Schon weit vor Spielbeginn stimmten sich beide Seiten mittels kleineren und größeren Pöbeleien auf dieses Duell, das für mich immer noch David gegen Goliath ist, ein. Ich will nicht sagen, dass ich noch an den Treppen des Todes und der Tüte Popcorn zu knabbern hatte, schnaufte während der ersten Hüpfeinlage aber immernoch wie ein übergewichtiger Wasserbüffel. „Deutscher Meister wird nur der BVB“ und „Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia!“ schallte es aus dem Süden unter das Dach der Nordkurve. Na schauen wir doch mal, wer zuletzt lacht, ihr Frechdachse.
München thematisierte vor Spielbeginn zudem das Thema Brustkrebs und gab unter anderem Betroffenen als „Einlaufkind“ eine würdevolle Bühne. (Wenn der beste Freund gerade frisch betroffen ist, leuchtet das Stadion gleich noch etwas heller im leuchtenden Rosa. Krebs sollte halt einfach nur ein Sternzeichen sein. Kämpfen, mein Eierschwammerl und wehe, nicht!)
Eine sehr schöne Geste vom Verein, wäre sie nicht sang- und klanglos im Höhepunkt der Harry Kane Inszenierung untergegangen.
Der Gästeblock kommentierte diese folglich mit lauten Pfiffen und Schmähgesängen, was die Créme de la Créme der deutschen Presse heute Morgen gleich wieder aus ihren Löchern lockte. Ich denke, niemand im schwarzgelben Dress missgönnt einem Harry Kane seine Auszeichnung. Warum auch, er ist ein bodenständiger, weltklasse Fußballer und einer der wenigen, der kein Schickimickipüppchen an seiner Seite hat. Lediglich der Zeitpunkt und die Inszenierung an diesem Abend, bei dem die halbe Fußballwelt zuschaut und man scheinbar für den großen FC gut und gerne über einen pünktlichen Anpfiff hinweg sehen konnte, missfiel dem schwatzgelben Anhang.
Darauf folgte eine inoffizielle Schweigeminute für Yannik, ein kürzlich verstorbenes Mitglied der Münchner Ultraszene. Gäste- und Heimblock hielten gemeinsam für einen kurzen Moment inne und zeigten gleichlautende Spruchbänder.
Das Spiel nahm nach kurzer Findungsphase rasch Fahrt auf und getreu dem Motto „wenn wir schon nicht gewinnen, treten wir euch wenigstens die Spieler kaputt“ verzeichnete Bayern nach kurzer Zeit mit Gnabry und Saibari gleich zwei verletzungsbedingte Auswechslungen.
Grund zum Jubeln gab es dann in der 34. Minute, als Jobe Bellingham zum 1:0 traf. Doch die Freude hielt nur kurz, denn Feind und Helfer VAR wollte eine Abseitsstellung Chukwuemekas erkannt haben. Nun denn. Noch ist ja nicht aller Tage Abend. Noch während ich mit meinem Nachbarn wild gestikulierend über diese Situation stritt, nutzte Rot die kurze Unachtsamkeit aus und setzte durch Laimer nach. Und wo war der FC Bayern, der gerade noch gepennt hatte? Zur Stelle, wenn es der Gegner zuließ. Dafür hasse ich euch wirklich.
Abseits des Rasens thematisierte die aktive Fanszene währenddessen das altbekannte leidige Thema rund um Sponsoren und ihre Macht im Verein. Schon in der vergangenen Woche veröffentlichten die „Fanszenen Deutschlands“, hinter denen tatsächlich fast alle Szenen der ersten Ligen stecken, ein Schreiben mit deutlichen Worten in Richtung Verbände: „Es gibt keinen Raum für faule Kompromisse mit VW, Bayer und Red Bull“ oder „überlegt euch gut, ob ihr zum Feindbild von Fußballdeutschland werden wollt“ hieß es dort.
Kane schien währenddessen die Party und die Aufmerksamkeit der letzten Tage noch in den Knochen zu stecken, dieses Spiel sicherlich seine schwächste Leistung in dieser Saison. Untermalt wurde dies durch einen verschossenen Elfmeter, der Ball suchte und fand nur die Latte.
Der ein oder andere um mich prophezeite bereits das nun sicherlich folgende Torfestival zu unserem Nachteil. Doch es blieb aus. Ganz im Gegenteil, Chukwuemeka schien seinen „Fehler“ aus der ersten Halbzeit wieder wett machen zu wollen und legte nach knapp einer Stunde auf Guirassy ab, der Dortmund zurück ins Rennen brachte. Der kurz eingedöste Gästeblock erwachte wieder zum Leben, nahm die Sitzblöcke mit hinzu, die das Angebot dankend annahmen.
Doch München wäre nicht München, wenn sie nicht auch darauf gleich eine Antwort parat hätten. Effizient arbeiteten Kimmich und Upamecano zusammen und ließen Rot in Minute 66 erneut in Führung gehen. Lange passierte nichts, man schrieb bereits jegliche Hoffnung ab, murmelte etwas von „hab ich’s nicht gesagt? Das war doch wohl klar!“ als der frisch eingewechselte Fabio Silva in der 89. Minute den wohl verdienten Ehrenpunkt rettete.
Noch ist nicht aller Tage Abend, aber punktgleich an der Tabellenspitze lässt es sich für den Moment doch gar nicht so schlecht aushalten.