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Ein Plädoyer für eine 4. (Profi-)Liga - Warum es mit einer Aufstiegsreform nicht getan ist

10.06.2026, 09:41 Uhr von:  Gastautor*in  
Ein Plädoyer für eine 4. (Profi-)Liga - Warum es mit einer Aufstiegsreform nicht getan ist
"Meister müssen aufsteigen" - eine alte Forderung, hier beim Heimspiel der Amateure gegen Rot-Weiss Essen im Jahre 2018

In einer einst von der Regionalliga-Nordost gestarteten Initiative sollte eine „Aufstiegsreform“ entwickelt werden, die künftig sicher stellen soll, dass „Meister auch aufsteigen“. Ein Gedanke, der bei vielen Fußballfans vermutlich zunächst mal Zustimmung finden wird.

Das Ergebnis des jüngsten Entscheidungsspiels zwischen Würzburg und Lok Leipzig befeuerte die Diskussionen zudem erneut.

Allerdings zeigt sich bereits wieder, dass es nicht leicht sein wird, für die aktuell diskutierten Lösungen (Kompass- bzw. Regionen-Modell) überhaupt Mehrheiten zu finden. Meiner Meinung nach greifen beide Modelle viel zu kurz und sollten daher aus einer anderen Perspektive vielleicht auch nochmal hinterfragt werden.

Das erwartbare Ergebnis der angesprochenen Reforminitiative wäre nur eine erneute Flickschusterei, mit der am Ende nur wenige wirklich zufrieden sein werden. Die Regionalligen sind in ihrer bestehenden Form eine Fehlkonstruktion, deren entscheidende Schwäche auch bestehen bleibt, wenn sie auf 4 Staffeln „umgebaut“ werden sollte. Sie sind (in ihrer Gesamtheit) keine echten „Profi-Ligen“ (auch wenn die „West-Staffel“ sich scheinbar als solche sieht).

Für einen wirklichen Profibetrieb ist zu wenig „Fleisch am Knochen“, um dauerhaft davon leben zu können. Es ist kein Zufall, dass die meisten Insolvenzen von Fußball-Vereinen auf Ebene der Regionalligen stattfinden. Die einen übernehmen sich beim Versuch, ihr zu entfliehen (um an die Fleischtöpfe des echten Profi-Fußballs heran zu kommen). Andere, die von ihrer Struktur eigentlich „Amateur-Vereine“ sind, überfordern sich gleichzeitig in dieser Liga.

Nicht wenige Oberliga-Vereine verzichten daher schon seit Jahren überhaupt darauf, eine Lizenz für die Regionalliga zu beantragen, und damit aus wirtschaftlicher Vernunft nicht selten auf einen möglichen Aufstieg.

Die Regionalliga Bayern hat ihrerseits Probleme, genügend Interessenten für den Aufstieg in die 3. Liga zu finden, blockiert aber gleichzeitig die Reformbestrebungen „aufstiegswilliger Vereine“ aus anderen Staffeln. Was im Übrigen belegt, wie unterschiedlich die Interessenlage auf dieser Ebene ist.

In den anderen Staffeln tummeln sich hingegen reihenweise Vereine, die aus ihrem Selbstverständnis in eine „echte“ Profi-Liga gehören, da Tradition und ein Umfeld (Stadion, Infrastruktur, Fan-Base, etc.), in dem Profi-Fußball gedeihen könnte, vorhanden sind. Stattdessen „versauern“ sie in den für sie wenig attraktiven Regionalligen.

An dieser Grundproblematik würde sich nach meiner Einschätzung auch durch die anvisierte Aufstiegsreform nichts Wesentliches ändern. Auch nicht in 4 Staffeln mit vier Aufsteigern. Ob die 3. Liga 4 Absteiger akzeptieren wird, ist zudem auch noch nicht geklärt. Für Drittligisten ist der Abstieg in die RL nämlich der worst case, den zu verhindern nicht selten zu wirtschaftlichem Harakiri führt. 

