Drei Stundenlang wurde die Autobahn ordentlich unter die Räder genommen, denn das Ziel war klar: Ein weiterer Pokalabend mit Borussia Dortmund im Volkspark.
Von der Unterkunft aus ging es zunächst zu Fuß durch St. Pauli. Bei bestem Hamburger Wetter durfte dabei natürlich ein Zwischenstopp im Astra-Biergarten nicht fehlen. An den Landungsbrücken wurden ein paar Kaltschorlen getrunken, bevor es schließlich mit der S-Bahn weiter in Richtung Stadion ging. Vor dem Block wurden noch einige bekannte Gesichter begrüßt und dann konnte das Spiel auch schon losgehen.
Im gut gefüllten Volksparkstadion sorgten mehr als 45.000 Zuschauer für eine beeindruckende Kulisse. Ein paar der Zuschauer dürften dabei mit dem Linienbus angereist sein – zumindest, wenn man sich den ungewöhnlichen Auftritt des Hamburg-Eimsbütteler Ballspiel-Clubs anschaut. Der HEBC machte sich mit einigen Kartons Pizza im Gepäck auf den Weg ins Stadion. Manche konnten sitzen, andere mussten stehen. Eine starke Aktion des Oberligisten.
Auch auf den Rängen wusste der HEBC zu überzeugen. Besonders imposant war die Choreografie der Hamburger Fans. Zwischen dem Ober- und Unterrang hing ein Spruchband mit der Aufschrift: „Was wäre das Leben ohne Träume.“ Darunter wurde auf einer großen Plane der DFB-Pokal in den Händen eines HEBC-Spielers dargestellt. Im Gästebereich des BVB war die Stimmung ebenfalls gut. Im runden Unterrang fanden sich einige Mitglieder von schwatzgelb.de ein. Gleichzeitig wurde dort völlig zurecht die Auslagerung von Pokalspielen in größere Stadien kritisiert. Denn bei aller Begeisterung für eine große Kulisse geht dabei auch etwas verloren: der besondere Traditionsflair solcher Pokalpartien. Außerdem nimmt man den Fans die Möglichkeit, neue und kleinere Fußballplätze kennenzulernen. Die Gästekurve des BVB war dennoch gut gefüllt.
30 Minuten sind David und Goliath gleichauf
Auch sportlich begann der Abend durchaus bemerkenswert. Rund eine halbe Stunde lang konnte der Oberligist richtig gut mithalten und machte es dem BVB schwer, früh für klare Verhältnisse zu sorgen. In der 33. Minute fiel dann aus Dortmunder Sicht das erlösende 1:0. Ausgerechnet HEBC-Spieler Janek Wrede, der als Scout beim HSV arbeitet, fälschte den Ball unhaltbar ab. Nur drei Minuten später erhöhte Daniel Svensson auf 2:0. Noch vor der Pause machte der BVB schließlich alles klar: Samuel Inacio traf doppelt und sorgte damit für eine komfortable 4:0-Führung. Vor allem Inacio zeigte sich nach seiner Roten Karte gegen den HSV im Pokal in bester Verfassung. Immer wieder machte er Druck nach vorne und war sichtbar darauf aus, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen.
Nach der Pause ließ es Borussia Dortmund etwas ruhiger angehen. Lediglich ein weiterer Treffer sollte noch fallen: In der 59. Minute erzielte Fabio Silva den 5:0-Endstand. Wenn man unbedingt das Haar in der Suppe suchen möchte, könnte man die geringe Torausbeute anführen. Auch Marcel Sabitzer sah das ähnlich:
Es hätten noch ein paar Tore mehr sein können.
Allerdings nahm der BVB im weiteren Spielverlauf spürbar das Tempo heraus. Mit Blick auf die kommenden Aufgaben war das durchaus nachvollziehbar. Die Pflichtaufgabe wurde souverän erfüllt. Der Man-of-the-Match-Award geht aber zurecht an die Torhüter des HEBC. Beide Keeper wurden zur Halbzeit einmal ausgewechselt und konnten jeweils mit einigen starken Paraden glänzen. Ohne sie hätte das Ergebnis noch deutlicher ausfallen können.
Für die Spieler des Oberligisten war es trotz der deutlichen Niederlage aber besonderer ein besonderes Spiel. Von einem „magischen Abend“ war anschließend die Rede. Dass dieser Eindruck nicht nur ein Spruch war, zeigte sich nach dem Schlusspfiff. Gemeinsam stellten sich beide Mannschaften vor der Kurve des HEBC zu einem Foto auf. Anschließend wurden Trikots ausgetauscht. Eine schöne Geste. Auch Waldemar Anton konnte diese Momente bestätigen. Am Mikrofon von Sky sagte er:
Am Ende ist es eine schöne Geste, zusammen abzuklatschen. Die Jungs haben sich gefreut, dass wir noch ein gemeinsames Foto gemacht haben.
Auch BVB-Cheftrainer Niko Kovac fand bei RTL passende Worte für den Abend:
Das war ein gelungener Tag, wir sind weiter und das Drumherum war so schön.
Und tatsächlich war es genau dieses „Drumherum“, das den Pokalabend so besonders machte. Der große Favorit gewann zwar erwartungsgemäß, doch der HEBC konnte sich trotz des sportlich klaren Ergebnisses mit erhobenem Kopf aus dem Wettbewerb verabschieden. Ein Spieler fehlte dem BVB an diesem Abend allerdings spürbar: Giannis Konstantelias. Als belebendes und spielerisches Element hätte er der Dortmunder Offensive sicherlich zusätzliche Impulse geben können. An seinen Mitspieler dachte das Team dennoch. Konstantelias veröffentlichte später ein Bild aus der Kabine, auf dem die gesamte Mannschaft zusammengestanden und sein Trikot hochgehalten hatte.
Der Neue am Deadline-Day
Auch die sportliche Führung musste sich mit seinem kurzfristigen Ausfall beschäftigen – genauer gesagt mit der Frage, wie dieser kompensiert werden kann. Deshalb wurde am Dienstag noch Ethan Nwaneri verpflichtet. Der Engländer kommt auf Leihbasis vom FC Arsenal nach Dortmund. Dort wird er allerdings schnell einige neue Mitspieler kennenlernen müssen. Einer davon ist Nico Schlotterbeck. Der Innenverteidiger trainiert inzwischen wieder auf dem Rasen und absolviert aktuell individuelle Einheiten. Wie es für den BVB im DFB-Pokal weitergeht, entscheidet sich bei der Auslosung am kommenden Samstag, dem 5. September, um 17:45 Uhr (27. und 28. Oktober). Bevor es jedoch wieder um den Pokal geht, wartet in der Bundesliga, in der SAP-Arena die TSG Hoffenheim auf Borussia Dortmund. Die Marschroute für den weiteren Pokalweg ist klar. Felix Nmecha brachte es bei Sky auf den Punkt:
Wir müssen Runde für Runde gute Spiele machen und hoffentlich jedes Spiel gewinnen.
In diesem Sinne: Forza BVB!