„BVB, wir sind immer da! Ob es regnet oder schneit, selbst beim größten Unwetter unseren Farben treu ergeben, tiefe Liebe zum Verein. Wir sind immer da, nicht nur bei Sonnenscheeeeein!“
Viele, viele alte Kamellen wurden da am Mittwoch aus der Lieblingsliederkiste gekramt und ich liebe alles daran. Und habe ich es euch nicht gesagt? Dieser Polarkreistrip wird es ganz sicher in die Top 5 der schönsten Auswärtstouren schaffen. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Tickets erinnerte es mich ein wenig an einen Familienausflug der Wollnys, mindestens 399x klopfte es in diesen Tagen fest auf meine Schulter: „Hey! Du auch hier?“
Der Morgen startete mit einer kleinen Aufwärmübung, dem Youth League Spiel beider Mannschaften. Bodø hatte dazu extra den ortsansässigen Kindergarten als Nachwuchsultras eingeladen, der seinen Job mehr als solide erledigte. Die etwa 50 Dortmunder Anhänger konnten hier in Sachen Leidenschaft und Motivation nochmal viel mit nach Hause nehmen. Am Mittag vor dem Spiel einigten wir uns auf eine erneute - für den Geldbeutel sehr schmerzhafte - Snackpause. 65€ der Rentierburger, 15€ das Bier - Auswärtsfahrten sind ein Sport für Superreiche. Während wir uns also mit schmerzverzerrtem Gesicht der Bestellung widmeten, tönte es vom Nachbartisch: „Je zwei Bier für euch auf uns!“ Fragend schauten wir uns an, bis die Spender sich als Schlotterbecks Eltern vorstellten. Ich schüttelte lachend mit dem Kopf. Ach Fußball, du wunderschönes Ding.
Dass die Welt im Land der Rentiere noch in Ordnung ist, zeigte uns dann auch die Gutmütigkeit der Ordner vorm Stadion, die wirklich nur an das Gute im Menschen zu glauben schienen. Und an ihre Elfen. Die Kontrollen wären in jedem Gelsenkirchener Kreisligaspiel schärfer gewesen und jeder, der es mit Karte für andere Blöcke am Gästeblock versuchte, wurde superduperfreundlich zu seinem Platz gebracht, um dann doch den Weg zum Gästeblock gezeigt zu bekommen. Hübsche Mädels, die Männer beim Abtasten ganz nervös machten, inklusive. Klasse 10b auf Abschlussfahrt.
Selbstverständlich hatte man auch zu diesem fast 2000km Trip tonnenweise bemalten Stoff mitgeschleppt: „Am Polarkreis, im Schatten der Aurora, brennt mein Herz für dich, Borussia!“ stand dort und mittendrin ein Mann und sein von Huskys gezogener Schlitten. Kleiner Spoiler vorweg: Wenigstens einer also, der heute Champions League Leistung zeigte: der Gästeblock. Achja, und Bodø natürlich. Die anderen Schwarzgelben aus dem 20 Grad wärmeren Dortmund schienen hingegen- wegen Kunstrasen, Hunger, Pipi, kalt - nicht so recht ins Spiel zu finden. Und so kam es wie es kommen musste: die bis dahin 0-Punkte Bande aus dem hohen Norden ging in der 52. Minute in Führung. Und blieb es auch. Tollen, attraktiven Fußball zeigte der Ballspielverein. Zum Glück haben wir unseren Trainer bis 2029 an uns gebunden, eine klasse Idee!
Wie so oft im Leben half auch hier wieder einmal nur singen: „All die Großen ham' wir endlich gesehen, den ganzen Kontinent für dich überquert. Und jedes Mal war es wert, an deiner Seite zu stehen, die Reise wird für immer weitergehen!“ Eigentlich sollte an dieser Stelle meine Schwärmerei über eine hübsche Pyroshow folgen, doch gemeinsam entschied man sich wegen starker Rauchentwicklung während der Choreo dagegen.
Ein schöner Trip ging zu Ende (oder doch noch nicht?), wären da nicht zwei völlig überbuchte Flieger gewesen. Nach kurzem Hin und Her und einem „wenn wir schon mal unterwegs sind“ gab es ein neues Ziel: Berlin statt Wien. Denn wie könnte man die Woche als Fußballromantiker schöner ausklingen lassen, als in der alten Försterei beim FC Union? Frische Unterhosen habe ich zwar keine mehr, aber das Bier ist noch kalt.