Europapokal. Flutlicht. Ungeschlagener Saisonstart. Und dann doch kein ausverkauftes Haus. Was klingt wie ein Kuriosum der Marke DHL-Paket ohen Empfänger, war im Endeffekt Ergebnis einer Auswärtsfahrerkultur in Spanien, die man getrost als nicht existent bezeichnen kann, und einer relativ kurzfristigen Ansetzung. Die 39 Villarreal-Fans waren auch nicht im Gästeblock untergebracht, der vollkommen leer doch etwas trostlos daherkam, sondern waren auf der Westtribüne umgesiedelt worden, was beim Torjubel dann doch einige Überraschung auslöst als man sie dann doch erkannte. Aber mehr dazu später.
Bereits vor dem Spiel brodelte der Kessel. Mit dem ersten Blick auf die Mannschaft, die gerade zum Aufwärmen hinausgelaufen kam, ließen sich einige, die bei den Durchsagen, dass Pyrotechnik nicht erlaubt ist, gerade Kreide holen waren, auf der Südtribüne nicht lumpen und entfachten einige Fackeln. Hätte es die erhöhte Temperatur bei sehr angenehmer Gradzahl und bereits stark überquellendem Block nicht zwingend gebraucht, warfen sie doch ein enorm schönes Licht auf das Spielfeld und gaben dem Abend bereits zu diesem Zeitpunkt ein schönes Antlitz.
1. Halbzeit
Nach dem obligatorischen Pfiff bei der Champions-League-Hymne ging die Partie auch schon los. In einer recht ausgeglichenen Partie hatte Schwarzgelb durch eine verpasste Flanke von Guirassy noch die besseren der rar gesäten Möglichkeiten.
Die dominierende Aktion der ersten Halbzeit wirkte im ersten Moment vollkommen unscheinbar. Einen Konterversuch brach Konstatinos Karetsas ab, und während schon einige Zuschauer enttäuscht abwinkten, weil das Tempo aus der Aktion genommen war, ging der Grieche zu Boden. Der erste Gedanke war eine Muskelverletzung, aber als dann eine Trage herbeizitiert wurde und der Hoffnungsträger vom Spielfeld transportiert wurde, sah man die Saison schon an sich vorbeiziehen. Meine Mitstreiter und ich wussten uns nur mit Galgenhumor zu helfen. Neben Jadon Sancho wurden bereits mögliche Ersatzkandidaten auserkoren. Zwischen „Mats, streif dir das Trikot über!“ und „hat Niklas Süle nicht neulich in der Kreisliga Stürmer gespielt?“ war alles dabei. Als dann kurz darauf später die Kicker-Schlagzeile: „Karetsas unter Tränen ausgewechselt“ durch den Block geisterte, war vom Gefühl her schon das Endzeitszenario eingetreten.
Mittlerweile sind wir ein wenig schlauer. Der BVB ließ mitteilen, dass es Kreislaufprobleme waren, die die Ursache dafür waren, dass der Youngster vom Platz getragen werden musste. Wir hoffen, dass es nichts Langfristiges ist, und wünschen weiterhin gute Genesung!
Der Schock war augenscheinlich ein schwer zu verdauender für die Herren in den schwarzgelben Trikots. Ein wenig auf andere Gedanken gebracht hat sie dann der italienische Schiedsrichter Simone Sozza. Eine Reihe von Entscheidungen wurde zum Unmut des Westfalenstadions getroffen, die das Geschehen dann mit lauten Pfiffen quittierten. Angestachelt übrigens von Julian Ryerson, der mit Handbewegungen mehr Lautstärke gegen die Entscheidung forderte. Das Duell Ryerson gegen Schiedsrichter ist sowieso wert, eines Tages in eine Soap-Opera verwandelt zu werden.
Die Mannschaft jedenfalls konnte im Anschluss noch zwei Chancen durch Karetsas-Ersatz Nwaneri (44.) und Guirassy (45.+1) verbuchen, dennoch ging es torlos zum Pausentee.
2. Halbzeit
Eine abermalige Leistungssteigerung kam dann glücklicherweise in der zweiten Halbzeit. Nachdem das gelbe U-Boot bei einer Nwaneri-Aktion noch Glück hatte, da der Klärungsversuch am Innenpfosten landete, mussten sie sich wenige Minuten später geschlagen geben. Eine scharfe Hereingabe von Maxi Beier traf das Schienbein des ehemaligen Augsburgers Renato Veiga und trudelte von da ins Tor (53.). Großer Jubel, weitere Fackeln inklusive.
In diesem Moment wirkte die Welt wieder in Ordnung, allerdings führte dann eine Kombination aus westfälischer Passivität und einer spanischen Truppe, die sich von einem Moment auf den anderen daran erinnerte, dass sie ja auch Fußball spielen kann, dazu, dass Villarreal dem BVB das Zepter völlig aus der Hand nahm. Einen knapp verfehlten Kopfballversuch sowie zahlreiche Ecken-Varianten später lag der Ball dann im Tor. Mouriño nickte eine der vom reinen Gefühl her 95 Ecken am eben erst an der Schulter behandelten Gregor Kobel vorbei in die Maschen (67.).
Glücklicherweise bewies die Mannschaft von Niko Kovac dann, dass Mentalitätsdebatten mittlerweile der Vergangenheit angehören. Insbesondere die Einwechslung von Fabio Silva belebte das Spiel. Seine erste Chance konnte der Ex-Bulle Gulácsi noch vereiteln, aber vier Minuten später legte Silva scharf quer und Guirassy musste nur noch fuß-voran in den Ball springen und das runde Leder über die Linie drücken. Abermals ein sehr schöner Jubel. Abermals mit einigen Fackeln.
Während das Westfalenstadion noch in der dritten Wiederholung von „erste Runde Krankenschein“ steckte, versuchte Simone Sozza mit dem Dortmunder Publikum Frieden zu schließen und zeigte nach einer Rangelei der beiden letzten Torschützen auf den Elfmeterpunkt. Nach den zuletzt teils kläglich vergebenen Elfmetern stand die Ausführung von Guirassy unter keinem guten Stern. Dem Schützen war die Astrologie glücklicherweise schnuppe und er verwandelte souverän.
Als wäre er nicht schon sowieso genug in den Schlagzeilen, versenkte Dortmunds Top-Torjäger den Ball dann ein weiteres Mal im Netz. Dieses Mal leider in dem von Gregor Kobel. Für das Endresultat am Ende glücklicherweise nicht mehr relevant, ließ dieser Unfall zumindest den Wettschein meines Nebenmannes platzen.
Nachdem die Südtribüne abermals einige Kalorien beim Hüpfen verbrannt hatte, durften dann alle Fans mehr oder weniger zufrieden den Heimweg antreten und zumindest mit Blick auf Borussias letzte Ergebnisse zufrieden einschlafen.