Der Sportclub wurde erst im Jahr 2007 von der Bukarester Stadtverwaltung gegründet. Seit 2010 spielen die Handballerinnen in der ersten rumänischen Liga, der Liga Națională. Das Team hat jeweils acht Mal die nationale Meisterschaft und den Pokal gewonnen. Der bisher größte Erfolg war jedoch der Gewinn der EHF Champions League in der Saison 2015/2016.
Der aktuellen Trainerin Bojana Popović, eine montenegrinische Handball-Legende, ist es seit Jahren erstmals wieder gelungen, die Mannschaft ins EHF Final4 2026 zu führen.
Der CSM Bucuresti ist einer der finanzstärksten Frauenhandballvereine Europas. Mit einem geschätzten Etat von weit über vier Millionen Euro übersteigt er den der Handballabteilung des BVB deutlich. Der Verein wird im Wesentlichen von der Stadt Bukarest getragen. Die „Tigerinnen”, wie die Spielerinnen von CSM genannt werden, stehen mit ihrem Team aktuell auf Platz zwei in der Tabelle der Gruppe A der EHF Champions League. Mit einem deutlichen Sieg gegen RK Krim (37:29) und einem ebenso deutlichen Heimerfolg gegen Budućnost Podgorica (36:26) wurden die ersten Pflichtaufgaben erfüllt. Die beiden unterlegenen Mannschaften sind die direkten Tabellennachbarn des BVB, der aktuell auf Platz sieben rangiert.
In der Liga haben unsere Borussinnen bisher eine makellose Bilanz. In der Champions League mussten sie hingegen zwei klare Niederlagen gegen Team Esbjerg und Brest Bretagne hinnehmen. Ein Punktgewinn im dritten internationalen Spiel wäre Balsam für das Selbstbewusstsein unseres Teams um Kapitänin Alina Grijseels gewesen. Sie blickte auf eine gemeinsame Zeit mit CSM Bukarest zurück, denn in der Saison 2024/2025 stand sie in den Diensten der „Tigerinnen“. Deren Trainerin Bojana Popovic setzt auf Tempowechsel statt Dauervollgas. Es war sicher vorentscheidend, wie unser Team unter der Leitung von Kay Rothenpieler mit dieser Spielweise umging. Kay sollte es schaffen, taktisch zu brillieren.
1. Halbzeit
Borussia hatte Anwurf, und Sarah Wachter stand zu Beginn im Tor. Im Rückraum setzte unser Trainer auf Alina Grijseels, Guro Nestaker und Alieke van Maurik. Am Kreis begann Meril Freriks, die Außenpositionen wurden mit Kelly Vollebregt und Ona Vegué besetzt. Für Alieke van Maurik wechselte Kay Rothenpieler in der Abwehr Laetitia Quist ein. Das Spiel begann wie die vergangenen Spiele auf internationaler Ebene. Insbesondere Guro Nestaker schien von den Gegnerinnen beeindruckt zu sein, denn sie glänzte durch drei Fehlwürfe in den ersten acht Minuten. Tore von Ona Vegué, Merel Freriks und Alina Grijseels verhinderten, dass das Team aus Bukarest sich mit mehr als zwei Toren Vorsprung absetzen konnte. Es sollte in der Folgezeit nicht besser werden. Zahlreiche Fehlpässe und Fehlwürfe führten nach 17 Minuten zu einem 6:12-Rückstand.
Bei den Zuschauern schwand langsam die Hoffnung auf eine Überraschung. Trotz weiterer Fehlwürfe, Fehlpässe und technischer Fehler gelang es unserem Team durch eine konzentrierte Abwehrleistung und Fehler der Gegnerinnen, den Abstand in der 24. Minute auf 10:15 zu verkürzen. Danach folgte leider das scheinbar endlose Fehlpass-Desaster. So stand es zur Halbzeit 20:13 für CSM Bucuresti. In der Helmut-Körnig-Halle glaubte kaum jemand noch an eine Wende im Spiel – niemand ahnte, was der späte Nachmittag noch bieten sollte.
