Spektakuläre Rückkehr des BVB!

Jekyll and Hyde Performance in Hoffenheim

Das BVB-Team feiert den 3:2-Sieg vor der Auswärtskurve.
Die Mannschaft dreht ein schwieriges Spiel in Hoffenheim. · Bild: schwatzgelb.de

Es gibt Spiele, nach denen man erst einmal tief durchatmen muss. Das 3:2 in Sinsheim gehört definitiv in diese Kategorie. Eine Stunde lang war vom Dortmunder Saisonstart, der nach dem 2:0 gegen den HSV noch so vielversprechend ausgesehen hatte, wenig zu sehen. Hoffenheim presste, Hoffenheim war bissiger, Hoffenheim gewann die zweiten Bälle. Dortmund dagegen wirkte erstaunlich passiv und fand kaum Lösungen gegen einen Gegner, der mit relativ einfachen Mitteln ordentlich Druck erzeugte. Gregor Kobel musste mehrfach retten, ehe Leon Avdullahu kurz vor der Pause zum 1:0 traf.

Bis dahin war neben dem guten Wetter, nur das Bier in der Halbzeit schön. Nach dem Seitenwechsel wurde es erstmal nicht besser: Tim Lemperle erhöhte auf 2:0. Man durfte sich durchaus fragen, ob der BVB hier gerade dabei war, den Sieg der Hoffenheimer zu verwalten. Das zweite Gegentor schien aber der klassische "Weckruf" gewesen zu sein.

Waldemar Anton eroberte hoch den Ball und leitete den Anschluss ein. Serhou Guirassy blieb vor Oliver Baumann cool und hob den Ball zum 1:2 ins Tor. Fünf Minuten später war Fabio Silva zur Stelle. Ein langer Ball von Kobel, eine starke Weiterleitung von Guirassy, ein präziser Abschluss von Silva – plötzlich stand es 2:2. Und dann gab es wieder einen dieser magischen BVB-Momente.

Das berühmte "goldene Händchen"

Das lag auch an den Spielern, die von der Bank kamen. Joey Veerman brachte nach seiner Einwechslung mehr Ruhe ins Zentrum. Fabio Silva war sofort präsent. Und Ethan Nwaneri, der nach der Verletzung von Filippo Mané bereits nach 32 Minuten sein Bundesliga-Debüt feiern musste, sorgte immer wieder für Tempo und Unruhe. In der 87. Minute wurde daraus der entscheidende Moment. Nwaneri spielte zu Silva, bekam den Ball zurück und brachte ihn scharf vors Tor. Albian Hajdari fälschte die Hereingabe ins eigene Netz ab. 3:2. Auswärtssieg.

Serhou Guirassy und Fabio Silva feiern zusammen den Ausgleich. Während sich beide mit der Brust stoßen, jubeln Karetsas und Bellingham mit. Im Hintergrund schauen Reservespieler von Hoffenheim niedergeschlagen.
Boom! - Aus dem Nichts dreht der BVB das Spiel. · schwatzgelb.de

Niko Kovač sprach anschließend von einem „glücklichen Sieg“, lobte aber zugleich die Energieleistung seiner Mannschaft. Damit dürfte er die Partie ziemlich treffend zusammengefasst haben. Oder wie es Geschäftsführer Sport Lars Ricken in der Mixed-Zone formulierte:

Wo Dortmund spielt, ist was los!

— BVB Geschäftsführer Sport: Lars Ricken

Gleichzeitig bleibt die erste Stunde ein Warnsignal. Diesen Teil der Partie, muss die Mannschaft aufarbeiten. Hört man die Worte von Gregor Kobel im Sky-Interview, scheint das durchaus in der Mannschaft angekommen zu sein:

Wir sind sehr schwer ins Spiel gekommen, haben uns schwergetan, zu Kombinationen zu finden, auch bei den zweiten Bällen, und sind ein Stück weit hinterhergelaufen. Danach (nach dem Anschlusstreffer, Anm. d. Red.) war es ein offenes Spiel, ein bisschen hin und her, aber wir haben die Tore gemacht. Dass wir hier gewinnen, tut sehr gut.

— BVB Torwart: Gregor Kobel

Weniger erfreulich ist die Verletzung von Filippo Mané. Der Innenverteidiger musste bereits nach rund einer halben Stunde ohne gegnerische Einwirkung ausgewechselt werden. Mané hatte sich offenbar eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen und verließ den Platz mit bandagiertem Bein. Besonders bitter:

Filippo Mane klatscht mit Sportdirektor Ole Book ab. Mane musste verletzt ausgewechselt werden.
Unglücksrabe am Samstag: Filippo Mane. · schwatzgelb.de

Der 21-Jährige hatte sich zuletzt in der Vorbereitung und zum Saisonstart weiter in den Vordergrund gespielt und war eine wichtige Option für die eher dünn besetzte Dortmunder Defensive. Am Montag gab Niko Kovač auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel gegen Villarreal eine erste Prognose ab. Viel Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr machte der Trainer nicht:

Wir gehen davon aus, dass bis zur Länderspielpause nichts mehr passieren wird. Er wird dann erst danach wieder kommen.

— BVB Trainer: Niko Kovac

Damit dürfte Mané frühestens wieder im Oktober zur Verfügung stehen. Die ohnehin schon bestehenden Probleme in der Defensive verschärfen sich weiter. Denn neben Mané stehen auch Nico Schlotterbeck und Emre Can nicht zur Verfügung. Immerhin gibt es bei Konstantinos Karetsas und Daniel Svensson Entwarnung: Beide trainierten am Montag zwar individuell, Kovač bezeichnete sie aber als „kerngesund.“ Für das Spiel gegen Villarreal sind sie also wieder eine Option. Erstmal steht der BVB jetzt aber nach zwei Spieltagen mit sechs Punkten da – und seit langer Zeit wieder vor dem FC Bayern.

Als nächstes wartet Villarreal in der Champions League. Über 90 Minuten muss Borussia Dortmund dort wesentlich beständiger sein. Möchten der BVB und die Führungsriege ihre sportlichen Ziele erreichen, sollte sich die Mannschaft das auch für den DFB-Pokal merken. Denn auch da steht der nächste Gegner fest. In der zweiten Runde empfängt der BVB Werder Bremen im Westfalenstadion. Das Bundesliga-Duell wurde am Samstagabend ausgelost und steigt am 27. oder 28. Oktober. Morgen muss sich Borussia Dortmund zunächst gegen Villarreal beweisen und einen guten Start hinlegen. 

In diesem Sinne: Forza BVB!

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