der Österreicher und SS-Sturmbannführer Hermann Höfle, der die Deportation von Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager Bełżec, Sobibór und Treblinka organisierte. Durch seine Bekanntschaft mit dem SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik erhielt er 1940 einen Posten in dessen Stab in Lublin. Im Herbst 1941 wurde er zum Referenten für „Judenangelegenheiten” ernannt. Er koordinierte auch mit Adolf Eichmann die Transporte aus dem Westen.

Die letzte Station unseres Rundgangs war die Villa von Odilo Globocnik, die gerade renoviert wurde. Nur dank Steffen konnten wir die Baustelle betreten und einen Blick auf die Rückseite des Gebäudes erhaschen, die nahezu identisch mit den vorliegenden historischen Fotografien aussah. Schnell erweckten wir die Aufmerksamkeit einer Person, die wir nicht einordnen konnten. Steffen blieb ruhig und erklärte, dass er sich bei einem früheren Besuch die Genehmigung eingeholt habe, das Grundstück zu betreten. Für heute war es das, aber es bleibt fraglich, ob die Eigentümergemeinschaft das in Zukunft zulassen wird. Es wäre ein historischer Verlust. Odilo Globocnik, der ebenfalls aus Österreich stammte, war im Distrikt Lublin des Generalgouvernements SS- und Polizeiführer (SSPF). Ihm unterstanden die Vernichtungslager Bełżec, Sobibór und Treblinka. Daneben war er Geschäftsführer der Ostindustrie GmbH und organisierte die Ausbeutung jüdischer Arbeitskräfte. Zudem war er für die Bandenbekämpfung und die Deportation von Juden in das KZ Auschwitz-Birkenau zuständig. Der mehrfach vorbestrafte Gewalttäter zeichnete sich durch besondere Brutalität gegenüber der Zivilbevölkerung aus.

War er der „Tintenfisch des Grauens“, von dem ich geträumt hatte? Globocnik hatte eine Vorliebe für hübsche Sekretärinnen, denen er gerne näherkam. Besonders angetan war er von „Irmchen“, Irmgard Rickheim, mit der er sich verlobte. Irgendwann wurde es Himmler zu bunt und der „liebe“ Odilo musste die Verlobung auflösen. Nach seiner Festnahme durch die Briten am 31. Mai 1945 nahm er sich mit Zyankali das Leben, wie einige andere der führenden Täter auch.

Gasse in der Altstadt von Lublin. Auf einem überspannten Seil ist das Modell eine Seiltänzers.
Das heutige Gesicht der Altstadt von Lublin

Auf unserem Weg zum Sachsenpark, wo das Deutsche Viertel für die Täter mit einer Einkehr bei Wiener Würstchen und Kartoffelsalat endete, diskutierten wir selbstverständlich auch über die Rolle der Sekretärinnen. Auch sie waren Teil der organisierten Vernichtungsmaschinerie. Bei den späteren Prozessen sagten sie zwar als Zeuginnen aus, wussten von nichts und belasteten ihre damaligen Vorgesetzten zu keiner Zeit. Langsam gingen wir zu unserem Hotel zurück. Wieder war es ein langer Tag mit unendlich vielen Eindrücken gewesen. Es war schwer, die Gedanken zu kanalisieren, aber es ging darum, etwas innere Ruhe zu finden, bevor es am folgenden Tag zur Gedenkstätte nach Sobibór ging.

Oft denkt man einen Tag vor der Heimreise ans Packen und genießt den letzten Tag, während man die schönen Erlebnisse Revue passieren lässt. Dieses Mal war es ganz anders. Nach einer emotionalen Achterbahnfahrt in den vergangenen Tagen wartete Sobibór auf uns. Der Bus brachte uns in das Dreiländereck Polen-Belarus-Ukraine. Unwillkürlich ging mein Blick Richtung Himmel. Ich wurde mir zum ersten Mal während der Tour der Nähe zur Ukraine bewusst. Trotz skeptischer Blicke konnte ich keine Drohnen sehen und mein Pulsschlag begann sich zu beruhigen. Eigentlich sind wir weit weg von der Front, doch in Kriegszeiten ist Sicherheit von Unsicherheit geprägt!