Warum stellt man sich hierzulande nicht auch mal die grundsätzliche Frage, wieviel Profi-Fußball Deutschland eigentlich verträgt? Vielleicht sogar benötigt, um im internationalen Fußball wieder eine bessere Rolle spielen zu können.

Warum soll bei uns nicht möglich sein, was im englischen Fußballverband (der erheblich kleiner ist als der deutsche) längst Realität ist? 4 Profi-Ligen (mit bis zu 24 Mannschaften – ohne eine einzige Zweitvertretung!). Auch in Italien gibt es 4 professionelle Ligen.

Meiner Einschätzung nach besteht auch in Deutschland ein Potential, eine Liga-Struktur für den professionellen Fußball zu etablieren, in der für mindestens 80 Vereine Platz ist. Ich bin überzeugt, dass ein Vollprofibetrieb in dieser Größenordnung wirtschaftlich tragfähig wäre.

Macht es wirklich Sinn, sich weiterhin auf die aktuell 56 Clubs zu begrenzen, wenn eigentlich deutlich mehr „Nachfrage“ an professionellen Standorten besteht? Wäre es nicht wesentlich zielführender, über die Einführung einer 4. (Profi-)Liga nachzudenken, als über eine weitere Regionalliga-Reform?

Statt weiter an diesen „Zwitter-Ligen“ herumzubasteln, sollte darüber diskutiert werden, wie eine „sinnvolle Abgrenzung“ bzw. eine „gesunde Verzahnung“ von Profi- und Amateur-Fußball gestaltet werden kann. Eine Liga, in der „kleinen Vereine“ ohne Profi-Ambitionen nicht überfordert werden, die aber denen mit solchen Ambitionen (und den entsprechenden Voraussetzungen) eine realistische Chance bietet, als solche zu existieren.

An diesem Übergang dürfen dann auch „Aufstiegsrunden“ (wie sie jahrzehntelang – zumindest im ehemaligen Westen der Republik, an der Schnittstelle zwischen Amateur- und Profi-Fußball üblich waren) kein Tabu sein. Um an diesen teilnehmen zu dürfen, muss man sich dann auch einem entsprechenden Lizenzierungsverfahren unterziehen.

Von einer Verbreiterung der Profi-Basis dürfte der Fußball auf vielen Ebenen profitieren. So würden unter Anderem deutlich mehr Absolventen der Leistungszentren einen Platz in einem Profi-Kader finden und so der heimische Nachwuchs mehr Chancen bekommen, sich im Profifußball zu etablieren.

Auch, um weiterhin genügend Kinder für Fußball zu begeistern, ist es aus meiner Sicht hilfreich, wenn deutlich mehr Vereine die (auch mediale) Aufmerksamkeit einer professionell organisierten Liga erleben dürften. Wenn Kids für ein „Stadionerlebnis“ nicht 200 km und mehr mit ihren Eltern anreisen müssen. Wie oft wurde nicht auch im hiesigen Forum der erste Stadionbesuch mit Papa als Initialzündung für die eigene Fußball-Begeisterung beschrieben?

Für sowas sind vermutlich nicht zwingend 80 000 Zuschauer notwendig. Auch in der vollgepackten 15 000er Arena kann schon eine elektrisierende Atmosphäre entstehen. Auf einem „Dorfplatz“ mit max. 2 500 Plätzen (wie sie in den aktuellen Regionalligen noch gang und gäbe sind) wohl eher selten…

Daher glaube ich, dass es sich lohnen würde, über eine „größere Lösung“ als eine reine Aufstiegsreform für die Regionalligen nachzudenken. Denn diese wird man auch in 4 Staffeln (egal ob als Kompass-Modell oder Regionen-Modell) nicht auf eine „voll-professionelle“ Basis stellen können. Das ist dann wieder zu viel des Guten!

Ich freue mich auf Eure (Gegen-)Argumente.

Daniel ("born-to-run")

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