Vor dem Spiel
„Gar nicht mal so schlecht“ befand Emily nach dem Sieg gegen Betis Sevilla. Gar nicht mal so gut, lässt sich 90 Spielminuten später nach dem Spiel gegen Elversberg festhalten. Zum Glück war das Ergebnis trotzdem dasselbe, sodass es nun mit einem Erfolgserlebnis in die Länderspielpause geht.
Niko Kovac musste umstellen. Guirassy fiel nach seiner Zerrung aus dem Sevilla-Spiel aus, Fabio Silva übernahm den Job in der Spitze, Karetsas und Chukwuemeka besetzten die Flügelpositionen.
Erste Halbzeit
Die SV Elversberg hatte in den vergangenen Wochen unter Beweis gestellt, dass sie spielerisch in der Bundesliga mithalten kann. Und auch im Westfalenstadion spielte die SVE von Anfang an mit und setzte den BVB unter Druck. Diesem behagte das hohe Pressing überhaupt nicht. Immer wieder stockte der Spielaufbau, da die Elversberger Dreh- und Angelpunkt Veerman nahezu komplett aus dem Spiel nahmen. Und so ging es hauptsächlich über die konsequent an der Linie klebenden Chukwuemeka und Karetsas. Beide konnten dabei auch immer wieder ihre technischen Fähigkeiten andeuten, ein wirklich stringentes Angriffsspiel kam aber nicht zustande. Fabio Silva arbeitete emsig und wich aus dem Zentrum immer wieder auf die Flügel aus, fehlte dann allerdings als Zielspieler im Strafraum. Und so wünschte man sich in nicht wenigen Situationen, dass da vorne doch noch ein Guirassy stehen würde…
Trotzdem erarbeitete sich der BVB einige Chancen. Fabio Silva versuchte es in der 16. Minute bei einem Konter aus der Distanz, traf aber nur das Außennetz. In der 29. Minute konnte wieder Fabio Silva einen Abpraller nach einem Nmecha-Schuss nicht im Tor unterbringen. Nur 3 Minuten später vernaschte Karetsas Günther, seine Flanke köpfte Nmecha aus schwieriger Lage daneben.
Elversberg kombinierte sich hingegen immer mal wieder schön nach vorne und spielte die eigene Schnelligkeit durchaus erfolgsversprechend aus. Vor dem Strafraum war dann allerdings meist Schluss: Technische Unzulänglichkeiten verhinderten gefährliche Situationen. Und so musste Kobel lediglich bei Distanzschüssen eingreifen.
Mit 0:0 ging es also in die Pause. Zur Wahrheit dieser ersten Halbzeit gehört aber auch, dass der BVB durchaus Glück hatte, dass es auch mit 11:11 Spielern in die Kabine ging. In der 20. Minute wollte Svensson einen Ball im Elversberger Strafraum weiter in die Mitte grätschen, doch Pinckert war vor ihm am Ball und wurde von Svensson übel am Sprunggelenk getroffen. Schiri Osmers gab nur Freistoß, verzichtete jedoch auf eine Karte. Auch der VAR meldete sich nicht. Für Svensson sprach, dass Pinckert aus seinem Rücken kam. Der VAR sah somit keine klare Fehlentscheidung, allerdings wäre eine rote Karte auch im Bereich des Möglichen gewesen. Osmers Entscheidung, keine Karte zu zeigen, war auf jeden Fall die schlechteste aller drei Möglichkeiten.
Zweite Halbzeit
Die zweite Halbzeit begann mit Chancen auf beiden Seiten. Silva und Karetsas scheiterten an Kristof, Onyeka auf der anderen Seite an Kobel. Besser machte es dann Nmecha, der eine Ablage von Silva aus 18 Metern präzise ins Eck versenkte. Und weil es so gut geklappt hat, hämmerte er in der 71. Minute auch den nächsten Distanzschuss mit 124 km/h in die Maschen. In den allgemeinen Jubel mischte sich eine gehörige Portion Erleichterung darüber, dass dieses zähe Spiel einem guten Ende entgegen ging. Und auch Nmechas Jubel hatte ein echtes Highlight zu bieten. Er legte symbolisch seine Krone zu Füßen der Südtribüne ab. Ein tolles Zeichen an die Fans!
Bevor jetzt alle Gläubigen Schnappatmung bekommen: Ich weiß natürlich, dass Nmechas Geste einzig und allein dem einzigen Gott galt, der je auf dem Rasen des Westfalenstadions regierte: Gesegnet seist du, Jürgen Kohler Fußballgott!
Die SVE hatte offenbar die Spiele des BVB gegen Bremen genau verfolgt und ließ sich nicht entmutigen. Beim BVB machten sich nun die Strapazen der letzten Wochen bemerkbar. Die Borussen wurden immer passiver und ließen die Elversberger kommen. Dabei ging es teilweise vogelwild zu. Immer wieder versäumten es die Borussen Druck auf den ballführenden Spieler auszuüben und gingen nur halbherzig in die Zweikämpfe. Dies hatte Konsequenzen: Elversberg führte eine Ecke kurz aus, der BVB rückte viel zu spät raus, Nmecha unterlief die Flanke und Futkeu versenkte die Kopfballvorlage von Le Joncour per Seitfallzieher. Das große Zittern begann. Aber zum Glück spielt Füllkrug beim SVW und nicht bei der SVE.
Stimmung
8000 Elversberger nahmen den Weg zur Dortmund-Premiere auf sich. Eine respektable Zahl, die manch ein etablierter Bundesligaverein nicht hinbekommt. Gleichzeitig merkte man dem Auswärtsblock deutlich an, dass ein Großteil der mitgereisten Fans nicht regelmäßig in den Gästeblöcken der Republik auftaucht. Nur selten wurde es richtig laut im Gästeblock, zu häufig trommelte der kleine Stimmungskern alleine vor sich hin.
Auf der Gegenseite sah es leider nicht viel anders aus. Nach einigermaßen gutem Beginn der Süd passte sich die Stimmung dem Spiel an. Auch hier blieb vieles Stückwerk.
Ausblick
Die nächste Länderspielpause steht vor der Tür, ehe der BVB in zwei Wochen beim Tabellenletzten in der ostholländischen Provinz antreten muss. Mit 7 Spielen in 3 Wochen geht es dann genauso eng getaktet wie in den letzten Wochen weiter.