60.058 Zuschauer, ausverkaufte MHP-Arena und ein echtes Topspiel am vierten Bundesliga-Spieltag: Die Partie zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Dortmund. Am Ende durfte der BVB feiern: Dortmund setzte sich mit 1:0 durch und geht mit einer perfekten Ausbeute von zwölf Punkten als Tabellenführer in die erste Länderspielpause. Schon vor dem Anpfiff ging es um Grundsätze. Nico Schlotterbeck wurde bei der Platzwahl mit den Farben Rot und Blau konfrontiert. Seine Antwort: „Beides scheiße.“ Eine Meinung, auf die man sich in Dortmund schnell einigen kann. Die einzig richtigen Farben sind schließlich Schwarz und Gelb.
Auf dem Platz setzte Niko Kovač zunächst auf Joy Veerman neben Felix Nmecha im Mittelfeld. Kosta Karetsas (Kreislaufprobleme) war nach seiner Verletzungspause wieder im Kader, nahm aber zunächst auf der Bank Platz. Übrigens ebenso wie Fabio Silva. Damit unterbrach Kovač vorerst die zuletzt erfolgreiche Kombination „Guirassilva“. Serhou Guirassy begann alleine im Sturm.
Die Anfangsphase war von gegenseitigem Respekt geprägt. Dortmund hatte zunächst etwas mehr Ballbesitz und kam unter anderem durch Maximilian Beier und einen Freistoß von Veerman zu Möglichkeiten. Auf der anderen Seite nutzte Stuttgart einen Dortmunder Fehler im Spielaufbau beinahe zur Führung: Deniz Undav tauchte frei vor Gregor Kobel auf, scheiterte aber am Fuß des BVB-Keepers.
Je länger die Partie dauerte, desto besser kam der VfB ins Spiel. Die Stuttgarter pressten hoch, provozierten immer wieder Fehler im Dortmunder Aufbau und konnten dadurch einige Male gefährlich in die Nähe des BVB-Tores kommen. Wirklich zwingend belohnen konnten sich die Gastgeber dafür allerdings nicht. Borussia Dortmund verteidigte konzentriert und hatte seinerseits immer wieder Ansätze nach vorne. Nach 45 Minuten ging es trotzdem torlos in die Kabinen.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb es ein enges und umkämpftes Spiel. Stuttgart hatte insgesamt mehr Ballbesitz und kam am Ende auf 56 Prozent. Bei den Torschüssen lag Dortmund mit 13:12 knapp vorne. Kovač reagierte nach gut einer Stunde und brachte Jobe Bellingham und Kosta Karetsas für Joey Veerman und Ethan Nwaneri. Die beiden sollten kurz darauf entscheidenden Einfluss auf die Partie nehmen.
Beflügelt durch die Nationalmannschaft, trotz Nicht-Nominierung
In der 70. Minute fiel schließlich das Tor, das den Abend entscheiden sollte. Karetsas leitete den Angriff ein, Jobe Bellingham bekam auf der linken Seite den Ball und spielte ihn mit viel Übersicht flach in den Fünfmeterraum. Beier hatte sich mit einem starken Laufweg vor seinen Gegenspieler geschoben und musste nur noch einschieben. Für Beier war es ein besonderer Treffer. Nur wenige Tage zuvor war der 23-Jährige nicht für die kommenden Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft nominiert worden. Die Antwort gab er auf dem Platz.
Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Maxi Beier ist nicht bei der Nationalmannschaft dabei, aber heute macht er das Tor.
Beier selbst blieb gewohnt entspannt: „Für einen Stürmer ist es am schönsten, wenn man einfach nur noch Danke sagen muss.“
Dortmund hatte anschließend sogar die große Möglichkeit, den Deckel draufzumachen. Felix Nmecha antizipierte einen Pass nach einer Stuttgarter Ecke, fing den Ball ab und marschierte mit schnellen Schritten auf das VfB-Tor zu. Statt selbst abzuschließen, legte Nmecha quer auf den eingewechselten Karetsas. Der junge Grieche setzte seinen Schuss jedoch nur wenige Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Es blieb beim knappen Vorsprung.
Stuttgart gab sich damit noch lange nicht geschlagen. Die Gastgeber erhöhten in der Schlussphase den Druck und drängten Dortmund tief in die eigene Hälfte. Doch die BVB-Defensive hielt stand. In der Nachspielzeit warf sich Ramy Bensebaini noch in einen Schuss von Dzenan Pejcinovic und verhinderte damit eine späte Großchance. Kurz darauf war Schluss.
Spitzenreiter, Spitzenreiter, Hey, Hey
Ole Book sah nach Abpfiff vor allem die Effizienz seiner Mannschaft als entscheidenden Faktor: „Es war das erwartet komplizierte Auswärtsspiel, auf jeden Fall eines der schwierigsten Spiele bisher in dieser Saison.“ Am Ende hätte die „bessere Effizienz" den Ausschlag gegeben. Auch VfB-Trainer Sebastian Hoeneß erkannte an, dass seine Mannschaft zwar gute Phasen hatte, sich aber nicht belohnen konnte: „Dortmund konnte den einen Moment für sich nutzen.“
So groß die Freude über den perfekten Saisonstart zunächst war, so schnell rückte der Fußball am Samstagabend in den Hintergrund. Nach der Partie wurde bekannt, dass Peter Hermann im Alter von 74 Jahren verstorben ist. Hermann war über Jahrzehnte eine prägende Figur im deutschen Fußball und arbeitete unter anderem auch bei Borussia Dortmund. Für Niko Kovač war die Nachricht besonders bewegend: Hermann war während Kovačs Zeit beim FC Bayern Teil seines Trainerteams. Kovač erfuhr live im Sky-Interview vom Tod seines ehemaligen Kollegen. Sichtlich geschockt sagte der BVB-Trainer:
Sehr schwierig. Mir bleibt die Luft weg.
Anschließend sprach er der Familie sein Beileid aus und bezeichnete Hermann als „tollen Menschen“. Damit endete ein Abend, der für Borussia Dortmund sportlich kaum besser hätte laufen können, gleichzeitig aber von einer traurigen Nachricht überschattet wurde. Sportlich geht der BVB mit zwölf Punkten aus vier Spielen als Tabellenführer in die erste Länderspielpause der Saison. Für Kovač heißt es zunächst tatsächlich: Homeoffice.
Für einen Großteil des Kaders geht es dagegen zu den jeweiligen Nationalmannschaften. Erst am Freitag, 9. Oktober, rollt der Ball für Schwarzgelb wieder in der Bundesliga. Dann empfängt der BVB um 20:30 Uhr Werder Bremen im eigenen Stadion. Danach wartet auf Dortmund ein dichtes Programm: Neun Spiele innerhalb von nur 30 Tagen stehen an. Der perfekte Saisonstart soll dann möglichst die Grundlage dafür sein, dass Schwarzgelb auch nach dieser Serie noch ganz oben steht.
In diesem Sinne: Forza BVB!