                                             Włodawa

Unser erster Stopp war Włodawa, eine Stadt mit ca. 14.000 Einwohnern am Ufer des Flusses Bug. Eigentlich hatten wir vor, zunächst die alte Synagoge zu besuchen, doch der vorangegangene Feiertag durchkreuzte unsere Pläne. Vielleicht war es der Brückentag, der uns vor verschlossenen Türen stehen ließ. So blieb nur Zeit für ein Foto der Synagoge. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren 7.000 der 10.000 Einwohner jüdischer Abstammung. Auch in Włodawa gab es ein Transitghetto, das im Spätherbst 1942 errichtet wurde und in dem 1.000 Juden aus Wien untergebracht waren. Mit Hilfe der Juden aus dieser Region wurde das Vernichtungslager Sobibór aufgebaut. Von der Synagoge aus führte uns unser Rundgang zum Sportplatz, der damaligen Sammelstelle. Gegenüber befand sich das blaue Haus, der Sitz der Gestapo. Am 24. Oktober 1942, dem sogenannten „blutigen Sabbat”, fand hier die größte Deportation von 6.000 Juden nach Sobibór statt. 50 Personen, die über Arbeitskarten verfügten, wurden ausgesondert, der Rest begab sich zur Rampe und fuhr von dort in den Tod. Die endgültige Liquidation des Ghettos erfolgte schließlich am 30. April 1943.

Ein Gedenkstein, auf dem Mendel Morgenstern steht.
Mendel Morgenstein ging mit seinen Kindern freiwillig in den Tod

Dann erzählt uns Steffen noch etwas über die „Kinderaktion“ vom 24. Juni 1942. An diesem Tag sollten sich hunderte jüdische Kinder am Sportplatz einfinden, um anschließend deportiert zu werden. Der Rabbi Mendel Morgenstern bestand darauf, seine Kinder zu begleiten, und wurde mit ihnen in das Vernichtungslager Sobibór deportiert und dort ermordet. Später sah ich in Sobibór einen Gedenkstein. Er befand sich auf dem Weg vom Eingangsbereich der Gedenkstätte zum Areal der Massengräber. Auf dem Rückweg zum Bus erfuhren wir auch etwas über den Zwangsarbeitskommandanten Falkenberg. Er war eine widersprüchliche Person, die neben ihrer eigentlichen Aufgabe gleichzeitig Juden versteckte und sich für die Totgesagten einsetzte. Als ehemaliger Kommunist und Schachtmeister war er selbst dreimal im Gefängnis, unter anderem auch im Lubliner Stadtgefängnis. Später führte ihn seine „Karriere“ zur Stasi. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass es in der ehemaligen DDR kein einziges Verfahren gegen einen Täter aus der Nazizeit gab.

                                               Sobibór

Der Bus brachte uns zum historischen Bahnhof von Sobibór, der Stacja Sobibór. Die damalige Bahnstrecke wird auch heute noch täglich von Personenzügen genutzt. Der damalige Lagerkommandant Franz Stange und seine Trawniki, die den Nazis als Mordhelfer dienten, trafen sich dort gerne zum Essen und Trinken. In der Umgebung wohnten nicht mehr als 70 Einheimische. Josef Richter, ein sogenannter Reichsbahnassistent und Bahnmitarbeiter, lieferte später 18 Zeichnungen, die er auf Zeitungsblättern hinterließ und die zur historischen Aufarbeitung dienten.