2. Halbzeit
Die zweite Halbzeit war geprägt von einer taktischen Meisterleistung unseres Trainers. Bis zur 38. Minute schien alles nach Plan zu laufen und die Gegnerinnen aus Bukarest führten mit 24:18. Ein gehaltener Siebenmeter von Nicole Wiggins Sancho, die jetzt im Tor stand, läutete die überraschende Wende ein. Diese war auch durch ständige taktische Wechsel in Abwehr und Angriff geprägt. Im Angriff verwirrten sieben Feldspielerinnen die rumänischen „Tigerinnen” und in der Abwehr stellte Kay von 6:0-, 5:1- und 4:2-Formation um. Diese ständigen Wechsel verwirrten das Team um Bojana Popović immer mehr, sodass es innerhalb weniger Minuten nur noch 22:24 stand (43. Minute). Daraufhin nahm Popović das erste Team-Timeout. Es sollte jedoch nicht die erhoffte Wende bringen. Als in der 44. Minute zwei Zeitstrafen für CSM Bucuresti folgten, nutzten die jetzt mit einem Lächeln im Gesicht spielenden Guro Nestaker und Merel Freriks die Gunst der Stunde und erzielten in der 46. Minute den mehr als verdienten Ausgleich zum 24:24.
Doch es sollte noch besser kommen. Mareike Thomaier sorgte mit zwei Treffern für die erstmalige Führung des BVB. Immer mehr begannen die Nerven eine Rolle zu spielen. Ona Vegue, die bisher alle Siebenmeter verwandelt hatte, warf in der 49. Minute daneben. Erneut gingen die Gäste in Führung und Kay Rothenpieler nahm die zweite Auszeit. Es folgte die erstmalige Zwei-Tore-Führung in der 52. Minute. Wieder stellte Kay Rothenpieler kurzfristig auf sieben Feldspielerinnen um – und hatte Erfolg. Beim Stand von 32:30 für uns kam es in der 57. Minute knüppeldick. Kurz nacheinander erhielten Guro Nestaker und Alieke van Maurik eine zweiminütige Strafe, und das Spiel drohte noch einmal zu kippen. Aber da waren ja noch Kelly Vollebregt und Alina Grijseels, die sicher trafen. Es war das gesamte Team, das einen unglaublichen Siegeswillen zeigte. Die letzte Auszeit des Trainers in der 60. Minute war dann nur noch Formsache. Am Ende hieß es 35:32 für die Borussinnen. Die Sensation war perfekt.
Dieses Spiel wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Es hat gezeigt, was Moral, Siegeswille und taktische Flexibilität bewirken können. Der Blick in die Gesichter der Spielerinnen und Verantwortlichen zeigte Stolz und Zufriedenheit. Trotz des enormen Drucks kam auf dem Feld Spielfreude bei den Spielerinnen auf, was sich auch in ihren lächelnden Gesichtern widerspiegelte. Auch die ehemalige Mitspielerin Kaja Kamp Nielsen, die ein Wochenende in Dortmund verbrachte, war auf der Tribüne zufrieden. Ich habe sie als Glücksbringerin zu weiteren Spielen eingeladen. Dieses Spiel hätte wirklich mehr Zuschauer*innen verdient. Daran müssen wir in Dortmund noch arbeiten. Ein solcher Spielverlauf ist auf dem grünen Rasen selten zu sehen. Kommt also beim nächsten Mal in die Halle, wenn ihr Teil eines solchen Spektakels werden wollt!
Das nächste Heimspiel unserer Borussinnen findet wieder in der Halle Wellinghofen statt. Im DHB-Pokal-Achtelfinale treffen sie am 30.09.2026 erneut auf Union Halle-Neustadt. Am 7. Oktober geht es dann an gleicher Stelle in der Liga gegen den Buxtehuder SV. Das nächste Heimspiel in der Champions League ist am Sonntag, den 11.10.2026, in der Helmut-Körnig-Halle. Zu Gast wird dann der Rokometni Klub Krim aus der slowenischen Hauptstadt Ljubljana sein. Die Farben blau und weiß sollten Motivation genug sein, weitere Punkte einzufahren.