Der Historische Bahnhof von Sobibor mit zwei Bahngleisen.
Am historischen Bahnhof von Sobibór halten auch heute noch Züge

Vom Bahnhof aus führte der Weg über die Schienen zum Eingang des Lagers, dem sogenannten Vorlager. Hier lebten die deutschen Täter. Am Eingang des SS-Sonderkommandos standen zwei Wachhäuschen. Ein mit Kieferzweigen ausgestatteter Zaun verdeckte den Blick auf die Wohnanlage. Der SS-Untersturmführer Josef Niemann lieferte Bilder von der scheinbar „heilen Welt” der Täter. In zwei Alben und weiteren Einzelfotos dokumentierte er seine Karriere in der SS – vom Konzentrationslager Esterwegen über die Verbrechen der sogenannten „Euthanasie“ bis zur „Aktion Reinhardt“ in Bełżec und Sobibór –, wo er maßgeblich für die Umsetzung des Mordprogramms verantwortlich war. Im Jahr 2015 wurde seine private Sammlung mit mehr als 300 Bildern dem Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V. gespendet. Sie stammt aus dem Besitz der Enkel von Henriette Niemann, der Witwe von Johann Niemann. Dabei handelte es sich stets um Fotos aus dem Täterbereich.

Der stellvertretende Kommandant von Sobibór, der von Beruf Maler und Anstreicher war, wurde am 14. Oktober 1943, dem Tag des zweiten, zum Teil erfolgreichen Aufstandes nach dem Aufstand von Treblinka, das erste Opfer des Aufstandes von Sobibór. An diesem Tag erschien Niemann pünktlich zu einer Anprobe einer Lederjacke in der Schneiderei und wurde dabei von dem Häftling Arkadij Schubajew mit zwei Axthieben getötet. Der Aufstand wurde von Alexander Petscherski und Leon Feldhendler organisiert. Alles ging sehr schnell, innerhalb einer Stunde, und orientierte sich an den Gewohnheiten der SS-Führer. Am Abend waren zwölf der SS-Männer tot. Weitere zwölf der 29 SS-Männer, die an diesem Tag zum Wachpersonal gehörten, waren nicht anwesend. Von den 600 Häftlingen gelang 365 die Flucht aus dem Vernichtungslager. Aufgrund des einsetzenden Kugelhagels der Wachmannschaften und der verminten Zone um das Lager herum erreichten allerdings nur 200 von ihnen den nahegelegenen Waldrand; 150 Häftlinge blieben im Lager zurück und wurden von der SS ermordet. Ukrainische Wachmannschaften und SS-Männer verfolgten die Geflüchteten und töteten 100 von ihnen. Nach dem Aufstand wurde das Lager geschlossen. Bei Kriegsende lebten von den ehemaligen Häftlingen des Vernichtungslagers Sobibór noch 47 Personen, darunter acht Frauen. Mindestens 42 der Überlebenden von Sobibór waren Geflüchtete des Aufstandes. Ohne den Aufstand in Sobibór hätte es keine Überlebenden gegeben. Am 3. Juni 2019 starb Semjon Rosenfeld im Alter von 96 Jahren in einem Krankenhaus in Israel. Er war der letzte Überlebende, der am Aufstand beteiligt war.

Bevor wir die Gedenkstätte besichtigten, gingen wir noch zur Rampe und zum Grünen Haus. Das Grüne Haus und das Schwalbennest waren Gebäude im Vorlager. Das Grüne Haus wurde aufgrund seiner Außenfarbe so genannt und war eines der Wohngebäude der SS. Auch das „Schwalbennest“, ebenfalls eine Unterkunft, steht für die Normalisierung von Verbrechen im Alltag der SS. Unwillkürlich musste ich an unser früheres Feriendomizil „Schwalbennest“ in Dranske auf der Insel Rügen denken, wo wir mit unserem Fanclub „Inselborussen von Rügen“ viele schöne Stunden erleben durften. Diese schönen Stunden sind jedoch nicht zu vergleichen mit den Stunden der Täter im Vorlager, wo ebenfalls die Gebäude „Lustiger Floh“ und „Gottes Heimat“ standen. Eine groteske Diskrepanz zwischen dem Alltag der Täter und den nur wenige 100 Meter entfernt begangenen Massenmorden.

Gedenkstein mit Blumen und der symbolische Aschenhügel der Ermordeten und Verbrannten.
Der "Aschehügel" in der Gedenkstätte Sobibór

Nun standen wir am Eingang der Gedenkstätte Sobibór. An der Stelle, an der sich heute das Museum befindet, war früher der Sammel- und Ausziehbereich für die zum Tode Verurteilten. Im Vernichtungslager wurden während des Zweiten Weltkriegs im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ Schätzungen zufolge bis zu 250.000 Juden in Gaskammern ermordet. Ein Schätzwert von 180.000 erscheint jedoch realistischer. Darunter befanden sich 33.000 Menschen aus den Niederlanden. Es war der Ort, an dem die meisten ausländischen Juden ermordet wurden. Eine genaue Bestimmung der Zahlen ist nicht möglich, da alle schriftlichen Unterlagen vernichtet wurden. Kommandant der Vernichtungslager Sobibór und Treblinka war der Österreicher Franz Stangl. Er war der einzige ehemalige Kommandant eines NS-Vernichtungslagers, der sich in Deutschland vor Gericht verantworten musste, nachdem Brasilien ihn 1967 an die Bundesrepublik ausgeliefert hatte. 1970 verurteilte ihn das Landgericht Düsseldorf zu lebenslanger Haft. Er starb, bevor das Urteil rechtskräftig wurde. Sein Stellvertreter und Freund Gustav Wagner, ebenfalls Österreicher, war am „Euthanasie-Programm” zur Ermordung von Menschen mit Behinderung in der Aktion T4 beteiligt. Er galt als einer der brutalsten Täter überhaupt und bei den Gefangenen als Sadist. An der Rampe entschied er über Leben und Tod. Dafür wurde er von Heinrich Himmler mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Als der „Henker von Sobibór“ und der „Schlächter“ ging er in die Geschichte ein. Am 3. Oktober 1980 nahm er sich auf seinem Anwesen bei São Paulo das Leben.

Nach dem Verlassen der Gedenkstätte fiel es schwer, seine Gedanken zu ordnen. Immer wieder stellte sich die Frage: „Wie konnte so etwas passieren?“ Angesichts der aktuellen politischen Lage war mein unwillkürlicher Schluss: „Wehret den Anfängen!“

Ein verlorener Platz mit Farn bedeckt und eine umzäunte Gedenktafel.
Einer der "Lost Places" des Naziterrors

Der lange Tag neigte sich langsam dem Ende zu. Nach dem Verlassen der Gedenkstätte spazierten wir durch den Wald zu Orten, die man normalerweise nicht aufsuchen würde, da sie weniger bekannt sind und nicht direkt zur Gedenkstätte gehören. Für Steffen war es wichtig, damit unser Gedenken abzuschließen. Wir gingen durch den Wald hinter der Gedenkstätte zu einem Areal, in dem man später Aschereste und Knochen fand. Insgesamt wurden hier Knochen, die von der Menge her aus zwei Güterwaggons stammten, beseitigt. Es handelte sich um geschändete Überreste von Frauen, Männern und Kindern, die in Sobibór ermordet worden waren. Erst seit diesem Jahr ist der Weg dorthin und das Areal gekennzeichnet.

Eine Steele aus Holz und weiße Nelken erinnern an die auf der Flucht erschossenen Gefangenen.
Weiße Nelken in Gedenken an die erschossenen Flüchtlinge

Von dort aus fuhren wir mit dem Bus an einen Ort, um sechs Häftlingen des Lagers Sobibór zu gedenken, die nach dem Aufstand vom 14. Oktober 1943 geflohen, entdeckt und erschossen wurden. Nach etwa zehn Kilometern erreichten wir den Wald von Zerebiec im Bereich der Sobibórer Staatsforste nordöstlich von Włodawa. Hier erinnert eine Stele an die Ermordeten. Wir verharren einen Moment in Andacht und legen nacheinander weiße Nelken am Grabmal nieder. Damit endete unsere siebentägige Gedenkstättenfahrt.

                                Die Tage danach  

Erst einige Tage nach unserer Gedenkstättenfahrt sammeln sich meine Gedanken langsam und ich komme zur Ruhe. In den ersten Nächten kann ich nur schlecht schlafen. Erneut mischen sich Träume in meine Gedankenwelt. Sie handeln von Flucht und Zerstörung. Genauer kann ich mich daran aber nicht mehr erinnern. Vielleicht habe ich den „Tintenfisch des Grauens“ inzwischen ja auch besiegt. Traumdeuter sind aufgerufen, mir dabei zu helfen. Mein Dank geht an den BVB, der mir die Teilnahme an der Gedenkstättenfahrt nach Lublin ermöglicht hat. Ich danke Kim, Steffen und Janina für ihre empathische Betreuung während unserer Reise. Es war nach Auschwitz wieder eine Reise mit einem breiten Spektrum an Gefühlen. Als ich in der Gedenkstätte Bełżec vor der Gedenktafel mit dem Schriftzug „Dortmund“ stand und wir die weißen Rosen niederlegten, konnte ich meine Emotionen nicht mehr kontrollieren.

 

Wasserspiele und Lasershow am zentralen Platz von Lublin.
Das moderne Lublin lockt am Abend mit Attraktionen

Vielen Dank an Steffen Hänschen vom Bildungswerk Stanislaw Hantz und an what matters, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meine Ausführungen historisch und faktenbasiert zu ergänzen. Vielen Dank auch an Daniel Lörcher für das Aufrechterhalten der Erinnerungskultur. Ich habe gelernt, dass es im Rahmen der „Aktion Reinhardt” nicht nur einen großen Tintenfisch des Grauens gab, sondern viele kleine dieser Scheusale. Erschreckend ist für mich auch, dass nur ein Prozent der Täter verurteilt wurden, davon keiner in Österreich. Als ich dieses Fazit schrieb, fanden die schweren Ausschreitungen in Belfast statt, die durch die sozialen Medien angeheizt wurden. Hass und Spaltung sind aktuell, und Menschen wie Elon Musk tragen dazu bei.

Die Teilnehmer an der Gedenkstättenfahrt nach Lublin
Die Teilnehmer an der Gedenkstättenfahrt nach Lublin

Das ist erschreckend und alarmierend zugleich. Schon morgen kann Belfast mitten unter uns sein. Es gibt neue Waffen: die sozialen Medien. Darüber waren sich alle in der Reisegruppe bei den Tagesreflexionen einig. Ich möchte mich deswegen auch bei den Mitreisenden bedanken. Insgesamt herrschte eine harmonische Atmosphäre, die diese Reise zu etwas Besonderem gemacht hat. Jeder erlebte seine ganz eigenen Emotionen, sie mit der Gruppe zu verarbeiten, machte es deutlich einfacher. Dafür ein großes Dankeschön.

Auf dem Weg zu unserer Maschine am Flughafen Lublin sehe ich nach einem chaotischen Check-in Piktogramme, die einen Erwachsenen mit einem Kind an der Hand zeigen und den Weg zum Flugzeug weisen. Kurz überlege ich, ob dies die moderne Version eines Zugangs zur Rampe sein könnte. Das sind meine letzten Gedanken zu dieser Reise. Ich wünsche den Teilnehmern für die Zukunft alles Gute, bleibt gesund und helft dabei, euer Wissen an andere weiterzugeben. Ich bin mir sicher, der BVB wird euch dabei unterstützen.

 

 

 

 

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